Erinnerung an Schweizer Immigranten in New York
Das berühmte New Yorker Museum auf Ellis Island plant eine Sonderausstellung zum Leben von Schweizer Immigranten in den USA.
Die Vorbereitung liegt bei einer Gruppe, die gleichzeitig versucht, in der Schweiz ein Migrationsmuseum auf die Beine zu stellen.
Für 12 Millionen Immigrantinnen und Immigranten war Ellis Island vor New York im 19. und 20. Jahrhundert das Tor zur Neuen Welt. Seit 1990 ist die Insel ein Museum.
Die permanente Sammlung von Gegenständen und Berichten von Immigranten kombiniert mit Sonderausstellungen dient als Modell für das Schweizer Projekt.
«Wir wissen, dass wir das, was sie in Ellis Island haben, nicht kopieren können», sagt Markus Hodel, Projektleiter für das Migrationsmuseum. «Nicht zuletzt, weil auch die Insel selber eine wichtige Rolle in der Geschichte der Immigration einnimmt.»
Am Beispiel der Schweiz will die Gruppe jedoch auch den Schweizerinnen und Schweizern zeigen, wie Immigration im Lauf der Zeit die menschliche Entwicklung vorangetrieben hat.
Verein will Migration thematisieren
Begonnen werden soll nun mit einer temporären Ausstellung in New York. «Die Idee für die Sonderausstellung kam nach dem Besuch einiger unserer Leute auf Ellis Island.»
Das Museum in New York habe um Vorschläge gebeten und jetzt eine temporäre Ausstellung ausgewählt. «Sie könnte bis zu vier Monate lang laufen», freut sich Hodel.
Allerdings ist die Finanzierung noch keineswegs gesichert. Hodel geht davon aus, dass diese Ausstellung deutlich über eine Million Franken kosten würde. Bisher hat das Migrationsmuseum allerdings nicht allzu erfolgreich Geldmittel beschafft.
Der Verein wurde 1998 gegründet, um Diskussionen und Ausstellungen über die Migration ein permanentes Heim zu bieten. Die Pläne, sich in eine Liegenschaft in Zürich West einzumieten, scheiterten früher in diesem Jahr an Geldmangel: Der Verein konnte die zwei Millionen Franken nicht aufbringen.
Harte Zeit für die Kultur
Die Totalkosten einer permanenten Ausstellung dürften sich laut dem Projektleiter auf rund zehn Millionen Franken belaufen.
«Es ist bestimmt keine gute Zeit, um Geld für kulturelle Projekte zu beschaffen», weiss auch Hodler. «Die meisten Hürden waren finanzieller Art.»
Er ist aber zuversichtlich, dass wenigstens für die temporäre Ausstellung auf Ellis Island die Mittel zusammen kommen werden. Die Partner wie Präsenz Schweiz, Pro Helvetia und das Bundesamt für Kultur sollen sich im Herbst entscheiden.
Klischees zerschlagen
Noch sind keine Details der Ausstellung bekannt. Sicher aber will sie falsche Vorstellungen über die Schweiz von damals und heute korrigieren.
«Viele Menschen wissen nicht, dass die Schweiz kein reiches Land war zu Beginn des letzten Jahrhunderts», sagt Hodel. «Nur wegen der nachfolgenden ökonomischen und sozialen Verbesserungen ist die Schweiz von einem Emigrationsland zum Ziel von Immigranten geworden.»
«Allerdings wird nicht genügend betont, wie wichtig die ausländischen Einwanderer für diesen Erfolg waren», meint er. «Wir möchten einige dieser Erfolgsgeschichten beleuchten. Leute sollen auch die positiven Seiten der Immigration sehen!»
Premiere allein auf Ellis Island?
Sollten bis im Jahr 2006 in der Schweiz keine Räumlichkeiten für eine Dauer-Ausstellung gefunden werden – auch ein Boot in Basel ist im Gespräch – könnte die Ausstellung über die Schweizer Migration sehr wohl ihre Premiere in New York haben.
swissinfo, Mark Ledsom
(Übertragen aus dem Englischen: Philippe Kropf)
Über 12 Mio. Einwanderer reisten von 1892 bis 1954 via Ellis Island in die USA ein.
Seit 1965 ist die Insel Teil des «Statue of Liberty National Monument».
1990 wurde dort eine Ausstellung eröffnet, welche die Migration beleuchtet.
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