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Eröffnung der «Tate Modern»

Am Donnerstag (11.05.) wird die "Tate Gallery of Modern Art" offiziell eröffnet. Die neue Dependance der berühmten Londoner "Tate" wurde vom renommierten Basler Architekturbüro Herzog & de Meuron entworfen.

Schon vor der feierlichen Eröffnung durch Queen Elisabeth II meldete das neue Museum für moderne Kunst beachtliche Ambitionen an: «Die Tate Modern wird ein Symbol für das London des 21. Jahrhunderts», meldet die Tate Gallery: «Das neue Haus wird seinen Platz einnehmen neben den grossen Museen für moderne Kunst der Welt.»

Der 345-Millionen-Franken-Bau der «Tate Modern» ist das bislang prestigeträchtigste Unternehmen des Basler Architektenbüros Herzog & de Meuron. «Es ist unser bisher grösstes, komplexestes und aufregendstes Projekt», erklärte Jacques Herzog.

Aus 148 Bewerbungen ist das Basler Konzept für den Umbau der Bankside Power Station ausgewählt worden, weil dieses Design «die Integrität des Originalgebäudes respektiert.» Die Strategie war, «nicht gegen den gegebenen Bau zu arbeiten», betont Herzog, «sondern ihm durch Ergänzungen eine neue Bedeutung zu geben.»

Nicht einfach Abräumen, sondern vorhandenes Potenzial nutzen, lautete das Motto. Konzeptuelle Flexibilität interessierte das Basler Büro schon immer mehr als «bildhauerische Selbstverwirklichung» (wie Herzog das nennt) oder die Entwicklung persönlicher Markenzeichen und von Corporate Identity.

Das Resultat in London überzeugt: Tatsächlich wurde das stillgelegte Kraftwerk, ein Ziegelstein-Monolith am Südufer der Themse, unter den Händen von Herzog & de Meuron sanft subvertiert.

Wo andere Projekte die Sprengung des markanten Industriekamins vorschlugen, entkräften die Basler die vertikale Dominanz mit einem zweistöckigen gläsernen Dachaufbau und schaffen damit einen horizontalen Kontrapunkt.

Mit dieser nachts erleuchteten, ätherisch-leichten Glaskonstruktion, dem «lightbeam», und einer Reihe von Hochfenstern wird das ehemals gravitätische Industriemonument mühelos zur Eleganz bekehrt.

Und ähnlich unterlief das Schweizer Team auch innenarchitektonisch mit subtilen, kleinen Eingriffen die Massivität des Gebäudes, ohne es dabei je zu denunzieren. Es fügt Brücken und Balkone ein, verändert die Wandstrukturen, variert die Deckenhöhen und belegt die Böden mit sägerohen Eichenbrettern.

Herzog & de Meuron schufen mit riesigen Fenstern Seitenlicht und überspannten die Eingangshalle, den ehemaligen Turbinensaal, mit einem Glasdach. Herzog spricht von einer Art «architektonischer Landschaftsgestaltung»: Die Industriehallen wurden mit zahlreichen Modifikationen und Beifügungen als Kulturraum gewonnen.

Das Resultat der Arbeiten ist eher ein Neubau als ein Umbau: Er beherbergt auf sieben Niveaus neben verschiedenen Ausstellungsräumen eine Palette von Projektions- und Seminarräumen sowie Auditorien, Cafés, Lounges und Restaurants und zu einem späteren Zeitpunkt auch eine Bibliothek.

«Wir wollten nicht nur ein Museum, sondern ein Stück Stadt, einen Treffpunkt in London schaffen», kommentiert Herzog. Damit wird die Tate Modern, obwohl sie eine der weltweit wichtigsten Sammlungen moderner Kunst enthalten soll, kein elitärer Musentempel, sondern ein belebter Ort der Begegnung, der nicht nur Kunstinteressierte anlocken wird.

Das 1975 gegründete Basler Büro Herzog & de Meuron ist für seine Flexibilität und originelle Vielfältigkeit im Umgang mit Materialien und Formen bekannt. Das Team zählt etwa neben Frank Gehry oder Renzo Piano zu den international zurzeit gefragtesten Museumsbauern.

Aktuelle Museumsprojekte neben der Tate Modern sind das Walker Art Center in Minneapolis und das De Young Museum im Golden Gate Park, San Francisco. In der Schweiz zeichnet das Büro für die Erweiterung des Aargauer Kunsthauses (Abschluss im Jahr 2003) verantwortlich.

The Swiss Light

Die Koordinationskommission für die Präsenz der Schweiz im Ausland (KOKO) finanzierte die Installierung des Lichtkranzes «The Swiss Light» auf dem Kamin der neuen Tate Modern.

Der 300 000 Pfund (rund 800 000 Franken) teure Lichtkranz wurde vom Büro Herzog & de Meuron in Zusammenarbeit mit dem britischen Künstler Michael Craig-Martin entworfen. Das weitherum sichtbare «Swiss Light» soll die Schweizer Präsenz in der Weltstadt unterstreichen.

swissinfo und Agenturen

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