«Expressiv!»
Die Fondation Beyeler in Riehen bei Basel widmet ihre neue Ausstellung dem Expressionismus am Anfang des 20. Jahrhunderts.
Sie will aber auch Vorläufer wie Nachfahren dieser Strömung aufzeigen.
Der Expressionismus sei auch eine Rebellion, ein «Aufschrei der Seele gegen die Mechanisierung» gewesen, sagte Kurator Markus Brüderlin bei der Präsentation der neuen Ausstellung. In rund 200 Werken von rund 60 Künstlerinnen und Künstler spürt die Ausstellung diesem Thema nach.
Vorläufer
Als frühe Vorläufer einer expressiven Kunst zeigt die Fondation El Greco sowie Francisco de Goya. Mit mehreren Gemälden werden auch Vincent Van Gogh und Paul Gauguin in die Reihe der «Patres des Expressionismus» gestellt.
Als unmittelbare Vorläufer der Kunstrichtung gelten den Ausstellungsmachern aber Maler wie Edvard Munch, Paula Modersohn- Becker oder James Ensor. Auch die Schweizer Ferdinand Hodler und Cuno Amiet werden in die Reihe von Malern mit einer expressionistischen Bildsprache gestellt.
Hauptrichtungen gegenübergestellt
Zentrum der Ausstellung bildet der grosse Saal, wo die Ausstellung die Hauptrichtungen des Expressionismus einander gegenüberstellen. Eine reiche Auswahl gibt die Ausstellung von den Künstlergruppen der «Brücke» mit Ernst Ludwig Kirchner und Emil Nolde und «Blauer Reiter» mit Malern wie Wassily Kandinsky oder Franz Marc.
Ebenfalls zum «Kern» der Ausstellung gehören die österreichischen Expressionisten wie Egon Schiele und Oskar Kokoschka. Die Ausstellungsmacher präsentieren hier zudem auch den französischen Fauvismus mit den Vertretern Henri Matisse, André Derain und Maurice de Vlaminck.
Spät-Expressionismen
Mit «Spät-Expressionismen» zieht die Ausstellung die Linie in die Zeit nach dem 1. Weltkrieg weiter zu Künstlern wie Max Beckmann, George Grosz und Otto Dix. Auch Bezüge zu Malern des Surrealismus werden geschaffen.
Als Beispiele expressiver Malerei nach dem 2. Weltkrieg werden etwa Jean Dubuffet, Jackson Pollock, Willem de Kooning, vor allem aber Francis Bacon aufgeführt. Auch Werke von Pablo Picasso finden hier einen Platz.
Im Untergeschoss des Museums kommt die Ausstellung schliesslich in die Postmoderne zu den Strömungen des Neoexpressionismus und der neuen Figurativen Malerei um Künstler wie Georg Baselitz und Anselm Kiefer. Sie greift dann auch die Bewegung der «Jungen Wilden» der achtziger Jahre auf. Den Schlusspunkt bildet Bruce Naumans tönende Rauminstallation «Anthro/Socio».
Guernica-Kopie als Kriegsprotest
Wie bereits bei der Ausstellung über Anselm Kiefer im September 2001 setzte Museumsgründer Ernst Beyeler auch diesmal einen Bezug zum Zeitgeschehen. Er erinnerte daran, dass bei der Rede des US-Aussenministers Colin Powell vor der UNO der dort hängende Wandteppich, der Pablo Picassos Antikriegsbild «Guernica» abbildet, verhüllt war.
Es handle sich um einen einmaligen Vorgang, sagte Beyeler: «Vor Picassos Guernica hätten Powells Satellitenbilder ihre Aussagekraft verloren.» Eine Guernica-Kopie in der Eingangshalle der Fondation Beyeler wird nun während der Ausstellung an den Irak-Krieg erinnern.
swissinfo und Agenturen
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