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Freude über Spaniens Triumph

Jubel in Spanien, Lob in der Presse. swissinfo.ch

44 Jahre nach dem EM-Titel im eigenen Land steht Spanien wieder ganz zuoberst. Ein verdienter Europameister, und alles in allem eine wunderschöne Euro 08, tönt es einhellig in der Schweizer Presse - nach 23 Tagen Fussball total.

Der grösste Sportanlass, den die Schweiz und Österreich je gesehen und gemeistert haben, ist Geschichte. Die Bilanz fällt grossmehrheitlich positiv aus. Und mit dem neuen Europameister scheint alle Welt zufrieden.

«Keine Frage», schreibt der Berner Bund. «Spanien hat diesen Europameistertitel nicht gestohlen. Mit 1:0 gegen Deutschland ist dieser Sieg zu knapp ausgefallen, sie vergaben zu viele Chancen und hätten eigentlich 2:0 oder 3:0 gewinnen müssen.» Mit Spanien habe auch die Mannschaft gewonnen, die bis zum Finale das beste Turnier spielte.

«Caramba, enfin gagné», endlich gewonnen, so die Freiburger Zeitung La Liberté. «Vereint, lebendig, modern: Dieses Spanien ist der beste Botschafter der Euro 2008 von gutem Jahrgang, sowohl technisch wie auch taktisch und von der Dramaturgie der Spiele her.»

«Spanien schreibt das Sommermärchen», titelt die Neue Luzerner Zeitung. Und im Gegensatz zum Vorgänger Griechenland sei Spanien sicher keine Eintagsfliege. «Bei den Griechen waren die bevorstehenden Schwierigkeiten absehbar. Die Spanier hingegen haben genügend Qualität, um auch in Zukunft an bedeutenden Turnieren eine wichtige Rolle zu spielen.»

Ein Sieg für den Fussball

Mit Spanien als Europameister könnten alle einpacken, die gesagt hätten, mit Schönspielerei, mit gepflegtem Kurzpass- und Offensivspiel lasse sich heutzutage kein Blumentopf mehr gewinnen, schreibt das Boulevardblatt Blick.

«Die Iberer sind nicht, wie so oft, in Schönheit gestorben, sie haben in Schönheit gewonnen. Sie waren die Antagonisten zu den Beton-Griechen vor vier Jahren, dem hässlichsten Titelgewinner aller Zeiten.»

«Die Besten blieben die Besten», so lautet der Titel im Zürcher Tages-Anzeiger. «Es ist der grosse Triumph für den ältesten Trainer dieser EM, für Luis Aragonés. Bald 70 ist er, ein kauziger, manchmal griesgrämiger und eigenwilliger Typ, besessen vom Fussball, einer der alten Schule, der mit neusten Methoden arbeitet.»

Endlich triumphiere die Kunst, schreibt die Basler Zeitung. «Ein Europameister, der mit seinem Fussball die Herzen der Fans erreicht – das ist vier Jahre nach Griechenlands Erfolg mit einem Defensivkonzept die schöne Schlusspointe der Euro 2008.»

Von einem «überfälligen Erfolg» spricht die Neue Zürcher Zeitung. Mit dem sechsten Sieg im sechsten Spiel habe die spanische Nationalmannschaft ein perfektes Turnier standesgemäss abgeschlossen.

«Im Gegensatz zum Sensationssieg der Defensiv-Handwerker aus Griechenland vor vier Jahren macht der neue Europameister auch Fussball-Ästheten glücklich. Er verfügt über technische Klasse und Ballgefühl à discrétion und inszenierte in den letzten drei Wochen ein überragendes Kombinationsspiel.»

Fast perfekte Organisation

Nun gelte es wieder Tritt im Alltag zu finden, schreibt der Lausanner 24 heures etwas wehmütig. «Drei unvergessliche Wochen, die heute Abend eine grosse Leere hinterlassen, wenn wir mit der Fernbedienung vor dem Bildschirm sitzen. Schwierig, wieder ein Programm zu finden, das gleich aufregend ist wie jenes seit dem 7. Juni.»

Das Blatt bezeichnet das von Österreich und der Schweiz gemeinsam organisierte Grossereignis als ein Turnier der «Generosität, der Emotionen und Leidenschaft».

«Werte, die jenen Glück gebracht haben, die sie verteidigt haben. Und Werte, die wieder gelten müssen im Jahr 2010 bei der Fussball-Weltmeisterschaft in Südafrika.»

Der Genfer Le Temps hat viel Lob übrig für die Organisatoren des Turniers. «Die Organisation war praktisch perfekt, trotz der Zweifel, die zu Beginn existierten. Die beiden Gastländer haben gezeigt, dass sie in der Lage sind, eine Veranstaltung dieser Dimension durchzuführen. Das ist erfreulich, vor allem für die Schweiz, wo man die Lust auf Abenteuer verloren zu haben schien.»

Laut der Neuen Zürcher Zeitung hat die Schweiz die richtigen Prioritäten gesetzt. «Zwar wurde die Eidgenossenschaft weder Europameister, noch hat es die Euro 08 geschafft, aus uns Skeptikern leicht entflammbare ‚Euphoriker‘ zu machen. Doch hat dieses Land im Juni 08 bewiesen, dass es nach wie vor ein verlässlicher Partner, ein guter Gastgeber für internationale Grossunternehmungen ist. Das ist nicht wenig in Zeiten, da immense Schadensmeldungen täglich an unserem Image kratzen.»

Wermutstropfen

«Vorhang zu. Die Schweiz und Österreich, mehr präsent als gute Gastgeber denn als gute Fussballer, haben der Uefa die Euro-Schlüssel zurückgegeben», so die Tessiner Zeitung La Reggione. Eine Euro, die sie gemeinsam und makellos gemeistert hätten.

Zu gerne würde man sich rückblickend nicht nur an ein Jahrhundertfest mit tollen Fans und dem richtigen Sieger erinnern, sondern auch an ein Schweizer Team, das über sich hinauswuchs, so der Berner Bund.

«Trösten können sich die Gastgeberländer damit, dass die EM gut organisiert war und friedlich verlaufen ist. In diesen drei Wochen hat der Fussball seine völkerverbindenden Qualitäten wieder einmal unter Beweis gestellt. Und das zählt doch auch.»

swissinfo, Gaby Ochsenbein

Die Schweiz und Österreich haben die Fussball-Europameisterschaft 2008 als Ko-Organisatoren vom 7. bis zum 29. Juni 2008 organisiert.

Beide Länder waren damit automatisch qualifiziert, schieden aber bereits in der Vorrunde aus.

Die 31 Spiele wurden in 4 Schweizer Städten ausgetragen (Basel, Bern, Genf, Zürich) und in 4 österreichischen (Innsbruck, Klagenfurt, Salzburg und Wien). Das Finalspiel fand am 29. Juni in Wien statt.

Die Kosten für die Schweiz wurden auf 182,1 Mio. Franken geschätzt. Der Beitrag des Bundes beläuft sich auf 82,78 Mio. Franken.

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