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Gezeichnete Schweiz

Lange Zeit waren Comics in der Schweiz verpönt; heute werden sie geliebt. Keystone

Schweizer Geschichte erzählt mit Sprechblasen und Bildern. Auf Initiative des Luzerner Comix-Festival Fumetto zeigt das Historische Museum Luzern eine Ausstellung zum Thema "Zeitreisen - Schweizer Geschichte im Comic". Zu sehen ist eine ausgezeichnete Schweiz, mit Ausschnitten aus allen verfügbaren Comics zur Schweizer Geschichte.

Es dauerte gutschweizerisch seine Zeit, bis den Comics hierzulande die nötige Anerkennung zuteil wurde. Lange haftete den Comics, diesen Bildergeschichten mit Sprechblasen etwas zweitklassiges, wenn nicht gar drittklassiges an.

Weder als Literatur noch als Kunst, einfach als billige und begehrte Kiosk-Unterhaltung wurden die Comichefte geduldet. Anerkannt waren allenfalls Mickey Mouse und Dago Duck aus dem Hause Disney, Tim und Struppi aus Frankreich; Batman, der Überflieger und einem wildschweine-fressendem charmanten Gallier namens Obelix samt Schosshündchen gelang es einige Herzen zu erobern.

Trendy Kunst

In der Schweiz lagen derweil in den Drogerien die Geschichten von Papa Moll auf und es herrschte ein unausgesprochener Konsens: Comics gehören ins Kinderzimmer, sind nett und harmlos. Was nur eine Seite der Hefte war. Es gab schon damals auch eine Schar Erwachsener, die längst wussten, dass der schnelle Strich und der kurze Text eines grossen Talents bedarf und dass Bildergeschichten durchaus nicht immer jugendfreundlich daher kommen müssen.

Tempi passati. Der Comic ist salonfähig geworden, hat seine Anerkennung als eigenständige Kunstgattung erhalten. In der Schweiz,das beweist nicht zuletzt das zehnjährige Jubiläum des Comixs-Festivals Fumetto, wächst die Szene munter weiter. Und wer etwas auf sich hält und trendy sein will, hat zuhause neben den Bestsellern und den ungelesenen Klassikern immer auch einige Comics aufliegen. Daneben leisten sich auch Printmedien (wieder) vermehrt die kleinen grossen Geschichten, die oftmals mehr Beachtung finden als manche Inlandreportage.

Gezeichneter Geschichtsunterricht

Genremässig kennt der Comic keine Grenzen. Kein Thema, welches die ausgezeichneten Zeichner und Texter nicht in eine illustrierte Form bringen könnten. Comics können unterhalten, aufklären, provozieren, belehren oder eben wie die Ausstellung in Luzern zeigt, Geschichtsunterricht bieten. Das Historische Museum Luzern hat rund 50 Comics aus Bibliotheken und Privathaushalten zusammengetragen. Rund die Hälfte davon ist noch im Handel erhältlich und kann im eigens eingerichtetem Raum gelesen werden.

Gegliedert ist die Ausstellung «Zeitreisen – Schweizer Geschichte im Comic» in: Antike, Mittelalter, Neuzeit, 20. Jahrhundert und in «Zeitlose Geschichten mit historischen Figuren und Sagen». Keinmal dürfen Sie raten, wer prominent vertreten ist? Richtig: Willhelm Tell.

Jüngstes Beispiel: «Der dritte Tell» von Kirchhofer/Thalmann, welche die Leserschaft mit atemberaubendem Pinsel-Strich in die Zeit des 17. Jahrhunderts versetzen, der Zeit des grossen Schweizerischen Bauernkrieges von 1653. Daneben finden sich auch «Wie Globi Ritter wurde», oder die 2-bändige «Geschichte der Rätoromanen»

Und wie sieht das Geschichtsverständnis im Schweizer Comic aus? Dazu Claudia Hermann, Konservatorin am Historischen Museum: «Es gibt erstaunlich wenige Comics zu ‚heissen‘ Themen der Zeitgeschichte. Meist ist es die heile Schweiz, die nette und liebe Heidiland-Schweiz, die gezeigt wird. Kritik ist zwar teilweise vorahnden. Doch ist der 2. Weltkrieg kein Thema.»

Schade, aber vielleicht regt ja die Ausstellung dazu an, diesen Teil der Schweizer Geschichte im Comic aufzuarbeiten. Am Medium jedenfalls kann es nicht liegen, wie Art Spiegelman mit «Maus», der Geschichte seines Vater, der den Holocaust überlebte, bewiesen hat.

Brigitta Javurek

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