«Ich bin das Problem»
Nach der Ankündigung seines Rücktritts als Zurich-Verwaltungsrats-Präsident gesteht Rolf Hüppi Fehler ein. Den Entscheid habe er selber gefällt.
In einem Interview mit der «SonntagsZeitung» erklärte Hüppi, er hoffe, dass durch seinen Rücktritt die Zurich Financial Services aus den negativen Schlagzeilen verschwinde. «Sicher habe ich Fehler gemacht», sagte Hüppi. Vor allem in der Kommunikation nach aussen sei nicht alles rund gelaufen. Er habe es Ende 2000 nicht geschafft, darauf aufmerksam zu machen, was auf die Zurich zukommt: Die Transformation sei ungenügend kommuniziert worden.
Hüppi gestand ein etwas zu schnelles «Reformtempo» ein, doch sei er nicht ins Schleudern gekommen. Aber das Management-Programm sei 2001 überladen gewesen, was zu Unsicherheiten geführt habe. Auch die Konzentration auf fünf Geschäftsbereiche habe Umwälzungen mit sich gebracht – und entsprechende Spannungen.
Rücktritt als Blitzableiter
Frustriert sei er darüber, dass man die Zürich in einer Krise sehen wolle, was nicht der Fall sei. «Ich hoffe, mein Rücktritt wirkt als Blitzableiter.» Der Entscheid sei ihm jedoch nicht leicht gefallen. «Das Schwierigste daran war, dass ich mir irgendwann eingestehen musste, dass ich selber das Problem bin.»
Den Entscheid habe er selber getroffen: «Ich nehme an, dass der Verwaltungsrat erleichtert ist.» Zu Spekulationen über die Nachfolge für den Konzernchef (CEO) wollte sich Hüppi im Interview nicht äussern. Den Vorwurf, die Nachfolgefrage vernachlässigt zu haben, weist er ab. Nun habe der Verwaltungsrat Zeit, verschiedene Varianten zu prüfen.
Abgangsentschädigung noch nicht geregelt
Die Abgangsentschädigung sei noch nicht geregelt, sagte Hüppi. Gegen einen Vergleich mit dem ehemaligen ABB-CEO Percy Barnevik wehrt er sich vehement. «Das gibt es bei der Zürich nicht.» Doch rechne er damit, nach 39 Jahren fair behandelt zu werden.
Laut «SonntagsZeitung» will die Interessen-Gemeinschaft Zurich Financial Services (IGZFS) weiter Druck machen. Die IGZFS fordert eine grundlegende Erneuerung des Verwaltungsrates mit Finanz- und Versicherungs-Experten. Auch die Aktionärs-Interessen sollen besser vertreten werden.
swissinfo und Agenturen
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