Italienisch – «La dolce lingua»
Die italienische Sprache und Kultur sind zu einem unübersehbaren Teil des heutigen Alltags in der Schweiz geworden.
Dies zeigt die Ausstellung «La dolce lingua» im Schweizerischen Landesmuseum in Zürich.
«Ciao», «Pasta», «Amore» oder «Paparazzi» – dies sind nur einige der Wörter, die in der Deutschschweiz geläufig sind. Die italienische Sprache ist präsent in allen Lebenslagen.
Die Ausstellung «La dolce lingua» (die süsse Sprache) im Schweizerischen Landesmuseum in Zürich wurde von der Società Dante Aligheri in Rom konzipiert und war bereits in den Uffizien in Florenz mit grossem Erfolg gezeigt worden. In der Schweiz kam sie nur dank der starken Unterstützung der italienischsprachigen Schweiz zustande.
Sie ermögliche einen einmaligen Einblick in kostbarste geschichtliche Dokumente dieser klangvollen Weltsprache, liess der Schweizer Kulturminister Pascal Couchepin verlauten.
«Und sie stärkt das Bewusstsein, dass auch unser viersprachiges Land einen direkten Anteil an diesem reichhaltigen kulturellen Erbe hat», so der Bundesrat weiter.
Die Schweiz und die italienische Sprache
Ein spezieller Raum in der Ausstellung ist der Schweiz gewidmet. Sie ist das einzige Land ausserhalb Italiens, in dem Italienisch als Amtssprache stark verbreitet ist.
Thematisiert wird hier die Verbreitung der Amtssprache Italienisch in den beiden Kantonen Tessin und Graubünden, oder auch die Lehre der italienischen Sprache an Schweizer Universitäten. Aber auch das durch italienische Immigranten aufgebaute Verlagswesen ist ein Thema.
In den Schweizer Schulen spreche man nicht mehr so viel Italienisch. Das bedeute, dass die Kultur etwas vergessen werde, sagt Regula Zweifel, Vizedirektorin des Landesmuseums in Zürich. «Deshalb ist es wichtig für unser Museum, dass wir diese Kultur zeigen.»
Laut Bruno Moretti, Italienisch-Professor an der Universität in Bern, ist die Ausstellung kein Alibi und wird unbestritten positive Auswirkungen haben. «Illusionen darf man sich aber keine machen: Eine Ausstellung von aussen kann das Italienische und die Italianità in der Schweiz nicht retten. Sie kann höchstens das Prestige der italienischen Sprache verbessern.»
Von gestern bis heute
Im Zentrum stehen die italienische Sprache und ihre Kultur. Die Ausstellung zeichnet die Entstehung und Geschichte des Italienischen.
So wie etwa Federico Fellinis Film «La dolce vita» in den 60er-Jahren der Welt ein Bild der «Italianità» vermittelte, so schufen bereits im 13. Jahrhundert italienische Dichter Werke, welche die italienische Kultur stark prägten.
Dantes «Divina Commedia» und Boccaccios «Decameron» sind nur zwei der Werke, die in der Ausstellung zu bewundern sind. «La dolce lingua» spannt den Bogen von der Entstehung der klassischen italienischen Sprache bis hin zum heutigen Gebrauch.
Schriftstücke und Gemälde, Graffiti und Liebesbriefe und natürlich Bücher veranschaulichen die Besonderheit der Sprache und zeigen die Anfänge der italienischen Poesie. Die eher abstrakten Themen werden geschickt und auf spielerische Art und Weise mit interaktiven Medien zum Klingen gebracht.
Die Entstehung der Schriftsprache
Ein Ausstellungsteil verdeutlicht, dass das Italienische zuerst nur von wenigen Literaten als Schriftsprache verwendet wurde. Der grösste Teil der Bevölkerung, meist Analphabeten, pflegte regionale Dialekte. Erst mit der Einheit Italiens und dank Radio und Fernsehen entwickelte sich eine einheitliche Sprache.
So können an einem Bildschirm zum Beispiel die Wege von ins Italienisch eingegangenen Dialekt-Wörtern nachvollzogen oder auf einer Karte die unterschiedlichen Bezeichnungen für eine bestimmte Nudelart recherchiert werden.
Italienische Bibel
Als einen Höhepunkt der Ausstellung bezeichnen die Macher die so genannte «Sacra Bibbia» von Diodati. Diese ins Italienische übersetzte und 1608 in Genf gedruckte Bibel wurde in den italienisch- und rätoromanischsprachigen, reformierten Gemeinden Graubündens noch lange intensiv genutzt.
swissinfo, Gaby Ochsenbein
«La dolce lingua» – Die italienische Sprache in Geschichte, Kunst und Musik ist noch bis zum 29. Mai 2005 im Schweizerischen Landesmuseum in Zürich zu sehen.
Die Società Dante Alighieri entstand 1889 in Italien. Der Verein mit Hauptsitz in Rom ist weltweit mit Komitees vertreten.
In der Schweiz gibt es 19 Komitees. Die Società Dante Alighieri Zürich wurde 1944 gegründet.
Für 6,5% der Schweizer Bevölkerung ist Italienisch die Hauptsprache.
Ein Ausstellungsbereich widmet sich der spezifisch schweizerischen Ausprägung des Italienischen.
Die Ausstellung wird von einem breiten Rahmenprogramm begleitet, das in Zusammenarbeit mit der Società Dante Aligheri Zürich, den Organisationen Pro Ticino und Pro Grigioni Italiano und dem Bundesamt für Kultur erarbeitet wurde.
Die Schweiz ist das einzige Land ausserhalb Italiens, in dem Italienisch als Amtssprache stark verbreitet ist.
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