Literarische Weltreise
Der Rundgang in einer interkulturellen Bibliothek gleicht einer literarischen Weltreise,
Es sind wahre Schätze der Kinder-und Jugendliteratur zu entdecken.
Die «Bremer Stadtmusikanten» oder «Der Kleine Prinz» in Dutzend Sprachen verlocken zum Lesen, «Heidi» oder «Pinocchio» erzählen von ihren Abenteuern in Albanisch, Spanisch oder Kambodschanisch.
Bestseller in allen Sprachen
«Harry Potter» gibt es in Russisch und Thailändisch. Der Held afrikanischer Kinderbücher ist der Hase Loik, während in der Türkei die Kinder über Nafredin Hocha lachen. Die iranische Version des gutmütigen Einfaltspinsel nennt sich Molla Nafredin und in arabischen Ländern taucht er als Guha in jeder Kinderstube auf.
Romane, Märchen, Sachbücher wie auch Enzyklopädien, Lexika und Wörterbücher sind in den Bibliotheken in den ausgefallensten Sprachen vorhanden: Auf Berberisch und Kreolisch, in Tigrina, Tagalog, Punjabi, Urdu und Wolof.
Kaum ein Kind, das kein Buch in seiner Sprache entdeckt und es, beim Besuch mit der Schulklasse, nicht voller Stolz seinen Kameradinnen und Kameraden präsentieren kann, was jedes Mal ein besonderes Erlebnis ist, das positive Folgen haben kann.
Gefahr der Diskriminierung
Gerade Knaben und Mädchen, die in der Schule aufgrund ihrer mangelnden Deutschkenntnisse eher negativ auffallen würden, würden auf einmal fehlerlos in ihrer Muttersprache vorlesen, erklärt Nelly Stark, Leiterin der interkulturellen Bibliothek in Basel. «Das kann das Verhältnis zur Klasse und zur Lehrerin positiv beeinflussen.»
Es besteht aber auch die Gefahr, dass Kinder sich diskriminiert fühlen, wenn sie nur wenige Bücher in ihrer Muttersprache entdecken, die zudem noch billig und schlecht gemacht sind.
«Das braucht dann viel Fingerspitzengefühl, den Kindern zu erklären», sagt die Basler Kollegin Ursina Gloor, «dass es unterschiedliche Druckqualitäten gibt, doch dass das literarische Schaffen eines Landes nicht von Hochglanz und dickem Papier abhängt oder von der Quantität der Bücher, die wir hier in der Bibliothek haben».
swissinfo, Carole Gürtler
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