Luc Bondy wird Intendant der Wiener Festwochen
Der Intendant der Wiener Festwochen ab dem Jahr 2002 heisst Luc Bondy (Bild). Der 52-jährige Schweizer Regisseur wurde in Wien als künftiger künstlerisch allein verantwortlicher Leiter des Kulturfestivals vorgestellt.
Der Schweizer Regisseur Luc Bondy (Bild) soll als alleiniger Intendant vom Jahr 2002 an die Wiener Festwochen leiten. Das gab der Wiener Kulturstadtrat Peter Marboe am Montag (24.01.) bekannt. Er bezeichnete es als «immensen Gewinn» für die Stadt, den Theater- und Opernregisseur noch stärker an das Festival zu binden.
Luc Bondy ist seit 1997 im Dreier-Direktorium mit Hortensia Völckers und Klaus- Peter Kerr für den Schauspielbereich des Sommerfestivals verantwortlich, sein Vertrag wurde vorerst für drei Jahre abgeschlossen.
Der Regisseur kündigte an, er wolle das alljährlich im Mai und Juni stattfindende Festival als «Labor im besten Sinne» führen, in dem die Dinge gekocht würden, die das Theater in Zukunft bestimmen. Es sei wichtig, Anregungen aus dem Off-Bereich und von der «Peripherie des Theaters» aufzugreifen. Für seine erste Saison plant Bondy einen Schwerpunkt zum Thema Fremdenfeindlichkeit. Die Festwochen sollten auch auf gesellschaftspolitische Phänomene reagieren.
Die Vergabe von Aufträgen an Gegenwartskünstler wie Kooperationen mit anderen Festivals und Theatern will Bondy fortführen. In jeder Festwochen-Saison will er eine eigene Inszenierung vorstellen. Der vielbeschäftigte Regisseur wurde bereits im vergangenen Sommer als Wunschkandidat der Wiener Kulturpolitik gehandelt. Im Juni hatte das bisherige Dreier-Direktorium mitgeteilt, es wolle die Verträge nicht über 2001 hinaus verlängern.
Von Kritikern und Publikum hoch geschätzt
Der erfolgsverwöhnte, von Kritik und Publikum geschätzte Künstler wurde am 17. Juli 1948 in Zürich als Sohn des österreichisch- ungarischen Publizisten François Bondy und einer jüdisch-deutschen Mutter geboren.
Von 1974 bis 1976 arbeitete Bondy an den Städtischen Bühnen Frankfurt, bevor er an der von Peter Stein geleiteten Berliner Schaubühne zahlreiche Stücke herausbrachte.
1984 folgte eine Aufsehen erregende Inszenierung von Schnitzlers «Das weite Land» am Théâtre des Amandiers im Pariser Vorort Nanterre, für die Bondy mit dem Deutschen Kritikerpreis sowie der «Grossen Theater-Trophäe» des französischen Krirtikerverbandes ausgezeichnet wurde.
Von 1985 bis 1987 fungierte er als künstlerischer Co-Direktor der Berliner Schaubühne und inszenierte dort unter anderem Molières «Menschenfeind» (1987).
Auch Opern…
Bondy machte aber auch mit Operninszenierungen wie «Wozzeck» (1976) und «Lulu» (1978) von Alban Berg in Hamburg, Mozarts «Cosi fan tutte» (1986, Brüssel), Monteverdis «Die Krönung der Poppea» (1989, Brüssel) und Philippe Boesmans «Reigen» (Brüssel, 1993) Furore.
Bei den Salzburger Festspielen waren Erfolge wie «Salome» von Richard Strauss (1992) sowie Mozarts «Le Nozze di Figaro» (1995) zu sehen, für die Wiener Festwochen setzte Bondy Mozarts «Don Giovanni» (1990) in Szene.
1997 wurde Bondy in die Leitung der Wiener Festwochen bestellt, wo er im Dreierdirektorium mit Klaus-Peter Kehr (Musiktheater) und Hortensia Völckers (Tanz und Sonderprojekte) für den Bereich Schauspiel verantwortlich zeichnet.
…und Filme
Als Festwochendirektor präsentierte Bondy in Wien mit viel Erfolg seine französischsprachigen Inszenierungen von Strindbergs «Jouer avec le feu» (1997) und Racines «Phèdre» (1998) und zuletzt Becketts «Warten auf Godot».
Für seine Inszenierung von Ibsens «John Gabriel Borkman» in einer Koproduktion des Théâtre Vidy in Lausanne mit den Festwochen war er 1993 von der Zeitschrift «Theater heute» zum Regisseur des Jahres gekürt worden.
Für die Leinwand führte Bondy Regie beim Film «Die Ortliebschen Frauen» (1980) sowie bei der Schnitzler-Verfilmung von «Das weite Land» (1987). Bondy ist auch als Buchautor erfolgreich, zuletzt erschienen 1997 die Theaterreflexionen «Das Fest des Augenblicks».
SRI und Agenturen
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