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Mit Franzosen ab in den Urlaub

Familie Rüegsegger ist immer wieder zu Besuch in der Schweiz. Patrick Julier

Freunde braucht es - auch in der Fremde. Was für Kinder von Auswanderern einfach sein kann, müssen Erwachsene meist erarbeiten. Eine Familie erzählt.

Familie Rüegsegger Megert aus Röthenbach im Emmental suchte in der Region von Bordeaux ihr Glück. Annemarie, Kaspar und die 10-jährige Anina leben nun seit sieben Jahren in Les Peintures und haben dort auch Freundschaften aufgebaut.

Ungezwungene Art

Hilfsbereit seien die Franzosen gewesen, nahmen Rücksicht auf die sprachlichen Schwierigkeiten der in ihre Region eingewanderten Bauern. Das wissen Annemarie Megert und Kaspar Rüegsegger auch nach sieben Jahren noch zu schätzen.

Und schätzen gelernt haben sie auch die ungezwungene Art und Weise der Französinnen und Franzosen. Heute fahren sie oft mit guten Freunden – ausschliesslich Franzosen – in den Urlaub. Sei es ans Meer oder auch einmal zum Skilaufen in die Pyrenäen. Kontakt mit anderen Schweizer Familien in der Nähe haben sie zwar schon, aber eher selten.

Welt ausserhalb des Bauernbetriebs

Kaspar Rüegsegger ist in der Maschinen-Genossenschaft engagiert. Annemarie Megert spielt Klavier und Flöte: «Ich brauche einen Ausgleich. Immer nur Kälber und Kühe wären zuviel für mich. Ich muss ab und zu raus aus dem Alltagstrott.»

Netze hat die Mutter auch über die Schule gespannt. Gespräche mit anderen Müttern, aber auch mit den Lehrerinnen, seien wichtig.

Und Anina natürlich hat ihre «copines» – mit ihnen spielt sie während der Pausen, trifft sich nach der Schule, besucht Filme im Kino im nahen Städtchen Coutras.

Grossmutter lebt 900 Kilometer weit weg

Nicht in der Nähe hat die Familie ihre Verwandten und früheren Freunde aus der Schweiz. Auswandern heisst zurücklassen. Dies hiess für Rüegsegger Megerts, ihre damals zweieinhalbjährige Tochter den Grosseltern, der Tante, dem Paten zu entziehen.

Annemarie Megert: «Wir waren damals überzeugt, dass ein Kind in diesem Alter vor allem die Wärme der engsten Familie braucht. Die Nestwärme. Und das konnten wir ihr geben. Deshalb durften wir es verantworten, mit Anina auszuwandern.»

Moitié-moitié

Heute verbringt Anina jeden Sommer in der Schweiz. «Weil es in diesen Monaten in Frankreich zu heiss ist», erklärt sie. Dann habe sie aber auch die Grosseltern für sich, habe Zeit, ihre Cousins und Cousinen zu Besuchen. Diese kämen übrigens auch ab und zu nach Frankreich. «900 Kilometer sind ja nicht eine unüberwindbare Distanz bis ins Gebiet von Bordeaux.»

In den vergangenen Jahren hat die Familie Wurzeln geschlagen, Wurzeln, die ihnen die nötigen Lebenssäfte spenden: «Hie bin i dehiim, hier in Les Peintrures in Frankreich», sagen Annemarie Megert und Kaspar Rüegsegger. «Ich bin eine Schweizerin», fügt Anina Rüegsegger lachend hinzu. «Oder vielleicht moitié-moitié.»

Judith Fasel

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