«Paul Klee – Die Kunst des Sichtbarmachens» in Pfäffikon
Während seines Unterrichts am Bauhaus in Weimar und Dessau (1921 bis 1931) schuf der Maler Paul Klee 4'000 kunstpädagogische Blätter. Teile dieses "Pädagogischen Nachlasses" stellt nun das Kulturzentrum Seedamm in Pfäffikon erstmals aus (14.05.-30.07.).
Aufbewahrt wird der Nachlass in der Paul-Klee-Stiftung in Bern. Zusammen mit dem Kunstmuseum Bern betreut die Stiftung auch das aktuelle Projekt in Pfäffikon (SZ). Zu sehen sind 100 Blätter sowie 90 Bilder des Künstlers.
Die Zusammenführung des kunstpädagogischen Materials und des künstlerischen Werks soll Zusammenhänge aufzeigen und den Zugang zu den Bildern unter anderen Vorzeichen ermöglichen.
Dabei konzentriert sich die Ausstellung auf zentrale Themen und Kernaussagen, die didaktisch geschickt vermittelt werden. So stehen dem Publikum unter anderem einige PC-Stationen zur Verfügung, an denen nach Klees Vorgaben Bildvarianten erprobt und einzelne Elemente ausgetauscht werden können.
Bildnerische Gestaltungslehre
Klee beabsichtigte, einen grossen Teil seiner kunsttheoretischen Aufzeichnungen in einer «Bildnerischen Gestaltungslehre» zusammenzufassen. In einem Inhaltsverzeichnis gliederte er diese Unterlagen in 24 Kapitel.
In der Ausstellung in Pfäffikon werden die Kapitel 2 («Principielle Ordnung»), 3 («Specielle Ordnung»), 4 («Gliederung») sowie ausgewählte Themen aus den mit «Planimetrische Gestaltung» überschriebenen Kapiteln 5 bis 23 übersichtlich dokumentiert.
Die «Principielle Ordnung» ist während Klees Unterricht im Wintersemester 1923/24 entstanden und dient der grundlegenden Einführung in die «Bildnerische Gestaltungslehre». Sie gibt eine Übersicht über die elementaren bildnerischen Mittel: Linie, Helldunkel und Farbe.
Klee interessierte sich dabei insbesondere für die strukturellen Analogien zwischen Kunst und Natur. So finden sich Überlegungen zur Struktur von Pflanzen, zur Morphologie des Blattes oder zu den Wachstumsprozessen.
Struktur und Bewegung
Als exemplarisches Formgebilde bezeichnete Klee den Baum mit Wurzel, Stamm und Krone. Die Auseinandersetzung mit Strukturprinzipien und Bewegungsvorgängen in der Natur war für den Künstler Voraussetzung für Erkenntnisse in der Kunst.
Die in Kapitel 3 dargelegte «Specielle Ordnung» handelt von bildnerischen Verfahren wie Drehungen, Schiebungen und Spiegelungen. Räumlich anschaulich werden diese in der Topografie der Farbkugel. Die Auseinandersetzung mit den Gesetzmässigkeiten der «Speciellen Ordnung» fand ihre Anwendung vor allem in der Weberei-Werkstatt, die Klee als Formmeister von 1927 an betreute.
Die 19 Kapitel der «Planimetrischen Ordnung» schliesslich umfassen rund 2300 Seiten mit vorwiegend geometrischen Konstruktionszeichnungen. Sie stellen nicht nur den umfangreichsten, sondern auch den am wenigsten bekannten Teil der bildnerischen Gestaltungslehre dar.
Klee geht es in diesen Blättern vor allem darum, die bildnerischen Möglichkeiten der geometrischen «Elementarformen» Quadrat, Dreieck und Kreis zu analysieren und sie mit unterschiedlichen bildnerischen Verfahren zu dynamisieren.
swissinfo und Agenturen
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