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Presseschau vom 03.09.2003

Das milde Urteil für den indonesischen Prediger Bashir löst in der Schweizer Presse Erstaunen aus. Hinter die Schulausschlüsse im Kanton Bern setzen die Kommentatoren ein Fragezeichen.

Und die Massenblätter sehen die Schweiz von einer Mücke bedroht, die im Tessin lauert.

In Indonesien wurde der Prediger Abu Bakar Bashir zu vier Jahren Haft verurteilt. Er soll der Kopf hinter den Anschlägen auf Bali und Jakarta gewesen sein. Kein hartes Urteil, findet die Schweizer Presse.

«Milde Haftstrafe für Bashir in Indonesien», titelt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG auf der Frontseite. «Gericht lässt Milde walten», schreibt DER BUND.

Der TAGES-ANZEIGER kommentiert das Urteil unter dem Titel «Scharfmacher geschont» so: «Man kann das milde Strafmass (…) als Indiz für die Unabhängigkeit der indonesischen Justiz interpretieren.» Schliesslich habe der Angeklagte alle Anschuldigungen bestritten und auch die Belastungszeugen seien nicht unbedingt glaubwürdig gewesen.

TAGI: «Furcht vor Aufruhr.»

Aber: «Juristische Erwägungen mögen eine Rolle gespielt haben, wahrscheinlicher ist eine andere Erklärung: Die Justiz scheute sich aus politischen Überlegungen vor einem harten Urteil gegen den militanten Oberprediger. Aus Furcht vor Aufruhr [und] Terroranschlägen. (…) Die Regierung in Jakarta handelt insofern doppelbödig, als sie Extremisten, die Anschläge ausüben, hart bestraft, aber jene schont, die dazu anstiften.»

Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG kommt zum Schluss: «Das Verdikt, das wegen seiner Zwiespältigkeit und der relativ dünnen Beweislage zweifellos noch juristischen und politischen Diskussionsstoff geben wird, hat unter den Anhängern [Bashirs] Verwirrung ausgelöst. Es kam aber zu keinen grösseren Ausschreitungen.»

Störung des Unterrichts: Ausschluss!

Themenwechsel und zurück in die Schweiz: Im Kanton Bern wurden letztes Jahr 3 Schülerinnen und 23 Schüler aus dem Unterricht ausgeschlossen. «Berne a exclu temporairement de l’école 26 élèves difficiles. La bonne réponse?», titelt LE TEMPS aus Genf.

Gründe für diese Massnahmen können laut dem BUND sein: «Massive Störung des Unterrichts, Leistungsverweigerung, Nichteinhalten abgemachter Regeln, Ausfälligkeiten, disziplinarische Schwierigkeiten, Gewaltanwendung gegen andere Kinder und Jugendliche.»

Auch der BUND fragt, ob das die beste Lösung ist und was nachher passiert: «Unklar ist hingegen, ob sich die Kinder und Jugendlichen nach dem Ausschluss wieder in die Klasse integrieren konnten – und unklar bleibt vorerst auch, was ein Schulausschluss bringt.»

Die BERNER ZEITUNG kommentiert eher die Vorteile des Modells: «Für maximal zwölf Wochen können die Fehlbaren vom Unterricht ausgeschlossen werden. Das ist gut so. Denn selbst wenn hinter jedem Ausgeschlossenen ein menschliches Schicksal steht, muss der Schutz der Mehrheit Priorität haben. Im Mittelpunkt steht also der Opfer- und nicht der Täterschutz.»

Allerdings müssten die ausgeschlossenen Schüler und Schülerinnen während des Schulverbots betreut und gefördert werden: «Sonst drohen sie in der Gesellschaft zu Aussenseitern zu werden und endgültig zwischen Stuhl und Bank zu fallen.»

Insekt lauert südlich der Alpen

Zum Schluss zu einer zoologischen Invasion, die aus dem Tessin her die ganze Schweiz zu überrollen droht: «Alarm: Tigermücken erobern die Schweiz», titelt die Pendlerzeitung 20 MINUTEN. Auch der BLICK warnt vor der Mücke: «Ihr Stich ist äusserst schmerzhaft und kann gefährliche Krankheiten übertragen. (…) Experten entdeckten jetzt Brutstätten im Südtessin.»

Was der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG bei den vermischten Meldungen elf kleingedruckte Zeilen wert war, wird zu Bedrohung der Schweiz, denn, so der BLICK: «Bald lauern sie am Gotthard. (…) Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis [die Mücke] auch den Gotthard überwindet – und in der Deutschschweiz einfällt.»

Übrigens: Die zuständigen Behörden entwarnen: Die Tigermücke sei in Europa noch nie als Krankheits-Überträger aufgetreten.

swissinfo, Philippe Kropf

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