Presseschau vom 08.04.2003
Die Topmanager der Rentenanstalt sind in den Schweizer Zeitungen harter Kritik ausgesetzt.
Und ein Bild geht um die Welt: US-Soldaten sitzen auf Louis-XV-Sesseln in Saddams Hauptpalast in Bagdad.
«Haarsträubend und einmalig»,
titelt die AARGAUER ZEITUNG und kommentiert die Schlussfolgerungen des Bundesamts für Privatversicherungen (BPV), wonach die Führung der Rentenanstalt die Versicherten mit der persönlichen Anlagefirma Long Term Strategy (LTS) geschädigt haben.
«Wenn gut bezahlten Managern von der staatlichen Aufsichtsbehörde vorgeworfen werden kann, Eigen- und Firmeninteresse zu wenig klar getrennt zu haben, so ist das haarsträubend»,
empört sich die AARGAUER ZEITUNG. Doppelt blamabel sei das alles, wenn es um eine Branche gehe, die primär vom Vertrauen lebe.
Für den TAGES-ANZEIGER ist der Befund des BPV «erschreckend»: Der Verwaltungsrat habe tatenlos zugeschaut:
«Dies, obwohl LTS von Anfang an nur einen Zweck hatte: dem Management einen lukrativen Zusatzverdienst zu verschaffen. Für einmal ist der Begriff Skandal nicht zu hoch gegriffen, um die Vorgänge in einem Schweizer Unternehmen zu umschreiben.»
«Manager ausser Kontrolle»,
titelt die BERNER ZEITUNG.
«Nun zeigt die Aufsichtsbehörde den mit LTS-verbundenen Renten-Bossen die rote Karte. Es entzieht ihnen die Lizenz.»
«Die Aufsicht zeigt Krallen»,
titelt auch die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG. Bei der Aufsichtsbehörde wolle man jetzt offenbar Massnahmen ergreifen.
«Wer ein Foul begeht, muss neuerdings mit Sanktionen rechnen», so die NZZ.
Brücke zu freisinnigen Wahlniederlagen
Die Genfer Zeitung LE TEMPS macht eine Verbindung zwischen desavouierten freisinnigen Managern und freisinnigen Wahlniederlagen, wie sie am vergangenen Wochenende die Zürcher FDP erfahren musste.
«Le Parti radical souffre encore de ses liens avec les milieux économiques compromis dans diverses affaires»,
Von «Katzenjammer» bei der Zürcher FDP spricht der TAGES-ANZEIGER. Nach der Wahlniederlage vom Wochenende herrsche «Frust und Ratlosigkeit» bei den Freisinnigen.
US-Soldaten in Saddams Palast
«Amis sitzen schon auf Saddams Sofa»,
titelt der BLICK und zeigt ein Bild mit auf Sofas sitzenden US-Soldaten in Saddams Hauptpalast in Bagdad.
«Mit den Vorstössen ins Zentrum Bagdads demonstrieren die US-Truppen ihre Überlegenheit. Die grosse Schlacht um die Hauptstadt aber ist dies nicht»,
schreibt die BERNER ZEITUNG.
«In dieser Phase des Krieges setzen die USA an allen Fronten – auf den Schlachtfeldern wie auf diplomatischem Parkett – eine vermeintliche Wunderwaffe ein: die Psychologie.»
Die von den USA angestrebte politische Angst sei ein «ehrenwertes Ziel», meint der BUND.
«Ob es Washington indessen gelingt, mit viel Fingerspitzengefühl die Schiiten und die andern Gruppen in eine hellere Zukunft zu führen, ist noch ungewiss: Von der Invasion zur Neuordnung auf demokratischer Grundlage, die gleiche Rechte für alle beinhalten sollte, ist noch ein weiter Weg.»
swissinfo, Alina Kunz Popper
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