Presseschau vom 08.08.2003
Arnold Schwarzenegger als Retter Kaliforniens? Seine Kandidatur wird in mehreren Schweizer Zeitungen kritisch beleuchtet.
Weitere Themen sind die Erfolgsbilanz bei der Abfallsackgebühr und das Zugunglück im Berner Oberland.
Warum der Lokführer im schlimmsten Zugunglück in der Geschichte der Berner-Oberland-Bahnen am Mittwoch ein Rotlicht übersah, ist überall die zentrale Frage. Die Opferbilanz der Frontalkollision bei Gsteigwiler: 64 von insgesamt 280 Fahrgästen wurden verletzt.
«Lokführer ein Hitzeopfer?»
fragt der BLICK in Riesenlettern auf der Titelseite und bedauert, dass ein geplantes Zugsicherungs-System zu spät gekommen sei. Hätte das Projekt keine Verzögerung erfahren, so das Boulevardblatt, wäre der Unfall nicht passiert. Es sei unglaublich, dass in der Schweiz immer noch viele Privatbahnen ohne Zugsicherung fahren:
«Das heisst: überfährt der Lokführer ein Rotsignal, erfolgt keine automatische Schnellbremsung.»
Auch der BUND und die BERNER ZEITUNG, BZ berichten sehr ausführlich über das Drama.
«Sackstarke Erfolgsbilanz»
Dass die Abfallmengen in der Schweiz seit der Einführung der Sackgebühren deutlich abgenommen haben, freut vor allem die Bundesbehörden. Aber die BASLER ZEITUNG relativiert die behördliche Genugtuung:
«Dennoch wachsen Ärger, Frust, wilde Entsorgung – und eine gewisse Ratlosigkeit. Ist die Sackgebühr ein Auslaufmodell?»
Das Fluchen über die Sackgebühr liege nah, denn das Erziehungsziel dieser Fiskalabgabe gehe vielen auf den Wecker und schaffe neue Probleme. Zwar wirke der Weg übers Portemonnaie – trage jedoch auch zur Umweltverschmutzung durch wilde Deponien bei.
Dieser Ansicht ist auch die AARGAUER ZEITUNG. Es stinke zwar in der Abfallpolitik längst nicht mehr zum Himmel, doch werde durch die Sackgebühr das Liegenlassen oder Wegwerfen von Kleinabfällen gefördert.
Überhaupt nicht kritisch wird die Gebühr im Tessin bewertet – im Gegenteil: sie kommt an:
«Piace la tassa sul sacco»
titelt der CORRIERE DEL TICINO, es gebe weniger Abfall und eine differenziertere Entsorgung. Das Tessin selbst kennt allerdings keine Sackgebühr.
Terminator will den Saustall ausmisten
Die Siegeschancen des Schauspielers Arnold Schwarzenegger für den Gouverneursposten in Kalifornien seien offenbar nicht gering, schreibt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG, obwohl die Ausgangslage noch unübersichtlich sei.
Als «gewagtes Muskelspiel» sieht der Zürcher TAGES-ANZEIGER die Ambitionen des gebürtigen Österreichers. Bis ins Weisse Haus könne es dieser jedenfalls nicht schaffen, denn die Verfassung fordere, dass Präsidentschafts-Kandidaten in den USA geboren sein müssen:
«Dass sich Amerika eigens ‚Arnie‘ zuliebe zu einer Verfassungsänderung durchringt, ist unwahrscheinlich. Obwohl auch das im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten denkbar wäre.»
Mit seinem populistischen Auftreten und den markigen Sprüchen erinnere Schwarzenegger unweigerlich an einen anderen Schauspieler, Ronald Reagan, dessen politische Karriere ebenfalls in Kalifornien ihren Anfang genommen habe, schreibt die Genfer Zeitung LE TEMPS.
Das Volk arbeite hart, zahle Steuern und ziehe Kinder auf, während die Politiker immer korrupter würden, zitiert das Blatt den Gouverneurs-Kandidaten. Die Politiker sollten sich also gefälligst ins Zeug legen – sonst seis aus:
«Faites votre travail, et faites-le bien. Sinon, hasta la vista, baby!»
Das sei eine Replik des Terminators, die kaum dafür bürgen dürfte, dass sie einen Wiederaufschwung der kalifornischen Wirtschaft fördere.
swissinfo, Monika Lüthi
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