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Presseschau vom 10.03.2003

Der Sprung ins Parlament und damit an die Spitze der türkischen Regierung des AKP-Chefs Erdogan ist eines der Themen vom Montag. Lange werde der charismatische Politiker seinen Sieg aber nicht feiern können, sind sich die Kommentatoren einig.

Viel Raum bieten die Zeitungen auch dem fasnächtlichen Treiben im Kanton Bern.

«Keine Zeit zum Feiern»

titelt der Zürcher TAGES-ANZEIGER zum Wahlsieg von Recep Tayyip Erdogan. In 80 Jahren türkischer Republikgeschichte habe noch keiner geschafft, was ihm nun gelungen sei. Der Absolvent einer Religionsschule aus einem Istanbuler Slum stehe an der Schwelle zum höchsten Regierungsamt:

«Und diese Schwelle wird der 49-Jährige in Kürze überschreiten. Seine Partei wird ihm den Premierposten rasch anbieten, da sie weiss, dass sie ihren Erfolg seinem politischen Charisma verdankt.»

Dringend benötigte Finanzspritze

Aber Erdogan habe sich den Moment seines Triumphes gewiss anders vorgestellt, kommentiert der TAGI. Denn mit dem Stabswechsel verbinde Amerika Hoffnungen, die dem erklärten Pazifisten Erdogan ganz und gar nicht gefallen dürften. Und doch werde er versucht sein, sie zu erfüllen, und zwar aus finanziellen Gründen:

«Der ehrgeizige AKP-Chef hat seinem hoch verschuldeten Land eine bessere Zukunft versprochen. Dafür braucht er die Geldspritzen aus Washington.»

Doch eine neue Debatte der US-Aufmarschpläne im türkischen Parlament, das vor einer Woche schon einmal Nein gesagt hat, sei selbst für Erdogan ein riskantes Manöver.

Auch die BASLER ZEITUNG betont, dass Erdogan dem Parlament in einer ersten Amtshandlung vermutlich erneut die Frage der Stationierung von US-Truppen zur Entscheidung vorlegen werde. Und ob das Parlament diesmal zustimme, sei mehr als ungewiss, denn:

«Viele Parlamentarier teilen die Ablehnung eines Irak-Krieges der türkischen Bevölkerung.»

Ironie des Schicksals

Schon sehr bald werde Erdogan im Hinblick auf die immer wahrscheinlicher werdende Irak-Offensive mit der Staatsräson konfrontiert werden, warnt auch LE TEMPS.

Welche Ironie des Schicksals, so die Genfer Zeitung, dass ein Mann, der vom Volk als Symbol einer modernen, unabhängigen, in der moslemischen Welt verankerten Türkei gewählt worden sei, nun in der Irak-Frage nach der amerikanischen Pfeife tanzen müsse, um weder US-Finanzhilfe noch die Rolle als Nato-Pfeiler aufs Spiel zu setzen.

Kurdenstaat verhindern

Erdogan befürworte eine Stationierung von amerikanischen Truppen, weil er sich davon für die türkische Wirtschaft entscheidende Hilfe aus den USA verspreche, schreibt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG:

«Ferner hat das mächtige Militär unlängst klar gemacht, dass türkische Truppen gleichzeitig mit den Amerikanern in den Nordirak einmarschieren müssten, um dort die Bildung eines unabhängigen Kurdenstaates zu verhindern. Erdogan hat sich in dieser Frage weitgehend den Wünschen der türkischen Generalität angepasst.»

Nach dem Wahlsieg werde damit gerechnet, dass der jetzige Ministerpräsident Abdullah Gül seinem Parteichef Erdogan bereits nächste Woche Platz machen werde, schreibt die NEUE LUZERNER ZEITUNG, und dann komme der Aufmarschplan von US-Soldaten unweigerlich wieder aufs Tapet.

Für den BLICK ist Erdogan kein Thema, dafür stellt er zur widersprüchlichen Politik der Amerikaner die Frage:

«Warum greift Bush den Irak an und nicht Nordkorea?»

Weil damit die USA auch China herausfordern würden, erläutert dazu in einem BLICK-Interview Militär-Stratege Albert Stahel.

«Die Poesie der Masken»

Hauptthema in den Berner Zeitungen ist, wen wunderts, die Fasnacht vom Wochenende. Am samstäglichen Grossumzug füllten bis zu 80’000 Begeisterte die Altstadtgassen. Der Anlass wurde nicht zuletzt dank dem strahlenden Frühlingswetter zu einem wahren Happening.

Den Winter endlich vertrieben hätten die Fasnächtler, frohlockt die BERNER ZEITUNG, und der BUND schreibt:

«Leise und poetisch erschienen die einen Masken in Berns Gassen, lärmend und ausgelassen die anderen. Und gemeinsam verschmolzen sie zu jenem bunten Haufen, der die «Bärner Fasnacht» so aussergewöhnlich macht.»

Und als Finale:

«Die Zahl der Fasnächtlerinnen und Fasnächtler, die ihren Rausch im Berner Inselspital ausschlafen, fällt unter die ärztliche Schweigepflicht.»

swissinfo, Monika Lüthi

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