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Presseschau vom 10.04.2003

Auf den Strassen Bagdads entlädt sich die angestaute Wut. Keystone

Der offensichtliche Zusammenbruch des Regimes in Bagdad beherrscht auch die Zeitungen in der Schweiz. Der Vorstoss der US-Truppen ins Zentrum der Macht wird aber zumeist vorsichtig interpretiert.

Noch gebe es viele offene Fragen zur Zukunft des Landes.

«Saddams Macht ist gebrochen», titelt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG», «Bagdad, fin de règne – Bagdad, Ende einer Herrschaft» heisst es in der Westschweizer Zeitung «Le Temps».

Das Boulevardblatt BLICk schreibt schlicht: «Es ist vorbei!»

Und praktisch alle Kommentatoren fragen sich, wo wohl Saddam Hussein stecke.

Die Macht des Tyrannen in Bagdad sei gebrochen, praktisch über Nacht, schreibt die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG. Der Krieg sei zwar wohl noch nicht zu Ende.

«Doch das Ende ist in Sichtweite, die Zeichen des Zerfalls sind unübersehbar. … Die Ordnung kollabiert, der Umsturz ist in Gang gekommen. … Die Alliierten stehen nun vor der schwierigen Aufgabe, mitten im wachsenden Chaos eine neue Verwaltung umsichtig aufzubauen.»

Wie die Gefühle der irakischen Bevölkerung den Amerikanern gegenüber wirklich seien, werde sich in den nächsten Tagen zeigen. Denn obschon sie als Werkzeug des Regimewechsels begrüsst würden, blieben sie Fremde, so die NZZ weiter.

«Erfolg für Bush» sieht der Zürcher TAGES-ANZEIGER und schreibt weiter: «Der Krieg im Irak ist noch nicht zu Ende. Doch Bagdad ist gefallen. … Alle, auch die, die gegen diesen Krieg ohne UNO-Mandat waren, müssen froh darüber sein. Niemand kann ernsthaft etwas gegen den Sturz des Diktators Saddam haben.»

Der Verlauf der letzten drei Wochen könne aber den Krieg nicht nachträglich rechtfertigen; Skepsis sei nach wie vor angebracht. «Saddams Sturz, sollte er bestätigt werden, ist ein grosser Erfolg. Er beantwortet aber nicht alle Fragen nach dem Sinn dieses Krieges», meint der TAGES-ANZEIGER weiter.

Mit dem Titel «Bagdad ist gefallen, Saddam ist verschwunden», fasst die BASLER ZEITUNG die Ereignisse vom Mittwoch zusammen.

«Dass Bagdad einer Schlacht bis zum letzten Blutstropfen entronnen scheint, ist zweifellos die beste Nachricht», heisst es in der BAZ weiter. Und auf die Frage «Dem Sieger die Beute?» folgt die Forderung: «Dem Irak eine stabile Ordnung!»

Der BLICK fordert, dass nun die UNO wieder die Führung übernehmen müsse.

«Wir hoffen, dass bei Bush die Einsicht wächst, ins Glied der internationalen Gemeinschaft zurückzutreten.»

Für die Aargauer Zeitung ist zwar Saddams Regime am Ende, doch herrsche noch lang kein Frieden. Zwar seien seit Mittwoch grosse Teile Bagdads in der Hand der US-Truppen, das Regime habe die Kontrolle offensichtlich verloren.

«Doch Vorsicht: Damit ist weder der Krieg zu Ende, noch steht fest, ob die Amerikaner die Schlacht um Bagdad bereits gewonnen haben.»

Entscheidend sei letztlich nicht, ob und wann der Krieg zu Ende sei, sondern wie es danach weitergehe. Einerseits dürften sich die Amerikaner nun nicht als Besatzer aufführen, andererseits müssten sie endlich wie versprochen das Palästina-Problem einer Lösung zuführen, unterstreicht die AARGAUER ZEITUNG weiter.

«Vielleicht ist im Irak wirklich bald nicht mehr Krieg – aber in der ganzen Region ist noch längst nicht Frieden.»

Der Berner BUND stellt seinen Kommentar unter den Titel «Stunde null».

Weit schneller als erwartet und zum Glück mit weniger Zerstörung als befürchtet, sei Bagdad von den US-Truppen eingenommen worden. Und: «Mit dem Fall Bagdads und der Diktatur ist eines der wichtigsten Ziele Präsident Bushs erreicht. Noch ist jedoch dieser Krieg nicht zu Ende.»

Die Menschen in Bagdad, zermürbt durch die Kampfhandlungen, das Embargo und die jahrzehntelange Unterdrückung durch das Regime Saddams hätten sich schlicht nicht mehr länger zur Wehr setzen mögen, Soldaten hätten offenbar zu Tausenden desertiert.

«Von der Angst befreit, bahnt sich lang aufgestaute Wut ihren Weg. In den nun angebrochenen Zeiten der Gesetzlosigkeit wird hemmungslos geplündert. «

Diese Plünderungen könnten ein Vorgeschmack dessen sein, was die «Übergangsregierung unter US-Führung in dieser ‚Stunde null‘ erwartet. … Die ‚Befreier‘ werden, gegen ihren Willen, Besetzungsaufgaben zu übernehmen haben – eine Gratwanderung zwischen Befreiung und Bürgerkrieg».

swissinfo, Rita Emch

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