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Presseschau vom 11.07.2003

Kulturstreik in Frankreich, dafür politische Sommertheater und Kraftmeierei in der Schweiz: Die Kommentatoren der Freitagszeitungen sparen nicht mit Appellen und mahnenden Worten.

Unverständnis dominiert.

Während man sich hierzulande mit dem Festival in Montreux so richtig auf den Festivalsommer einzustimmen beginnt, ist damit in Frankreich zumindest teilweise bereits Schluss.

«Streik statt Theater in Avignon», titelt die BERNER ZEITUNG. Fassungslos auch der Genfer LE TEMPS: «C’est rideau, sans même l’avoir levé!» – Der Vorhang fällt, ohne je aufgegangen zu sein.

Bereits 1947 sei das weltberühmte Festival gegründet worden. Und nun: «Purement et simplement annulé» – Schlicht und einfach annulliert.

Grund für die Streiks ist eine geplante Revision der Arbeitslosenversicherung, welche den rund 100’000 Kulturschaffenden in Frankreich die Existenz während der spielfreien Zeit sichert. Allerdings habe es eben auch Missbrauch gegeben und zu wenig Kontrollen, gibt LE TEMPS zu bedenken.

Für den TAGES-ANZEIGER ist das Ganze eine «blamable Vorstellung». Die Rechnung der französischen Regierung, Reformen durchzuziehen ohne wirklich zu reformieren, sei nicht aufgegangen.

«Jetzt steht die Regierung vor einem kulturellen Scherbenhaufen. Ihre Härte gegenüber den gewerkschaftlichen Forderungen hat Konsequenzen, die in ihrem Ausmass noch nicht abzusehen sind.»

Knatsch um Arzttarif

Ebenfalls noch nicht absehbar ist das Ausmass eines anderen Streits. In der Schweiz können sich Spitäler und Krankenversicherer nicht auf einen neuen Arzttarif einigen.

Spitäler möchten für ihre Leistungen möglichst gut bezahlt werden, Krankenkassen und Versicherte möchten die Leistungen möglichst günstig erhalten. Beides ist für die Kommentatorin der AARAGUER ZEITUNG verständlich.

Doch es sei noch längst nicht soweit, dass Versicherte dereinst selber ins Portemonnaie greifen müssten, so die AZ weiter. So legitim das Ziel der Spitäler sei, «so unzulässig ist es, wenn es auf dem Buckel der Versicherten verfolgt wird, die durch Drohungen mit dem vertragslosen Zustand zunehmend verunsichert werden».

Die BASLER ZEITUNG nennts schlicht einen «Verhandlungspoker». Deutlich mahnt der Berner BUND:

«Statt öffentlich zu kraftmeiern, sollten sich die Verhandlungspartner wieder an einen Tisch setzen und Lösungen suchen.»

Sommertheater vor den Wahlen

In gut drei Monaten wählt die Schweiz ihr neues Parlament. Nachdem in den letzten Tagen die Sozialdemokraten zu reden gaben, ist es nun eine Forderung der Schweizerischen Volkspartei.

«Das gabs noch nie. SVP: Alle Bundesräte müssen weg!», titelt das Boulevardblatt BLICK.

SVP-Parteipräsident Ueli Maurer kommt ausführlich zu Wort. Die Regierung sei, so Maurer im BLICK, «eine zusammengewürfelte Gruppe von Einzelkämpfern ohne persönliche oder politische Leaderfiguren».

Einerseits räumt das Blatt der Idee einen grossen Teil der Titelseite ein. Andererseits fragt der BLICK: «Hat Ueli Maurer zu heiss?» Und im Kommentar dann noch deutlicher: «Politiker: Reif für die Ferien.»

Auch die NEUE LUZERNER ZEITUNG greift das Thema auf – allerdings nicht auf der Frontseite. Sie titelt ihren Artikel kurz und klar:

«SVP im Sommerloch.»

swissinfo, Eva Herrmann

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