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Presseschau vom 14.04.2003

Im Zentrum der Kommentare in den Schweizer Montagszeitungen steht einmal mehr Irak.

Die Zeitungen beschäftigt, dass die USA offenbar den Krieg, nicht aber den Frieden geplant haben.

«Innerhalb weniger Tage ist der Jubel der Befreiung in ein Klagen über Anarchie übergegangen.»

Das schreibt die BASLER ZEITUNG, und sie gibt zu bedenken:

«Zahlreiche Fallstudien beschreiben, wie in einer Gesellschaft ohne militärische und polizeiliche Autorität die Milizen von gestern die kriminellen Banden von morgen bilden.»

Die USA, so die BaZ, liessen dieser Entwicklung im Irak freien Lauf.

Auch der Berner BUND findet, der Jubel sei verklungen:

«Die Statuen des Gewaltherrschers sind gestürzt, das Volk ist befreit, die Demokratie nahe. So stellen es Bush und Blair den Irakern via Fernsehen dar, während in fast allen Städten das Gegenteil herrscht – Anarchie und Selbstjustiz.»

Diese Anarchie, so der BUND, sei nicht nur ein Akt der Rache am gefallenen Regime, sondern auch eine Folge der Risse, welche in der irakischen Gesellschaft entstanden seien.

Nur noch Wirtschaft verbindet

Die BERNER ZEITUNG schreibt von der Kluft zwischen den USA und der UNO. Unter welcher Ägide läuft nun der Wiederaufbau in Irak?, fragt sich die Zeitung. Die meisten Europäer würden – im Gegensatz zu den USA – die Variante UNO bevorzugen. Doch viel Gemeinsamkeiten zwischen dem alten und neuen Kontinent gebe es zur Zeit nicht mehr. Die BZ:

«Wenn es also noch etwas Verbindliches zwischen Europa und den USA gibt, dann sind es die wirtschaftlichen Verflechtungen der zwei grössten Wirtschaftsblöcke.»

Neue UNO-Resolution

Die BERNER ZEITUNG und auch die NEUE LUZERNER ZEITUNG beziehen sich bei ihrer Einschätzung auf die Forderung der Finanzminister der sieben führenden Industrienationen, G-7. Sie, die Weltbank und der Internationale Währungsfonds haben am Wochenende eine neue UNO-Resolution zum Irak gefordert. Deshalb findet die NEUE LUZERNER ZEITUNG:

«Ohne eine breite internationale Zusammenarbeit hat der Irak keine Chance. An den ökonomischen Fakten werden auch die Falken in Washington nicht vorbeikommen. Und auch Paris und Moskau werden tief in die Tasche greifen müssen.»

Sonderbund?

«Paris und Moskau» trafen sich am Wochenende mit «Berlin» am Petersburger Gipfel. Dort wandten sich Chirac, Schröder und Putin gegen einen Unilateralismus. Er würde die Weltordnung gefährden. DIE NEUE ZÜRCHER ZEITUNG spricht von «Achsen» statt «Brücken» in St. Petersburg:

«Es trifft zu, dass das Treffen Schröders mit Putin schon seit langem geplant war. Doch die kurzfristige Entscheidung, auch Chirac teilnehmen zu lassen, gab der ganzen Veranstaltung unweigerlich eine demonstrativ gegen Washington gerichtete Spitze.»

Die Zeitung aus Zürich findet eine andere Begegnung viel wichtiger: Die vom kommenden Juni, wo sich der russische Präsident Putin und US-Präsident Bush nach dem G-8-Gipfel in Evian auch in St. Petersburg treffen. Die NZZ:

«Es ist zu hoffen, dass diese Begegnung mehr zur Förderung eines lebendigen transatlantischen Dialogs beitragen werde als die Zelebrierung eines oberflächlichen russisch-deutsch-französischen Sonderbundes ohne Zukunftsperspektiven.»

swissinfo, Urs Maurer

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