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Presseschau vom 15.07.2003

Die ungewisse Zukunft Iraks beschäftigt die Zeitungen vom Dienstag. Ebenso die Ungereimtheiten in der US-Administration bezüglich Falschaussagen Präsident Bushs.

Sonst herrscht thematische Sommerflaute im Blätterwald.

«Ungewisse Zukunft für den Irak», titelt die NEUE LUZERNER ZEITUNG und schreibt: «Der neu ernannte irakische Regierungsrat in Bagdad stösst unter der Bevölkerung auf tiefe Skepsis. Die Attacken auf die US-Besatzer gehen weiter.»

Dieser von den USA einberufene Regierungsrat ist für die BASLER ZEITUNG der «Geburtshelfer eines neuen Iraks». Erstmals verfüge Irak wieder über ein politisches Gremium, das aus Irakern bestehe.

Für die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG ist das «ein Schritt zur Selbstbestimmung des Iraks», von dem sich sowohl Iraker als auch Amerikaner und Briten einen unmittelbaren Gewinn versprechen könnten. Denn in der letzten Zeit seien ernste Zweifel aufgekommen, ob die Besetzer tatsächlich in der Lage seien, das Land über längere Zeit zu kontrollieren.

«Der Nebel, der über der Zukunft des Iraks liegt, hat sich mit der Einsetzung des Regierungsrats kaum gelichtet», räumt die NZZ indessen ein. Vor allem wisse heute niemand, was die Amerikaner meinten, wenn sie versicherten, nur so lange wie nötig im Irak bleiben zu wollen.

Und die NZZ weiter: «Wenn das Ziel aber darin besteht, den unrealistischen Traum von einem proamerikanischen Musterstaat im Mittleren Osten zu verwirklichen, so drohen die Spannungen zwischen Irakern und Besetzern, wie auch unter den Irakern selbst, weiter zuzunehmen.»

Vor einem «Irakgate»?

«Bush wirft den Rettungsanker», titelt der Berner BUND. Mit der Abgabe eines Teils der Kompetenzen an den irakischen Regierungsrat hoffe der US-Präsident, die US-Truppen aus der Schusslinie zu ziehen. «Nicht zuletzt gäbe ihm dies auch die dringend benötigte innenpolitische Atempause», schreibt der BUND.

Und die braucht Bush tatsächlich dringend, weil er sich zu Hause mit dem Vorwurf konfrontiert sieht, Geheimdienstmaterial manipuliert und die Öffentlichkeit hinters Licht geführt zu haben. Allerdings hätten Vertuschungsmanöver im Weissen Haus Tradition und liessen sich oft schönreden, wenn sonst alles nach Plan laufe, schreibt der BUND.

Von einem «Bush in der Defensive» und einem «gelenkten Präsidenten» spricht der Zürcher TAGES ANZEIGER. Bushs Beraterinnen und Berater hätten versucht, die falsche Tatsache (den angeblichen Uran-Kauf Saddam Husseins über Niger) mit der Quelle (britische Geheimdienste) reinzuwaschen.

Fazit des TAGI: «Und da enthüllt sich der Kern des Skandals: Bush ist der erste Präsident, der die Frage von Krieg und Frieden so sehr delegiert hatte, dass am Ende nicht mehr er, sondern seine Berater sie entschieden.»

Obwohl Bush die Kritiken in Sachen Uran-Falschmeldung zurückweise, würde die Polemik nicht verstummen, schreibt der CORRIERE DEL TICINO und spricht vom «heimtückischen Grat der Glaubwürdigkeit» – «Il crinale insidioso della credibilità.»

Noch schärfer ins Gericht mit dem US-Präsidenten geht die Westschweizer Zeitung LE TEMPS: «Irak: les vingt mensonges qui accablent le camp de la guerre», titelt das Blatt. Und diese «zwanzig Lügen, die das Kriegslager schwer belasten», bringt LE TEMPS kurz und bündig auf den Punkt: «Et maintenant, l’Irakgate.»

Hitze und Sommerflaute

Auch die Hitze ist ein Thema. «Hitze greift den Permafrost an – Bergsteiger sind gefährdet», warnt der TAGES ANZEIGER. Und weiter schreibt das Blatt, Wasserbestände bei kleinen Gewässern seien prekär. Aus Flüssen und Seen dürfe zum Teil kein Wasser mehr entnommen werden.

«Dürre belastet Bauern», titelt das ST. GALLER TAGBLATT. Und das erst noch in einem Moment, wo die Landwirtschaft «unter Dauerdruck» stehe. Der Bauernverband Aargau schätze die Schäden, die durch die Trockenheit entstanden sind, auf bis zu 40 Millionen Franken, schreibt die AARGAUER ZEITUNG.

Und der Berner BUND bringt die in letzter Zeit häufigen Abstürze von Kleinflugzeugen auch mit der Hitze in Verbindung: «Hitzebedingte Häufung», titelt das Blatt und stützt sich dabei auf entsprechende Aussagen von Experten.

Ansonsten herrscht im Blätterwald thematische Sommerflaute. Nur noch das: Das Vertrauen in die AHV sinkt. Das zeigt eine «alarmierende Umfrage», wie die AARGAUER ZEITUNG schreibt: «45% der Jungen glauben nicht mehr an eigene Rente.» Und die AZ fragt beängstigt: «Angsthasen Europas?»

swissinfo, Jean-Michel Berthoud

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