Presseschau vom 24.05.2003
Vor dem G-8-Gipfel in Evian Anfang Juni trafen sich die Aussenminister zu letzten Vorbereitungen in Paris. Die Schweizer Presse thematisiert das Treffen.
Auch der bevorstehende G-8-Gipfel kam in den Schweizer Medien nicht zu kurz.
Laut dem TAGES-ANZEIGER versuchten Frankreich und die USA am Pariser Treffen, ihren Streit beizulegen.
«Frankreich im Dilemma», titelt der TAGI seinen Kommentar. Und: «Die Freundlichkeiten, die der amerikanische und der französische Aussenminister in Paris austauschten, können nicht über die anhaltende transatlantische Verstimmung hinwegtäuschen.»
Das Fazit der Zeitung: «Chirac wird in Evian wohl nicht umhinkommen, den USA Konzessionen zuzugestehen, sei es in wirtschaftlichen Belangen oder in der Nahostfrage. Das wiederum könnte aber seine Freunde in den arabischen Ländern wie auch die Muslime in Frankreich verärgern.»
Mühsame Wiederannäherung
Auch die BASLER ZEITUNG äussert sich zum Treffen in Paris: «Die Spannungen zwischen Frankreich und den USA sind noch nicht aus dem Weg geräumt. Falls die Franzosen meinten, nach der Annahme der UNO-Resolution 1483 zur Aufhebung der Sanktionen gegen den Irak sei ihnen in den USA alles verziehen, haben sie sich getäuscht.»
Ob dem französisch-amerikanischen Melodrama ging laut der BAZ fast vergessen, in wie vielen Fragen die G-8 gemeinsam vorgehen wolle und könne. Dabei gehe es um die Weiterverbreitung von Atomwaffen, den Kampf gegen den Terrorismus, die Kontrolle leichter und kleinkalibriger Waffen und diverse regionale Konflikte in Afrika, im Nahen und Mittleren Osten.
Kein Tauwetter
DER BUND sieht es ähnlich: «Noch haben sich die Spannungen zwischen den USA und Frankreich nicht gelegt.»
Und: Während die US-Regierung die deutsche und russische Ablehnung des Irak-Krieges zu den Akten gelegt ha, bleibt die französische Opposition wie ein Stachel in der transatlantischen Partnerschaft.»
Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG schreibt: «Zurückhaltender Auftritt Powells in Frankreich. Nur ganz wenig Tauwetter ist nach einem Auftritt Staatsseketärs Powells in Paris in den amerikanisch-französischen Beziehungen zu verzeichnen.»
Laut der NZZ sei von amerikanischer Seite sei ein Abbau vor allem in der militärischen Zusammenarbeit nicht verheimlicht worden.
Politspektakel
Die BERNER ZEITUNG befasst sich ausführlich mit dem bevorstehenden G-8-Gipfel: «Was 1975 als G-7 in Form einer Kaminrunde im Schloss Rambouillet begann, entwickelte sich zum Politspektakel der G-8.»
Laut der BZ ging es anfänglich um Gesprächsrunden im kleinen Kreis, heute jedoch stehe die Machtpolitik im Vordergrund. Das Fazit der BERNER ZEITUNG: «Im letzten Jahr gelobte die G-8 in Kanada, den afrikanischen Ländern zu helfen – bisher nahezu folgenlos. Welche heren Ziele werden Bush, Blair, Chirac & Co. Nächste Woche in Evian verkünden?»
Genf macht mobil
«Auf das Schlimmste gefasst», beschreibt DER BUND die Vorbereitungen in der Rhonestadt. Und: «Der G-8-Gipfel wirft seinen Schatten voraus. Vor der grossen Protestkundgebung beginnen sich die Symbole des Kapitals hinter Brettern u verschanzen:»
Laut der Zeitung wird der Schaden durch den unfreiwilligen Betriebsunterbruch auf mindestens 100 Mio. Franken geschätzt.
Auch die BASLER ZEITUNG thematisiert die Sicherheits-Massnahmen in Genf: «Genf ist das Schlimmste gefasst», schreibt sie.
Ihr Kommentar: «Niemand blickt derzeit in Genf dem Gipfeltreffen freudig entgegen. Und selbst wenn es nicht zu Ausschreitungen kommen sollte, ist der wirtschaftliche Schaden bereits angerichtet.»
Ausnahmezustand
Die Westschweizer LE TEMPS fragt sich: «Was wird am 1. Juni passieren? Diese Frage beunruhigt längst nicht mehr nur die Behörden und Geschäftsleute, sondern mittlerweile auch einen Teil der militanten politischen Linken.»
Laut LE TEMPS erwartet die Polizei bis zu 3700 Randalierer. Der Kommentar der Zeitung: «G-8: Etat d’exception dans la région lémanique.»G-8: «Ausnahmezustand am Genfersee.»
swissinfo, Elvira Wiegers
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