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Presseschau vom 24.07.2003

Ist der Irak nach der Tötung der beiden Saddam-Söhne dem Frieden und Aufbau einen Schritt näher? Dies die Frage, welche die Kommentatoren der Schweizer Zeitungen beschäftigt.

Thema ist auch die Panne beim Telekom-Dienstleister Sunrise, bei der eine halbe Million Mail-Accounts zerstört wurden.

Ob die Eliminierung der beiden Saddam-Söhne Uday und Kusay die Lage im Irak endlich beruhigen kann, beurteilen die Zeitungen mit Skepsis.

Unter dem Titel «Irakische Sackgasse» heisst es in der BERNER ZEITUNG, dass den beiden «Brutalo-Playboys Uday und Kusay» im Irak kaum jemand eine Träne nachweinen werde. Anders werde es dagegen bei Vater Saddam sein: Obwohl nicht beliebt, würden viele Bewohner Respekt für den verschwunden Despoten zu empfinden.

«Respekt dafür, dass er sich dem Druck der USA nicht beugte, dass er Stärke auch in aussichtslosen Situationen bewies. Sein Tod könnte, im Gegensatz zu seien Söhnen, einen Märtyrermythos begründen», so die BZ. In den USA selber werde der Schlag die Kritik an Präsident Bush und deren Irak-Strategie wieder etwas zurückdämmen.

Wichtige Informationen fehlen

Der TAGES-ANZEIGER kritisiert die Tötung der Herrscher-Söhne, wenn auch nicht aus humanen Gründen:

«Lebend hätten die Nummern zwei und drei des diktatorischen Regimes wertvolle Informationen über den Aufenthaltsort ihres Vater und mögliche Massenvernichtungswaffen liefern können.»

Dies ist laut TAGi den Amerikaner aber nicht anzulasten, denn sie hätten lediglich jedes Risiko eines weiteren Misserfolgs im Irak ausschliessen wollen. Das Ziel müsse aber sein, Saddam zu finden. Nur so könne die Lage im Land stabilisiert werden.

«Besiegt ist nur Saddams Regime», findet die NEUE LUZERNER ZEITUNG. Der Schlag sei ein deutliches Signal an alle, dass der Diktator nicht zurückkehren werde.

«Doch für die Wende hin zur Demokratisierung des Iraks reicht die Liquidierung von Saddams Söhnen nicht», so die NLZ.

«Dafür braucht es die schnelle Übergabe der politischen Macht an die Iraker unter Aufsicht der UNO.»
Die Genfer Zeitung LE TEMPS fragt sich:

«Mossul, quel victoire? – Mossul, was für ein Sieg?» Bushs signalisiertes Festhalten an der aktuellen UNO-Resolution sei ein schlechtes Zeichen. Aussenminister Powells Forderungen nach einer neuen Resolution, welche im Irak die zentrale Rolle an die UNO übergeben soll, sei von Bush unter den Teppich gekehrt worden.

Absturz im Netz

Der Telekom-Anbieter Sunrise hat nach seiner Mail-Pleite, bei der sich 500’000 Mail-Konten im Cyberspace auflösten, ein Problem.

«Vertrauen fehlt», tönt es von der AARGAUER ZEITUNG. Die Panne könnte auch unter «Pech gehabt» abgetan werden.

«Nur: Konsumenten vergessen nicht so schnell. Sie wollen Sicherheit für ihr Geld.»

Und solange diese fehle, könne sich das Geschäft auf dem Internet nicht entwickeln.

«Vertrauen verspielt», geht der TAGES-ANZEIGER noch einen Schritt weiter. Es wäre zwar naiv, voll auf das Netz und den Speicher einer anonymen Gesellschaft zu vertrauen.

«Doch zu Recht dürfen auch bei einer Gratis-Dienstleistung von einer Firma wie Sunrise die minimalsten Sicherheitsstandards erwartet werden.»

Eine bewährte Technologie nur deshalb zu verteufeln, weil eine Firma geschlampt oder am falschen Ort gespart habe, wäre aber absurd.

«Auch wenn die Schadenfreude jedes Briefträgers verständlich und berechtigt ist.»

swissinfo, Renat Künzi

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