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Presseschau vom 26.07.2003

Noch sind viele Politiker in den Ferien, doch das Urteil des Bundesgerichts, das sich gegen Einbürgerungen an der Urne aussprach, sorgt weiterhin für heisse Köpfe.

Daneben machen zwei Schweizer Zeitungen Schlagzeilen: Die Espace Media Group, zu der die BERNER ZEITUNG gehört, greift dem darbenden Lokalkonkurrenten BUND unter die Arme.

In Bern wurde schon lange darüber gerätselt, wie lange der BUND noch überleben könne. Nun hat die Espace Media Group 40% der Aktien beim Bund Verlag übernommen. Beide Zeitungen sollen weiter erscheinen, mit unabhängigen Redaktionen.

Auch langfristig gut?

Die künftige Zusammenarbeit von BUND und BERNER ZEITUNG stösst bei den Kommentatoren grösstenteils auf Zustimmung. Fragezeichen werden aber bezüglich der langfristigen Überlebenschancen des BUNDS gesetzt.

Aus publizistischer Sicht betrachtet sei die nun getroffene Lösung besser, schreibt die AARGAUER ZEITUNG. Der BUND behalte seine Redaktion, die Pressevielfalt bleibe erhalten. Auch der Verlag der AZ hatte dem BUND ein Angebot unterbreitet gehabt.

«Ehrensache für Charly», titelt die BASLER ZEITUNG zum Berner Deal und meint damit den Verwaltungsratspräsidenten und Mitaktionär der Espace Media Group.

«Die Würfel sind gefallen», meint der Zürcher TAGES-ANZEIGER zum Einstieg der BERNER ZEITUNG beim BUND. Ob das Berner Modell, bei dem die Espace Media Group die operative Führung bei Verlag und Produktion übernimmt, langfristig Bestand haben werde, bleibe jedoch ungewiss. Im deutschen Aachen sei ein ähnlicher Versuch gescheitert.

Hoffen auf Kontinuität

Auch die NZZ, die in den letzten Jahren viel Geld in den BUND investiert hatte, berichtet über den Aktienkauf der Espace Media Group.

«Für die NZZ-Gruppe, die sich die publizistische Eigenständigkeit des BUNDES in den letzten acht Jahren viel hat kosten lassen, ist das ausgehandelte Kooperationsmodell der einzige Weg, der die publizistische Meinungsvielfalt in Bern wirtschaftlich nachhaltig gewährleisten kann.»

Der BUND selber sieht nun «Kontinuität» für das Blatt.

Die am häufigsten gestellte Frage sei gewesen, ob dies jetzt der Anfang vom Ende sei, schreibt Chefredaktor Hanspeter Spörri. Und seine Antwort lautet:

«Das ist es nicht, wenn die Beteiligten ihr Wort halten und der Markt die Kooperation der ungleichen Partner aufnimmt. Dann ist es die Rettung für den unabhängigen BUND.»

Der Zeitungsbranche gehe es schlecht. Nicht die Leserschaft fehle ihr, sondern die Inserenten. Die schlechte Wirtschaftslage habe klar gemacht, dass der BUND ohne neue Kooperationspartner im Werbemarkt nicht überleben könne. Wie weiter nun?

«Wir nehmen an, auch die BZ-Herausgeberin Espace Media Group wird zu ihrem Wort stehen. Von der jetzt getroffenen Lösung profitiert auch sie.»

Schlecht gewirtschaftet

Die BERNER ZEITUNG selber stellt ihren Kommentar unter den Titel: «Es lebe die Konkurrenz». Und schreibt weiter: «Nun sind die beiden Berner Tageszeitungen also miteinander verbandelt.»

Der Grund dafür liege Jahre zurück. Das Management der BERNER ZEITUNG habe besser gewirtschaftet. Daran hätten auch die jüngsten zwei BUND-Besitzer Ringier und NZZ nichts mehr ändern können.

«Nachdem wir uns über all die Jahre zum Teil heftig bekämpft haben, ist die neue Situation gewöhnungsbedürftig. (…) So viel ist jedoch gewiss: Wir von der BZ-Redaktion sind froh, dass der «Bund» bleibt und wir weiterhin mit ihm um die Leser konkurrieren können, jetzt halt mehr ä l’amiable.»

«Wäre von Graffenried unsterblich …»

Die BASLER ZEITUNG meint zum Deal von Bern:

«Jammern bringt nichts. Das Zeitungsgeschäft ist abhängig von der Werbung. (..) Der frühere Verleger des ‚Bund‘ hat nicht vorgesorgt, sondern sein Unternehmen geplündert.»

Schon vor Jahren habe der Berner Medienzar von Graffenried dem Bund ähnliche Modelle vorgeschlagen, wie sie nun umgesetzt werden sollen.

«Darf gehofft werden, dass dieses Berner Modell funktioniert? Jetzt, da es der Not gehorchend verwirklicht werden muss?»

Ja, meint, der Kommentator, denn dies sei für Charles von Graffenried Ehrensache.

«Der Berner Zeitungszar ist 78-jährig und noch immer voller Tatendrang. Wenn er unsterblich wäre, würde es den ‚Bund‘ bis in alle Ewigkeit geben.

Staatsbürgerschaft und Gemeinden

Mit dem Thema der Einbürgerungen befassen sich Leitartikel im TAGES-ANZEIGER und in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG.

Der TAGES-ANZEIGER titelt: «Wo die Demokratie an ihre Grenzen stösst», die NZZ stellt ihre Betrachtungen unter die Worte: «Das Bürgerrecht und des Bürgers Recht»

Alt Bundesrat Arnold Koller, schreibt der TAGI, habe vielleicht Recht, das Urteil des Bundesgerichts gegen Einbürgerungs-Entscheide an der Urne sei politisch wohl nicht ganz glücklich und komme zu einem denkbar ungünstigen Moment.

«Die SVP kann sich ins Fäustchen lachen, sie hat ein Wahlkampfthema gefunden, mit dem sich vortrefflich Emotionen schüren lassen. Richter dürfen aber nicht nach dem schielen, was politisch opportun ist. Für sie zählt einzig und allein das Recht. Doch mit der politischen Unabhängigkeit tun sich viele Politiker schwer.»

Nach dem Urteil der Lausanner Richter müsse nun die Politik entscheiden, wie Einbürgerungsverfahren künftig aussehen müssen. Und sich Gedanken machen, über die Rechte der Gemeinden, denn in keinem andern Land entschieden diese über die Staatsbürgerschaft.

«Entscheide über das Schweizer Bürgerrecht sind zu wichtig, um sei einer einzigen Gemeinde zu überlassen. Eine übergeordnete Instanz muss hier das letzte Wort haben.»

swissinfo, Rita Emch

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