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Presseschau vom 27.02.2003

Das Ende des Swisscom-Monopols sorgt für Schlagzeilen in den Zeitungen vom Donnerstag. Zwar sei ein Rechtshändel programmiert, sind die Kommentatoren überzeugt, und das letzte Wort werde wohl das Volk haben.

Ein weiteres Thema ist der Minusrekord beim Pharmariesen Roche als unliebsame Folge der Vergangenheit.

«Der Streit um die letzte Meile geht los»,

titelt die BERNER ZEITUNG, BZ, zum Beschluss des Bundesrats, die Öffnung der Hausanschlüsse für Swisscom-Konkurrenten unverzüglich zu verwirklichen. Das freue die Konkurrenz, die jetzt ihre Chance sehe, dem blauen Riesen Kunden abzuwerben. Doch der Telekomriese denke nicht daran, da mitzuspielen und wolle die Verordnung beim Bundesgericht anfechten. Fazit:

«Leidtragende sind die Privat- und Firmenkunden. Sie müssen noch länger auf günstigere Angebote und neue Dienstleistungen alternativer Anbieter warten.»

Verfrühter Aprilscherz

Nur auf den ersten Blick präsentiere sich der Bundesrat als liberalisierungsfreudig, schreibt der Zürcher TAGES-ANZEIGER. Er habe sich im Interesse der Telefonkunden und der Swisscom-Konkurrenten für einen belebten Wettbewerb entschieden. Doch

«die letzte Meile fällt nicht vor 2005»

hebt der TAGI in grossen Lettern hervor, um das scheinbar beschleunigte Vorgehen des Bundesrats zu relativieren. Wegen der Minderheitsaktionäre habe die Landesregierung keine Handhabe, die zum Bund gehörende Swisscom am Gang vors Gericht zu hindern.

Auch die AARGAUER ZEITUNG betont, dass sich vorerst gar nichts ändern werde und spricht gar von einem «verfrühten Aprilscherz». Die beschlossene Verordnungsänderung werde auf lange Zeit wirkungslos bleiben.

«Politisch heikel» sei das Vorgehen des Bundesrats, findet der BLICK, denn:

«Ob das geltende Gesetz es überhaupt erlaubt, das letzte Monopol zu knacken, ist umstritten.»

Chance für die Branche

Unter der Headline «Bloss keine Wunder erwarten» warnt auch die NEUE LUZERNER ZEITUNG vor Illusionen:

«Die Chancen stehen nach wie vor gut, dass weder die Swisscom-Bastion in Kürze geknackt wird, noch eine allfällige Liberalisierung dem Konsumenten viel bringen würde.»

Optimistischer äussert sich die Genfer Zeitung LE TEMPS. Die bundesrätliche Strategie berge zweifellos ihre Risiken, doch zeige die jüngste Vergangenheit in der Branche, dass Wettbewerb eine insgesamt positive Wirkung zeitige.

Der Berner BUND unterstützt das Vorgehen der Regierung und argumentiert:

«Wer vor fünf Jahren Ja sagte zum neuen Fernmeldegesetz, muss jetzt konsequenterweise auch Ja sagen zur Entbündelung der letzten Meile.»

Eine ganz normale Pharmafirma



Der Milliardenverlust bei Roche sei der Preis des hohen Risikos, heisst es in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG, aber das Unternehmen habe jetzt nicht nur einen buchhalterischen Strich unter die Rechnung gezogen, sondern zuvor schon strategisch und organisatorisch Remedur geschaffen. Und im operativen Bereich seien beachtliche Forschritte erzielt worden.

Das «worst-case scenario» sei zwar für Roche Tatsache geworden, schreibt die BASLER ZEITUNG, und manch anderes Unternehmen würde daran zugrunde gehen. Aber parallel zum finanziellen Substanzverlust sei das operative Geschäft rentabler geworden:

«Roche hat sich aus dem Formtief herausgearbeitet und wächst mit den beiden übrig gebliebenen Kerndivisionen Pharma und Diagnostics schneller als der Markt.»

Das heisst:

«Weil die Pipelines wieder besser gefüllt sind, darf Roche einigermassen getrost in die Zukunft blicken.»

swissinfo, Monika Lüthi

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