Schweizer an Whitney Biennial 2008 in New York
In New York ist noch bis Anfang Juni die Whitney Biennial 2008 zu sehen. Unter den ausländischen Kunstschaffenden befinden sich auch die beiden Schweizer Olivier Mosset und Olaf Breuning.
Olivier Mosset, der zur Eröffnung aus Tucson (Arizona) nach New York kam, bezeichnet die Teilnahme gegenüber swissinfo als grosse Ehre. Er lebt seit 1978 in den USA; zuerst in New York, seit einigen Jahren in Tucson. Doch bis heute verbindet den Künstler viel mit New York, so hat er auch ein Atelier hier.
Seit mehr als 70 Jahren versucht die Biennale des Whitney Museum of Modern American Art einen Überblick über die aktuelle Befindlichkeit der Kunstszene Amerikas zu geben. Die erste Whitney Biennial fand 1932 statt.
Unter den 81 Kunstschaffenden der Biennale 2008 sind ziemlich viele Frauen und sehr viele recht junge Künstler, die in den 1970er-Jahren und später geboren sind.
Kein Leitmotiv
Die Whitney Biennial 2008 ist nicht offensichtlich politisch, eher zeichnet sie eine gewisse Unklarheit, Mehrdeutigkeit aus, subtile Hinweise auf die Befindlichkeit der Künstlerinnen und Künstler. Die Biennial 2008 hat kein offizielles Motto.
Sie soll einfach zeigen, wo die «amerikanische Kunst heute steht», wie auf den Plakaten steht.
Suche nach der Botschaft
Eines der inoffiziellen Themen ist nach Aussagen der Kuratorinnen Henriette Huldisch and Shamim M. Momin aber die «Lessness» – unausgesprochene Vergleichsgrösse ist zweifellos der überbordende Kunstmarkt – weniger Pomp und Hochtrabendes, weniger offensichtlich aufwendige Werke.
Es sei eine Ausstellung, die sich dem Besucher, der Besucherin nur langsam offenbare. Sie gebe jedes Mal, wenn man sie sehe, mehr preis, erklärte die Co-Kuratorin Huldisch bei der Presseeröffnung. Man müsse sich Zeit nehmen, die Kunst zu absorbieren.
Mit den Worten «Kunst, die sich im Schaffungsprozess befindet», umschrieb der Direktor des Whitney Museums, Adam Weinberg, die aktuelle Biennale. «Es fühlt sich oftmals so an, als ob man sich in einem Atelier befindet.»
Diese Aussage hat etwas Wahres. Die Biennal 2008 zeigt nicht in erster Linie Werke, die sich auf Anhieb für den Kunst- oder den Auktionsmarkt besonders gut zu eignen scheinen. Viele (grossräumige) Installationen, Videoarbeiten, Skulpturen. Gemälde machen nur einen kleinen Teil der Werke aus, darunter finden sich die monochromen Bilder des Schweizers Olivier Mosset.
Einfache Materialien
Viele der Arbeiten sind aus einfachen Materialien wie Holz, Sperrholz, Gips, Styropor. Daneben findet sich rezykliertes Material, Dinge, die in anderem Zusammenhang auch am Strassenrand liegen und auf die Abfuhr oder den Recycling-Laster warten könnten.
Der 50-jährige Charles Long liess sich von «Bildern», die Vogel-Exkremente an Flussböschungen hinterlassen, zu Skulpturen animieren, die an Giacometti-Figuren erinnern; geformt sind sie aus Glasscherben, Flaschendeckeln und anderem Abfall aus dem Flussbett, zusammengehalten von Papiermaché und Gips.
Polit-Videos
Auffallend sind die ziemlich zahlreichen Videoarbeiten, die am ehesten deutlich politische Botschaften beinhalten. So die auf mehreren Bildschirmen projizierte Videoinstallation «The Casting» von Omer Fast: Ein amerikanischer Soldat erzählt die Geschichte eines Rendez-vous mit einer Deutschen, bevor er an die Front im Irak muss, und die Geschichte einer unschuldigen Irakerin, die er erschiesst, als seine Truppe am Strassenrand auf eine Bombe fährt.
Bizarr wirkt die Installation von Phoebe Washburn, die ein raumfüllendes Labor zur Blumenzucht aufgebaut hat; die Blumen stehen in mit Gatorade und grellfarbenen Golfbällen gefüllten Glascontainern – das Ganze eine leicht absurde Geschichte über Mensch und Natur.
Park Avenue Armory
Zum Auftakt der Biennale nutzte das Museum zudem zum ersten Mal einen zweiten Schauplatz, das Park Avenue Armory, wo vor allem Veranstaltungen und Vorführungen stattfanden. Das eindrückliche frühere Zeughaus wird seit einiger Zeit für Kunst-Events genutzt.
Im Innern erinnert noch vieles an die Armee: Gemälde von Schlachten, Kanonen in den Gängen, Vitrinen mit Puppen in Armee-Kleidern, Gedenktafeln für Gefallene.
In der Armory stiess man auch auf eine Installation des in New York lebenden Schweizers Olaf Breuning: In einem holzgetäfelten Raum hatte er eine kleine Armee von Teekrug-Soldaten aufgestellt, mit rotierenden Lichtern als Köpfen. Ein Augenzwinkern an die militärische Umgebung ohne Frage.
Grundsätzlich sperrt sich ein Grossteil der Kunst dieser Biennale gegen eindeutige Interpretationsversuche. Es ist eine heterogene Schau, vieles erscheint fragmentarisch, die Wirklichkeit zersplittert.
swissinfo, Rita Emch, New York
Geboren 1970 in Schaffhausen.
Nach seiner Ausbildung an der Hochschule für Gestaltung in Zürich waren erste Arbeiten von ihm in den frühen 1990er-Jahren zu sehen.
2000 erhielt er den Manor-Kunstpreis.
Mittlerweilen gehört Breuning zu den erfolgreichsten Schweizer Künstlern. Seine Werke werden in zahlreichen Museen auf der ganzen Welt gezeigt.
Er arbeitet mit Fotos, Videos und Installationen und zeichnet auch.
Am Anfang seiner Karriere sorgte Breuning vor allem mit Horrorszenarien für Schlagzeilen. Heute sind seine Botschaften subtiler, doch ein gewisser böser Humor und surreale, grotesk anmutende Szenerien gehören dazu.
Seine Werke zeigen dunkle Seiten der menschlichen Existenz, entlocken einem aber gleichzeitig auch ein Lachen oder Lächeln.
Geboren 1944 in Bern.
In den 1960er-Jahren zog er nach Paris, wo er Assistent von Jean Tinguely wurde.
1966 Mitglied der Gruppe B.M.P.T in Paris, zu der auch Daniel Buren, Michel Parmantier und Niele Toroni zählen. B.M.P.T. (die Anfangsbuchstaben der Namen der vier Maler) lehnt sich mit provokanten Aktien gegen die konventionelle Kunst auf.
Ab 1966 malt Mosset Repetitionen von Kreis-Bildern, ab 1973 bewegt er sich hin zu Streifen-Bildern, und dann zur monochromen Malerei.
1977 siedelte er nach New York um, 1999 nach Tucson (Arizona).
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