The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter
Top Stories
Schweiz verbunden
Podcast

Schweizer Kühe und chinesische Büffel

Adrien (rechts) und der "Genfer" im Schweizer Beitrag "Au sud des nuages". pardo.ch

Am Donnerstag begann der eigentliche Wettbewerb am Filmfestival. Gezeigt wurde der Schweizer Beitrag im Wettbewerb: "Au sud des nuages".

Die sanfte, bitter-süsse Fabel zeigt, dass auch im Alter das Reisen bildet.

Mit dem Schweizer Beitrag unter den 19 Wettbewerbsfilmen um den «Goldenen Leoparden» von Locarno habe Regisseur Jean-François Amiguet eine ehrliche Fabel gezeichnet, deren Realisation die herrschenden Konventionen jedoch nicht sprenge. Demnach herkömmlich bleibe, heisst es in ersten Reaktionen aus Locarno.

Erzählt wird die Geschichte des nicht mehr jungen Walliser Bergbauern Adrien. Gezeichnet vom Verlust seiner Herde, die eine Krankheit dezimierte, reist er mit einigen Gleichaltrigen nach China. Das in der Überzeugung, dass ihn nichts mehr am alten Ort halte.

Vom Walliser zum Weltbürger

In Basel schliesst sich der Gruppe ein Genfer an, der das pure Gegenteil des Wallisers darstellt: jung, redselig, polyglott und Anhänger des Fussballclubs Servette-Genf. Ein Typ, der ständig irgendwo ins Fettnäpfchen tritt.

Diese Reise erweist sich für Adrien als entscheidende Erfahrung in seinem Leben. Er muss sich mit seinen Gefühlen und seiner Vergangenheit auseinander setzen.

Regisseur Amiguet sagt zu seinem Film: «Diese bittersüsse Chronik widme ich all denjenigen, die wir je geliebt haben».

Auch wolle er zeigen, dass Reisen gar im Alter noch bilden könne. «Wenn der Ausdruck etwas abgedroschen klingt, will ich doch sagen, dass Adrien auf der Reise zum Weltbürger wird.»

Die Suche nach den Büffeln

Der Film wurde mit einem Budget von 1,5 Mio. Franken gedreht. Gut zwei Jahre betrug die Vorbereitungszeit. Allein, um in der Eisenbahn von Peking ins mongolische Ulan-Bator drehen zu können, benötigte das Team acht Genehmigungen.

Dass China als Drehort ausgewählt wurde, sei auch nicht zufällig, sagt der Regisseur. «Ich habe von Büffelkämpfen in China gehört, die haben mich stark an die Kuhkämpfe im Wallis erinnert.» Die Siegerin werde an beiden Orten «Königin» genannt.

Schlussendlich habe man die Büffel gefunden. In der Provinz Yunan, die in China «Au sud des nuages» heisst.

Der Film von Amiguet ist der einzige Schweizer Film im Wettbewerb, in dem 19 Beiträge aus 16 Ländern zu sehen sind. Darunter sechs Erstlingswerke.

Musik im Zentrum

Begonnen hatte das Internationale Filmfestival von Locarno bereits am Mittwoch Abend. Da wurde auf der Piazza Grande das Filmmusical «The Band Wagon» des 1986 verstorbenen US-Regisseurs Vincente Minelli gezeigt.

Musik wird in Locarno eine herausragende Rolle spielen. Mit der Retrospektive «All That Jazz» und weiteren Musikfilmen in den andern Sektionen ist Musik der rote Faden im Programm. Das Festival dauert bis zum 16. August.

swissinfo und Agenturen

Das Internationale Filmfestival Locarno dauert vom 6. – 16. August 2003

Im internationalen Wettbewerb stehen 20 Filme aus 17 Ländern.

Schweizer Filme in Locarno

Internationaler Wettbewerb:
Au sud des nuages – Jean-François Amiguet

Piazza Grande:
Genève – Marseille – Frédéric Choffat
Ixième – Pierre-Yves Borgeaud, Stéphane Blok

Cinéastes du Présent:
Skinhead Attitude – Daniel Schweizer

Human Rights-Sondervorführung:
Ni Olvido Ni Perdon – Richard Dindo

All That Jazz:
Tschäss – Daniel Helfer

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!

Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft