«….und es kamen Menschen.»
Am Mittwoch (04.04.) vor zehn Jahren starb in Zürich Max Frisch an Krebs. Der "Nationaldichter" war einer der schärfsten Kritiker der Schweiz. Zahlreiche Medien gedenken des Anlasses mit einer gemeinsamen Retrospektive.
Max Frisch wurde am 15. Mai 1911 als jüngstes Kind eines Architekten in Zürich geboren. Seine Kindheit und Jugendjahre waren gekennzeichnet durch Bewunderung für Deutschland und Abneigung gegen die Demokratie. Erst später wandelte sich Frisch vom Kleinbürger zum strengen Landeskritiker. Sätze wie «Ein kleines Herrenvolk sieht sich in Gefahr: man hat Arbeitskräfte gerufen, und es kommen Menschen» haben auch heute nicht an Aktualität verloren.
Architekt und Schriftsteller
1930-34 studierte er Germanistik an der Uni, bis der Tod des Vaters das Studium finanziell verunmöglichte. 1936 sponserte ihm dafür ein reicher Freund das Architekturstudium an der ETH Zürich.
1941 eröffnete Frisch ein Architekturbüro, im Jahr darauf gewann er den ersten Preis im Architekturwettbewerb für die Zürcher Freibadeanlage Letzigraben. Die Anlage ist teilweise noch erhalten; in der ehemaligen Herrengarderobe wurde 1999 ein «Max Frisch- Museum» eingerichtet, das die Bautätigkeit des späteren Autors dokumentiert.
Lange literarische Durststrecke
Ab 1931 schrieb Frisch als freier Mitarbeiter für die Neue Zürcher Zeitung. Sein erstes literarisches Werk war 1934 der Roman «Jürg Reinhart», der 1943 gekürzt als Anfangskapitel in «Die Schwierigen oder j’adore ce qui me brûle» einging. Es folgten Werke wie «Blätter aus dem Brotsack» (1940), «Tagebuch 1946-1949» und die beiden Komödien «Graf Öderland» (1951) und «Don Juan oder die liebe zur Geometrie» (1953).
Den Durchbruch beim breiten Publikum brachte 1954 der Roman, der mit dem berühmten Satz «Ich bin nicht Stiller» beginnt, «Homo faber» war 1957 ein ähnlicher Erfolg. Unter den Stücken sind «Bidermann und die Brandstifter» (1957), «Andorra» (1961) und «Biografie: Ein Spiel» (1968) wohl am nachhaltigsten in Spielpläne und Schulliteratur eingegangen.
Wechselvolles Privatleben
Ab 1955 vermochte die Literatur Frisch und seine vierköpfige Familie zu ernähren und er gab das Architekturbüro auf. Im Privatleben folgten noch viele Wechsel: Die 1942 geschlossene Ehe mit Constanze von Meyenburg wurde 1959 geschieden. 1960-65 lebte Frisch mit Ingeborg Bachmann in Männedorf und Rom.
1968-1979 war er mit Marianne Oellers verheiratet. Später lebte er mit der 30 Jahre jüngeren New Yorkerin Alice Locke-Carey zusammen. Max Frisch starb am 4. April 1991 an einem Krebsleiden.
Grosse TV- und Radio-Retrospektive
Der TV-Kulturkanal 3sat widmet Max Frisch zum 10. Todestag eine umfangreiche vierwöchige Retrospektive. Gezeigt werden Kino- und TV- Verfilmungen seiner Werke, Mitschnitte von Theateraufführungen, Porträts und Interviews. Leckerbissen sind etwa «Andorra» in der berühmten Zürcher Inszenierung von Hirschfeld (07.04.) oder Volker Schlöndorffs «Homo Faber» (15.04.).
Radio DRS2 überträgt Diskussionen, Reden und Lesungen, SWR2 wiederholt Hörspiele. Das Begleitbuch «jetzt: max frisch» bietet zum Teil vorher noch nie erschienene Bild- und Textmaterialien zu Entstehung, Rezeption, Aufführungen und Verfilmungen von praktisch allen Werken Frischs.
swissinfo und Agenturen
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