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Von Celtic bis zur Feuerstätte

Das Werk "Feuerstätte II" von Joseph Beuys - zu sehen zur Zeit in Basel. Keystone

Das Basler Museum für Gegenwartskunst widmet Joseph Beuys, einem der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts, eine Einzelsausstellung.

Anhand von Werken aus Basler Bestand wird ein repräsentativer Querschnitt durch Beuys’ Schaffen gewährt.

Es war wohl eine der spektakulärsten Aktionen, die in Basel in den 70er Jahren vonstatten ging. Jospeh Beuys, einer der einflussreichsten Künstler des 20. Jahrhunderts, damals allerdings noch eine Entdeckung aus Düsseldorf, besuchte die Rheinstadt im April 1971 und veranstaltete in einer im Bau befindlichen Zivilschutzanlage die so genannte Celtic-Aktion.

Für Beuys war es eine «Messe für Atheisten» – er liess sich «taufen», das heisst mit Wasser aus einer Giesskanne begiessen, wusch die Füsse einzelner Zuschauer und klaubte Gelatinenstückchen zusammen, die an der Betonwand klebten.

«Die Aktion lehnte an christliche Rituale an», erklärt Anita Haldemann, Konservatorin am Kupferstichkabinett Basel. «Es war seine Art, sich als Künstler darzustellen, darauf hinzuweisen, dass in jedem Menschen ein Künstler steckt, dass jeder Mensch Erneuerungspotential in sich trägt.»

Die Aktion wurde ebenso viel diskutiert und war ebenso umstritten wie viele der Werke, die Beuys anfangs seiner Karriere in Basel ausstellte. Bereits früh setzte sich die Rheinstadt mit dem deutschen Künstler auseinander.

Das Basler Kunstmuseum war eines der ersten Museen, das sich für den in Krefeld geborenen und durch seine Fluxus-Aktionen bekannt gewordenen Künstler einsetzte, seine Werke regelmässig zur Schau stellte und viele sogar für die eigene Sammlung einkaufte.

Frühes Engagement

Die erste Einzelausstellung fand bereits 1969 statt, wenige Jahre nachdem Beuys einer breiteren Öffentlichkeit überhaupt aufgefallen war. Noch im selben Jahr wurde vom damaligen Leiter des Basler Kupferstichkabinetts und späteren Beuys-Kenner, Dieter Koepplin, eine zweite Ausstellung organisiert.

Die Reaktionen beim Publikum und in der Presse waren vielfältig. Manche bewunderten Beuys und prophezeiten schon damals eine grosse Karriere und den Eingang in die Kunstgeschichte, andere wiederum wandten sich geekelt von den Beuys’schen Ausstellungsobjekten ab und kritisierten dessen ungeschminkte Offenheit, die an Exhibitionismus und Sadismus grenzen würde.

In Basel liess man – vor allem Dieter Koepplin, der Karl August Burckhardt-Koechlin-Fonds und die Emanuel-Hofmann-Stiftung – sich trotz des umstrittenen Echos beim Publikum nicht davon abhalten, sich in Zukunft für Beuys zu engagieren. Ausstellungen und Ankäufe Beuys’scher Werke gehörten daraufhin quasi zum Museumsalltag.

Repräsentative Sammlung

Das enge Verhältnis zwischen Beuys und Basel hat dazu geführt, dass Basel heute über eine repräsentative Beuys-Sammlung verfügt. 60 Zeichnungen, zahlreiche Holzschnitte, Multiples, plastische Werke sowie ausführliches Dokumentationsmaterial sind im Besitz des Basler Kunstmuseums oder dem Museum als permanente Deposita anvertraut.

Die aktuelle Ausstellung zeigt demnach keine Neuheiten, sondern stützt sich – mit wenigen Ausnahmen – auf die hauseigene Sammlung

Ein Besuch im Museum für Gegenwartskunst weckt somit Erinnerungen an vergangene Ausstellungen. Ermöglicht wird aber auch, aufgrund des beeindruckenden Querschnittes, eine erneute Auseinandersetzung mit Joseph Beuys.

Wieder fällt die Vielfalt des Künstlers auf, seine ungeheuerliche Kreativität, seine starke Ausdruckskraft und sein Engagement für die Kunst, aber auch für die Gesellschaft.

Bekannte Werke wie «The heart» (Feuerstätte) und das spätere Pendant, Feuerstätte II, basierend auf einer Basler Fasnachtsaktion, die Beuys mit der Clique «Alti Richtig» zusammen gestaltete, sind in der Ausstellung zu besichtigen.

Da ist der «Schneefall», dieses quadratische, graue Stück Filz, das schwer auf drei dünnen Baumstämmen liegt, schützend und erdrückend zugleich; da ist der blutrote, wollene Kinderhandschuh mit dem dünnen Gummischlauch, dessen Anblick Betroffenheit auslöst.

Schwerpunkt Zeichnungen

Den Schwerpunkt der Ausstellung aber bilden die Zeichnungen. Es sind subtile, manches Mal überraschend feine Zeugnisse Beuys’scher Kreativität. Es sind Werke, die eine leise Sprache bevorzugen, gemäss Haldemann allerdings als Grundlage des gesamten Schaffens angesehen werden müssen.

Sein ganzes Leben habe Beuys gezeichnet, viele Dinge zunächst zeichnerisch erprobt – auch seine Aktionen, für welche er ganze «Partituren» zeichnete.

Bedauerlich ist eigentlich bloss, dass die elf Vitrinen, die jahrelang im Museum für Gegenwartskunst zu bestaunen waren und beim Publikum stets für Diskussionen gesorgt hatten, nicht zu sehen sind.

Sie mussten aus konservatorischen Gründen in diesem Jahr abgebaut werden. Nach der Sanierung des Museums, welche auf Ende 2005 geplant ist, sollen sie allerdings wieder permanent zu sehen sein.

swissinfo, Carole Gürtler

12. Mai 1921: Joseph Beuys wird in Krefeld, Deutschland, geboren.
1947-1952: Ausbildung zum Bildhauer an der Kunstakademie in Düsseldorf.
23. Januar 1986: Joseph Beuys stirbt in Düsseldorf.
Die Ausstellung in Basel dauert bis am 21. März 2004

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