Wer schlägt die Engländer?
Am Genfersee darf wieder gelacht werden. An der 41. "Goldenen Rose von Montreux" vom 26. April bis 1. Mai bewerben sich 19 Nationen und ihre Fernsehunterhaltung um die begehrteste Auszeichnung der Branche. Erstmals gibt es auch einen Preis für Internet-Unterhaltung: die "e-Rose". Rudi Carell wird für sein Lebenswerk ausgezeichnet.
Montreux und seine «Goldene Rose», das ist der alljährliche Höhepunkt für all diejenigen, die Fernseh-Unterhaltung machen, produzieren und vermarkten. Über tausend Delegationen aus allen Erdteilen geben sich ein Stelldichein am Genfersee. Da dort auch Preise vergeben werden, schwebt so etwas wie der «TV-Oskar» über der Stadt.
Zwar geht es «nur» um Fernseh-Unterhaltung, nicht um Hollywood . Was in Montreux gezeigt wird, hat aber in seinem Herkunftsland ein Millionenpublikum. Es sind die Highlights der TV-Unterhaltung in den jeweiligen Ländern. Die Frage steht im Raum: gefällt der Jury auch, was bei uns zu Hause die Massen vor den Bildschirm lockt.
Selektion
Nun kann man nicht einfach hingehen und «seine» Unterhaltungs-Sendung zeigen. Alle eingesandten Werke müssen zuerst die Vorselektion über sich ergehen lassen. Im Februar hat eine Jury die eingegangen Sendungen bewertet, aufgeteilt in die Sparten Komödie, Sitcom und Spielshow. So konnte zum Beispiel die Nachrichten-Agentur dpa im März melden: «Bei der Verleihung der Goldenen Rose von Montreux sind acht deutsche TV-Beiträge in die engere Wahl gelangt».
Aus der Schweiz kommen fünf Beiträge. Darunter zum Beispiel der Beitrag «Ravel’s Brain», in dem die letzten Lebensjahre des Komponisten Maurice Ravel im Mittelpunkt stehen. Dieser Beitrag zeigt stellvertretend für viele, dass im Wettbewerb der Goldenen Rose nicht einzig schenkelklopfende Grinsereien (das hat es auch) gezeigt werden, sondern eine breite Palette an TV-Unterhaltung.
Total wurden 245 TV-Beiträge eingereicht. Davon wurden 88 für den Wettbewerb nominiert. Die «Grand Jury» wird die Gewinner ermitteln und die erhalten mit der goldenen, der silbernen und der bronzenen Auszeichnung, der «Rose» eben, die begehrteste TV-Auszeichnung, die im Bereich TV-Unterhaltung weltweit vergeben wird – quasi den TV-Comedy-Oskar. Die «Grand Jury» wird übrigens in diesem Jahr von Michèle Cotta, der Chefin von France 2, geleitet.
Award night und Rudi Carell
Montreux ist grosses Business. Denn die TV-Anstalten brauchen Futter. In Montreux gibt es Erfolgreiches zu kaufen. Die Branche setzt hier indirekt viel Geld um, auch wenn der Anlass keine eigentliche Verkaufsmesse ist.
Am 30. April – an einem Montag – wird im Auditorium Stravinsky das Geheimnis gelüftet. Die Jury vergibt die Preise. Einen Sieger kennt man jetzt schon: Der TV-Unterhalter aus Holland, Rudi Carell, wird für sein erfolgreiches Schaffen (vor allem in Deutschland) geehrt werden. Er erhält die «Ehrenrose» für sein Lebenswerk.
Die «Goldene Rose von Montreux» steht unter dem Patronat der öffentlich-rechtlichen Schweizerischen Radio und Fernseh-Gesellschaft SRG-SSR idée suisse. Generaldirektor Armin Walpen schreibt denn in seinem Grusswort auch: «Meine Karriere begann vor 37 Jahren, genau dann, als die ‚Rudi Carell-Show‘ mit der Silbernen Rose ausgezeichnet wurde».
«e-Rose»
Mit der «e-Rose» will Montreux sein Interesse an der Internet-Unterhaltung bekunden. Hier werden Beiträge und Formate ausgezeichnet, die speziell für das Internet geschaffen wurden. Wie der Generalsekretär der Goldenen Rose, Georges Luks, gegenüber swissinfo sagte, handelt es sich dieses Jahr um einen Probelauf. Die Teilnehmer haben über die «e-Rose-Website» den Link zum Beitrag platziert. Die Jury wird ihn anklicken und das, was sie sieht, bewerten. Neuland also! Auf das Resultat ist man selber gespannt.
Gewinnen wirklich immer die Briten?
Ein Blick in die Geschichte der «Goldenen Rose von Montreux» zeigt deutlich, dass in den letzten 40 Jahren mehrheitlich die Engländer abgeräumt haben. 1961 war es die BBC mit der Black and White Minstrel-Show. Dann geht es munter und lustig weiter: Benny Hill, The Muppet Show, Monty Python, Mr. Bean, usw. Und in diesem Jahr?
«Da gebe ich den deutschen Produktionen ein gute Chance», sagt Georges Luks. Wetten, dass gleichwohl die Briten gewinnen?
Urs Maurer, swissinfo
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