Wo ist das Expo-Lächeln?
Gerne würde die Expo ehemalige Swissair-Angestellte für sich gewinnen. Doch diese lächeln lieber anderswo.
Wer an die Expo.02 kommt, soll mit einem Expo-Lächeln empfangen werden. Denn dieses wird das Expo-Feeling vermitteln und dadurch gar ein positives Bild der Schweiz verbreiten, wie Urs Rüdisühli, Leiter des Expo-Jobcenters, meint. «Hinter dem Expo-Lächeln steckt einfach die gesamte Energie, die man ausstrahlen muss, um dem Besucher das Gefühl zu geben, er sei wirklich willkommen. Und man möchte ihm eine Freude bereiten indem er diese Expo besucht.»
Profis bis zur Notwasserung
Um dies zu garantieren, läuft die Suche nach dem Expo-Lächeln zur Zeit auf Hochtouren. Rund 3000 Leute sucht das Job-Center insgesamt, um zwischen 1500 bis 2000 Stellen zu besetzen. Empfang und Bewirtung machen neben dem Sicherheitsdienst die grössten Bereiche aus.
Gäste zu empfangen und betreuen, dafür hätte das Swissair-Personal ideale Qualifikationen, sagt Urs Rüdisühli. Ideal nicht nur wegen des professionellen Lächelns, sondern auch aufgrund von Fähigkeiten wie «Stressresistenz, Besucherfreundlichkeit, Reaktionsfähigkeiten».
Der Mediensprecher der Vereinigung des Kabinenpersonals Kapers, Jörg Drittenbass, stimmt dem zu. Im Gespräch mit Expo-Verantwortlichen habe er gar das Wissen der Flight Attendants zur Notwasserung ins Feld geführt, wie er erzählt. «Bei den Arteplages, da weiss man nie, wann einer ins Wasser fällt…»
Wenig Interesse bei Swissair-Leuten
Doch trotz optimalen Qualifikationen zeigt das Swissair-Personal wenig Interesse: Rund 70 Bewerbungen sind bisher eingegangen, zum Grossteil von Flight-Attendants. Laut Rüdisühli haben sich auch drei Piloten beworben, als Übergangslösung und «um einmal etwas anderes zu machen».
Das ist wenig, vor dem Hintergrund der Entlassung von Tausenden von Swissair-Angestellten und verglichen mit den insgesamt rund 15’000 Expo-Bewerbungen. «Die Expo war einfach ein wenig zu weit weg», meint Jürg Drittenbass. Von den rund 800 gekündigten Flight Attendants, die meisten jung und mit nur einem Dienstjahr, hätten viele innert kurzer Zeit eine neue Stelle gefunden. Mehr Erfolg als die Expo haben laut Drittenbass auch die «Swiss-Casinos» mit der Ausbildung, die sie momentan anbieten.
Mit Bauch-Feeling
Deshalb kommen bei den Anstellungen nun andere zum Zug. Kriterium für die Auswahl sei die Ausstrahlung und die Motivation, erklärt Urs Rüdisühli. Im Casting spüre man deutlich, wie dieses Feeling rüberkomme. «Wir suchen Leute mit diesem Bauch-Feeling, mit diesem Expo-Feeling».
Allerdings: Wegen der vielen Bewerbungen findet eine erste Auswahl der Bewerberinnen und Bewerber in einem rund 30-minütigen Gespräch am Telefon statt. Vielleicht nicht für alle einfach, hier ihr Bauch-Feeling rüberzubringen. Wem es hingegen gelingt, wird zum Vorstellungs-Gespräch geladen. Die Palette der Interessierten reicht von älteren Leuten über Wiedereinsteigerinnen und Familienfrauen bis hin zu Studenten.
Wieviele Leute in welchen Bereichen es genau braucht kann Urs Rüdisühli noch nicht sagen. «Viele Betreiberfirmen wie die Expo selbst sind noch am Überarbeiten ihrer Bedürfnisse». Ob einige mehr oder weniger, klar ist eines: Bauch-Feeling müssen sie haben – und ein Expo-Lächeln auf dem Gesicht.
Kathrin Boss Brawand
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