Zeichnungen des Videokünstlers Nam June Paik in Basel
Nam June Paik ist einer der wichtigsten Vertreter der Videokunst. Sein Werk umfasst neben Videoinstallationen und -skulpturen auch Zeichnungen. Das Museum für Gegenwartskunst zeigt als erstes überhaupt eine Ausstellung ausschliesslich mit Zeichnungen.
24 Zeichnungen umfasst die bis zum 16. Juli dauernde Ausstellung in Basel. Bis auf eine Ausnahme entstanden alle Werke zwischen 1997 und 1999. Obwohl Paik schon in den 70er-Jahren gezeichnet hat , wurden seine Zeichnungen bisher auf dem Kunstmarkt kaum gehandelt. Nach einem Schlaganfall vor einigen Jahren hat Paik das Medium Zeichnen neu entdeckt. Heute arbeitet der 67-jährige Koreaner in seinem New Yorker Atelier im Rollstuhl – mit ungebrochener Schaffenskraft.
Im Gegensatz zu Paiks TV-Zeichnungen aus den 70-er Jahren, von denen im Museum für Gegenwartskunst eine als Beispiel zu sehen ist, wirken die neuen Arbeiten frisch und unbeschwert. Sie erinnern in ihrer Einfachheit und Farbigkeit an Kinderzeichnungen. Entstanden sind sie im Dialog Paiks mit sich selbst, in der Meditation.
Linie und Farbe sind wie bei alten TV-Zeichnungen auch bei den neuen Arbeiten wesentliche Gestaltungsmittel. Mit bunter Kreide ohne perspektivische Gestaltung aufs Papier gebrachte Motive wirken wie Ornamente. Die Motive sind jedoch nicht mehr aufgereiht, sondern frei arrangiert.
Eine wichtige Rolle spielen auch Traditionen der koreanischen Malerei. Beispiel sind die Darstellungen des Diamantgebirges mit seinen 12’000 Spitzen, das in Korea von alters her verehrt wird.
Erinnerungen an Vergangenes
Aufleben lässt Paik in seinen von Erinnerungen an Vergangenes geprägten Zeichnungen etwa Aufenthalte in Paris, Avignon oder Lyon. Auch den Kontakt zu andern Künstlern hält er fest. Andere Arbeiten zeigen farbige TV-Gärten und Mitglieder der Robot-Familie treten auf.
Der 1932 in Korea geborene Paik kam füh nach Europa. Er studierte 1956 in München Musik- und Kunstgeschichte sowie Philosophie. Zunächst betätigte er sich als Komponist und Aktionsmusiker und begann in den 60er Jahren mit TV-Geräten zu arbeiten. Als besonders wichtig erachtet er die Kontakte zu John Cage und Joseph Beuys in dieser Zeit. Seit den 70er Jahren lebt und arbeitet Paik hauptsächlich in New York.
swissinfo und Agenturen
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