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Zürich im Theaterfieber

Die polnische Theatergruppe "Studium teatralne" ist mit ihrem mitreissenden Bewegungs-Theater im Rahmen des Theater-Spektakels zum ersten Mal in der Schweiz zu sehen. Keystone

Was 1980 als Aufbruch der freien Theaterszene begonnen hat, ist heute eine arrivierte Institution: das Zürcher Theater-Spektakel. Ab Donnerstag (16.08.) steht die Limmatstadt wieder für zweieinhalb Wochen im Zeichen des Grossanlasses, der sich dem neuen und innovativen Theater verschrieben hat.

Das 22. Zürcher Theater-Spektakel ist eine Veranstaltung riesigen Ausmasses: An 11 verschiedenen Standorten werden in 113 Vorstellungen insgesamt 42 verschiedene Produktionen gezeigt.

Die Vielfalt des Programms könne sich sehen lassen, gibt sich Esther Schmid, Pressesprecherin des Spektakels, gegenüber swissinfo überzeugt: «Ein Schwerpunkt in diesem Jahr ist sicher das türkische Theater. Wir zeigen eine ganze Reihe von türkischen Gruppen, die auftreten. Zudem bieten wir zahlreiche Openair-Veranstaltungen. Dann gibt es wie immer einen Schwerpunkt Tanz- und einen Schwerpunkt Kindertheater.»

Freies Theater versus Staatsthater?

Das Zürcher Theater-Spektakel bezeichnet sich im Untertitel als «Internationales Treffen freier Theatergruppen», eine Formulierung, die aus der Entstehungszeit des Anlasses stammt. Damals, in den frühen achtziger Jahren, verstand sich das Festival als Alternative zum etablierten Staatstheater.

Diese Grenzen hätten sich in der Zwischenzeit jedoch weitgehend aufgelöst, gibt sich Esther Schmid überzeugt: «Viele Künstler, die früher einmal bei uns zu sehen waren, sind jetzt an Staatstheatern engagiert. Unsere Aufgabe ist es nach wie vor, die Spürnase an der Entwicklung des innovativen Theaters zu sein. Demnach besteht heute ein kreatives Miteinander zwischen uns und dem Staatstheater.»

Impulse aus dem Ausland

Neue Impulse für innovatives Theater finden sich im europäischen Ausland oder gar in Übersee. Die Festival-Leitung um das Trio Werner Hegglin (Technik), Cornelia Howald (Administration) und Markus Luchsinger (künstlerischer Leiter) ist deshalb bemüht, neben Produktionen aus der Schweiz auch ausländische Theatertruppen zum Zuge kommen zu lassen und damit in der Schweizer Theaterwelt Darstellungs-Formen einzuführen, welche dort bisher unbekannt waren.

Begrenzte Fest-Kapazität von Zürich

Gewiss, das Theater-Spektakel hat seine unsichere Gründerzeit längst hinter sich gelassen und zählt heute zum kulturellen Inventar der Stadt Zürich. Trotzdem könnte sich für das Festival am Horizont eine dunkle Wolke abzeichnen. Der Grund: In Zürich haben in den letzten Jahren die Grossveranstaltungen massiv zugenommen. Die Stimmen mehren sich, welche insbesondere gegen den zusätzlichen Lärm protestieren.

Reto Casanova, Sprecher des Stadtzürcher Polizeidepartements, deutet die Proteste folgendermassen: «Es gibt verschiedene Anzeichen, dass in Zürich die Kapazitäts-Grenze für Feste erreicht ist.» Zwar gehöre das Theater-Spektakel nicht zu den ganz grossen Anlässen wie etwa die Street Parade oder das «Züri Fäscht». Aber man werde auch beim Theater-Spektakel genau beobachten, wie gross die zusätzliche Lärmbelastung ausfalle. «Dann wird man allenfalls für nächstes Jahr Konsequenzen ziehen müssen.»

Esther Schmid winkt ob derartigen Bedrohungsszenarien für das Theater-Spektakel ab und markiert Gelassenheit: «Wir fühlen uns nicht betroffen. Wir erachten uns als eine sehr wichtige Veranstaltung im kulturellen Leben dieser Stadt.»

Felix Münger

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