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Drogentests: Datenschützer zitiert Roche vor Kommission

Bei Roche werden laut Vertrag keine Joints herumgereicht. Keystone

Der Basler Pharma-Konzern Roche führt bei seinen Lehrlingen flächendeckend Drogentests durch. Nicht einverstanden damit ist der oberste Datenschützer der Schweiz. Nun droht ein juristisches Seilziehen.

Im Februar erliess Odilo Guntern, der Eidgenössiche Datenschutz-Beauftrage (EDSB), die Empfehlung, die Drogentests bei Lehrlingen mittels Urinproben sofort einzustellen. Denn: Nur ein gegenüber dem Persönlichkeits-Schutz überwiegendes Sicherheitsinteresse würde den Drogentest rechtfertigen. Dies sei bei Roche jedoch nicht der Fall.

Der EDBS stiess bei Roche auf taube Ohren. Wie Roche-Sprecherin Jacqueline Wallach am Samstag (02.06.) gegenüber swissinfo sagte, werde der 1997 eingeführte Drogentest nach wie vor flächendeckend bei allen Lehrlingen zweimal jährlich durchgeführt. Der Test sei Teil des Lehrvertrags: «Bei uns bekommt niemand einen Vertrag, der nicht in die Drogentests einwilligt.»

Minimales Entgegenkommen von Roche

Man habe die Empfehlung des Datenschützers jedoch insoweit berücksichtigt, als nun vor jedem Test schriftlich die Einwilligung des Lehrlings eingeholt werde. Dies riecht nach Alibiübung, denn welcher Lehrling verweigert den Test und riskiert damit den Vertragsbruch? Jacqueline Wallach: «Meines Wissens hat es bisher keinen Fall gegeben, dass jemand den Test verweigert hätte.»

Der Datenschutz-Beauftragte will den Fall nun an die Eidgenössische Datenschutz-Kommission weiterziehen. Diese werde einen gerichtlichen Entscheid fällen, der nur vor Bundesgericht angefochten werden könne, sagte EDSB-Pressesprecher Kosmas Tsiraktsopulos gegenüber der Nachrichtenagentur sda. Man habe sich zu diesem Schritt entschlossen, weil mit der Firma Roche keine Einigung erzielt werden konnte.

Nutzen der Tests umstritten

In Fachkreisen sind Aussagekraft und Nutzen von flächendeckenden Drogentests umstritten. Kritisiert wird insbesondere deren Repressions-Charakter. Die Tests böten keine ganzheitliche Lösung der Drogenprobleme der Jugendlichen, argumentieren Gegner.

Felix Münger und Agenturen

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