The Swiss voice in the world since 1935
Top Stories
Schweizer Demokratie
Newsletter
Top Stories
Schweiz verbunden
Podcast

FIFA-Blatter: «Ich bin absolut nicht bestechlich!»

FIFA-Präsident Joseph Blatter: Die verflixte Geschichte rund um das Marketing-Unternehmen ISMM/ISL . Keystone

Der Fussball-Weltverband FIFA hat erstmals die Möglichkeit von schwarzen Konten eingeräumt. Der Verband rechnet mit einem Gewinnverlust von 75 Mio. Franken aus der Vermarktung der Fernsehrechte für die WM 2002.

Nach Angaben des Schweizer FIFA-Präsidenten Joseph Blatter ist diese von der brasilianischen TV-Anstalt O’Globo an das in Konkurs gegangene Marketing-Unternehmen ISMM/ISL gezahlte Summe «mit grosser Wahrscheinlichkeit auf ein Konto gegangen, das nicht zu den WM-Konten gehört.» Die FIFA wird daher am Montag (28.05.) Strafanzeige gegen Unbekannt einreichen.

Verantwortliche seien bislang noch nicht namentlich ermittelt worden, sagte Blatter am Freitag (25.05.) in Zürich. Nach Aussage von FIFA-Anwalt Peter Honegger sei jedoch kein Manager von ISMM/ISL «vor einer Untersuchung gefeit».

Schon im Vorfeld des am vergangenen Donnerstag durch den Rückzug des potenziellen Käufers Vivendi besiegelten Konkurses der mit etwa 650 Mio. Franken verschuldeten ISMM-Gruppe hatte die FIFA ihre WM-Partner dazu angehalten, fällige Zahlungen zurückzuhalten. Der Weltverband hat mittlerweile ein eigenes Konto eingerichtet, auf das die Gelder nun fliessen.

Keine 100 Mio. Franken

Die FIFA hat sowohl den Fernsehvertrag mit ISMM als auch den Marketingvertrag mit ISL wieder in ihren Besitz gebracht. Dies hat die Justizkommission des Kantons Zug bestätigt. Die Kirch-Gruppe, die die TV-Rechte in Europa und den USA besitzt, wird mit grosser Wahrscheinlichkeit die Option auf den Erwerb der 1,8 Mrd. Dollar teuren übrigen Rechte wahrnehmen.

«Wir rechnen in den nächsten drei Tagen mit einem Lizenzabkommen zwischen der FIFA und der Kirch-Gruppe», kündigte FIFA-Anwalt Honegger an. Die Situation im Marketingbereich sei dagegen problematisch, räumte Blatter ein. Die FIFA hatte daher Anfang Mai eine eigene Marketing AG gegründet, in die 75 Mitarbeiter von ISL übernommen wurden.

Blatter korrigierte in diesem Zusammenhang die geschätzte Verlust-Summe für die FIFA. «Wir sind heute mit der Finanzkommission ins Detail gegangen. Die genannten 100 Mio. Franken an Verlusten werden niemals erreicht», beruhigte der 65 Jahre alte FIFA-Chef.

Angespannter Blatter

Der Schweizer wies erneut alle Vorwürfe gegen seine Person zurück. «Ich habe noch nie versucht, jemanden zu bestechen. Und ich bin auch absolut nicht bestechlich. Diese Aussage würde ich auch unter Eid machen», erklärte Blatter, der sichtlich angespannt wirkte.

Blatter räumte ein, dass in den 26 Jahren, die er für die FIFA tätig ist, «Versuche unternommen wurden, mich zu beeinflussen, die man vielleicht als Versuche der Bestechung bezeichnen kann». Er habe aber stets abgelehnt, so auch bei einem vor Jahren von einem Sportartikel-Ausrüster offerierten Berater-Vertrag.

swissinfo und Eric Dobias (dpa)

Beliebte Artikel

Meistdiskutiert

In Übereinstimmung mit den JTI-Standards

Mehr: JTI-Zertifizierung von SWI swissinfo.ch

Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!

Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft

SWI swissinfo.ch - Zweigniederlassung der Schweizerischen Radio- und Fernsehgesellschaft