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Geldwäscherei-Chef wirft das Handtuch

Niklaus Huber Keystone Archive

Die Kontrollstelle zur Bekämpfung der Geldwäscherei war lange im Kreuzfeuer: Öffentlich wurden Kompetenz-Streitereien ausgetragen und wieder dementiert. Am Mittwoch (13.06.) kündigte der Leiter, Niklaus Huber, per sofort. Interimistisch übernimmt Armand Meyer die Leitung.

Der 1. April 1998 sollte in der Schweiz Einiges ändern: Das Geldwäscherei-Gesetz trat in Kraft. Seither müssen Banken und Geldvermittler melden, wenn sie Zweifel an der Herkunft der Gelder ihrer Kunden haben.

Anlaufstellen in Sachen Geldwäscherei gibt es mehrere, eine davon ist die Kontrollstelle zur Bekämpfung der Geldwäscherei. Ihre Aufgabe: Anwälten, Wechselstuben, Treuhändern, Vermögensverwaltern und anderen Finanzintermediären bei deren Umgang mit fremdem Vermögen auf die Finger zu schauen.

Doch die Kontrollstelle kämpfte von Beginn weg mit Anlaufschwierigkeiten: Personal fehlte, Mitarbeiter kündigten wegen dem massiven Druck: Die Arbeitslast war immens und Leitplanken für die Handhabung des neuen Instruments fehlten.

Einer blieb: Niklaus Huber, Leiter der Kontrollstelle. Er hatte sich zwar, so verschiedene Medienberichte, mit seiner kompromisslosen Haltung bei der Umsetzung des Geldwäscherei-Gesetzes unbeliebt gemacht. Als «stur und formalistisch» wird er von einem Consulting Unternehmen bezeichnet, er sei «diktatorisch», war in verschiedenen Medien zu lesen.

Huber selber äusserte sich ebenfalls in der Öffentlichkeit: Er sparte nicht mit Kritik an seinem Arbeitgeber, am Finanzamt und an seiner Klientel, die nicht kooperieren wollte.

Nun hat Niklaus Huber gekündigt – mit sofortiger Wirkung. Bis der neue Leiter sein Amt antritt übernimmt Armand Meyer, früherer Oberrichter und Präsident des Zürcher Handelsgerichts, die interimistische Leitung der verwaisten Kontrollstelle. Huber wird ihm beratend zur Seite stehen.

Meyer hat bei seinen Gesprächen mit Villiger unmissverständlich zur Bedingung gemacht, dass er sich keinesfalls dazu instrumentalisieren lassen werde, dem Geldwäscherei-Gesetz die Schärfe zu nehmen. Er ist, im Unterschied zu Huber, nun direkt Finanzminister Kaspar Villiger unterstellt.

Vor den Medien bezeichnete sich Meyer als unabhängig und allein der Verfassung und dem Recht verpflichtet. «Ich bin auch ein Patriot», sagte Meyer. Er wolle auf den Staat Stolz sein können, und Geldwäscherei sollte in diesem Staat keinen Platz haben.

Rebecca Vermot

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