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Luzerner Katholiken fordern Zölibats-Abschaffung

Die Schweizer Bischöfe werden erneut mit dem Zölibat und der Frauen-Ordination konfrontiert.

(Keystone)

Die Luzerner Katholiken üben Druck aus für Reformen. Ihre Synode (Parlament) verlangt in einer Erklärung an die Bischöfe, dass der Zölibatszwang für Priester fällt.

Zudem sollen Frauen künftig die Priesterweihe erhalten können. Die Erklärung geht nun an die Schweizerische Bischofskonferenz.

Zwar ist in der näheren Zukunft kaum damit zu rechnen, doch falls die Bischofskonferenz dieser Erklärung folgen würde, käme dies einer Revolution im Schosse der römisch-katholischen Kirche gleich. Der Vatikan lehnt die Abschaffung des Zölibats und die Priesterweihe für Frauen strikte ab.

Für viele Katholiken und Katholikinnen ist nicht zuletzt die starre Haltung der Amtskirche in dieser Frage ein Grund, sich von der Kirche wegzubewegen.

Kein Gesetz Gottes



"Es geht nicht darum, den Zölibat abzuschaffen", sagte Paula Beck, Sprecherin der Kommission, welche die Erklärung der Luzerner Synode erwirkt hatte. "Vielmehr wird die Ehelosigkeit aufgewertet, wenn ein Priester sie freiwillig wählt."

Und dass Frauen in der römisch-katholischen Kirche die Priesterweihe verweigert werde, sei diskriminierend, so Paula Beck weiter. "Es gibt kein Gesetz Gottes, dass es einer Frau verbietet, die Weihe als Priesterin zu erhalten."

Die Abschaffung des Zölibats hätte für viele katholische Pfarrer, die eine heimliche Beziehung zu einer Frau haben, grosse Bedeutung. Gleiches gilt für jene Priester, die ihr Amt ablegen mussten, weil sie eine Familie wollten.

Man weiss es – und spricht nicht darüber



Zu diesen gehört auch Ciril Berther. "Viele Priester haben eine Beziehung zu einer Frau, die Leute in der Gemeinde wissen oft Bescheid, doch man spricht nicht weiter darüber", sagt Berther gegenüber swissinfo.

"Ich hatte zwei Jahre lang eine solch klandestine Beziehung mit meiner Partnerin. Meine Pfarrgemeinde akzeptierte die Beziehung, doch als die ganze Angelegenheit publik wurde, musste ich mein Amt niederlegen."

Einer seiner Kollegen, sagt Berther, habe den Bischof informiert, der von einer "sehr hässlichen" Angelegenheit gesprochen habe. Dass er dann vor fünf Jahren die Kirche verlassen habe, bedauere er in keiner Art und Weise, sagt der heute 67 Jahre alte frühere Priester.

"Ich denke, die Kirche leistet in der Welt grossartige Dinge. Doch jetzt, wo ich weiss was es bedeutet, eine Beziehung zu einer Frau zu haben, ist mir klar geworden, wie wichtig und wertvoll dies sein kann. Ich empfinde keine Reue."

Schon vor 30 Jahren



Eine ähnliche Erfahrung machte auch die Berner Nationalrätin Ruth-Gaby Vermot, als ihr Ehemann Jean-Marie vor mehr als 30 Jahren das Priesteramt aufgab, um mit ihr eine Familie zu gründen.

"Ich lernte Jean-Marie in Togo kennen, wo er damals als Priester arbeitete. Er war er ins Visier der Kirche geraten, weil er deren Ansicht nach zuwenig Leute dazu brachte, dem katholischen Glauben beizutreten, sondern sich auf andere Tätigkeiten konzentrierte, die er als weit wichtiger einstufte", erklärt Vermot im Gespräch mit swissinfo.

Nachdem das Paar zwei Jahre in Afrika gelebt hatte, wo sie wegen ihrer Beziehung kaum Probleme hatten, kehrten die beiden in die Schweiz zurück.

"Das war sehr schwierig, denn mein Mann wurde aus der Kirche vertrieben. Er hatte bei seiner Ankunft in Basel gerade mal noch einen Franken in der Tasche", erinnert sich Ruth-Gaby Vermot.

Danach gestand das Paar seine Beziehung in einem Brief an den Vatikan. Die Reaktion aus Rom habe ihren Gatten sehr schockiert.

"Wir haben das Schreiben noch heute zu Hause. Es waren verdammende Worte, der Brief war irgendwie unmenschlich. Dazu kommt, dass die Kirche meinem Mann die Pension verweigert – dies nachdem er 20 Jahre lang für sie gearbeitet hatte", kritisiert Vermot das Vorgehen Roms.

Christkatholische Kirche



Anders als in der römisch-katholischen Kirche können Frauen bei der christkatholischen (altkatholisch) Kirche der Schweiz seit 1999 die Priesterweihe empfangen. Auch gibt es keinen Zwangszölibat.

Die christkatholische Kirche hatte sich nach 1870 von Rom losgesagt. Den Anstoss dazu gegeben hatte das 1. Vatikanische Konzil (1869-1870) auf dem das Dogma der Lehr-Unfehlbarkeit des Papstes und jenes des Universalprimats definiert worden waren.

Mit Denise Wyss erhielt im Jahr 2000 erstmals eine Frau in der Schweiz die Ordination als Priesterin, in Solothurn. Die Weihe stiess allerdings bei einigen ihrer männlichen Kollegen auf Kritik.

"Nach der Weihe gab es innerhalb unserer Kirche einige negative Reaktionen. So vertraten einige Leute die Ansicht, da Christus ein Mann gewesen sei, müsse auch die Person, die ihn vor dem Altar vertrete, männlich sein", erklärt Daniel Konrad, christkatholischer Priester und ein enger Kollege von Denise Wyss, gegenüber swissinfo.

"Auf der andern Seite argumentierten die Befürworter der Frauenordination damit, dass Christus am Ende zum Menschen geworden sei, also sollte auch jedes menschliche Wesen ihn vertreten können. Wichtiger sei die Ausbildung", so Konrad weiter.

swissinfo, Billi Bierling
(Übertragung aus dem Englischen: Rita Emch)

Fakten

Religions-Zugehörigkeit in der Schweiz:
Römisch-Katholiken: 44,1%
Protestanten: 36,6%
Muslime: 4,5%
Orthodoxe Christen: 1,2%
Andere Religionen: 1,9%
Konfessionslos: 11,7%

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In Kürze

Die Synode der Luzerner Katholiken fordert die Abschaffung des Zwangs-Zölibats für Priester. Zudem sollen Frauen künftig die Priesterweihe erhalten können.

Eine entsprechende Erklärung, die von der Synode deutlich angenommen wurde, geht nun weiter an die Schweizerische Bischofskonferenz.

Mit der Aufhebung des Zwangs würde die Ehelosigkeit gar aufgewertet, da sie dann freiwillig gewählt werde, argumentiert die Luzerner Synode. Priester, die wegen Verletzung des Pflichtzölibats dispensiert wur5den, sollen rehabilitiert werden.

Die Ordination der Frauen verlangt die Synode, weil das Verbot diskriminierend sei. Zudem gebe es kein Gesetz Gottes, das Frauen die Weihe verbiete.

Zwar ist kaum damit zu rechnen, doch falls die Bischofskonferenz dieser Erklärung folgen würde, käme dies einer Revolution im Schosse der römisch-katholischen Kirche gleich. Der Vatikan lehnt die Abschaffung des Zölibats und die Priesterweihe für Frauen strikte ab.

Für viele Katholiken und Katholikinnen ist nicht zuletzt die starre Haltung der Amtskirche in dieser Frage ein Grund, sich von der Kirche wegzubewegen.

Anders als in der römisch-katholischen Kirche können Frauen bei der christkatholischen (altkatholisch) Kirche der Schweiz seit 1999 die Priesterweihe empfangen. Auch gibt es keinen Zwangszölibat.

Mit Denise Wyss erhielt im Jahr 2000 erstmals eine Frau in der Schweiz die Ordination als Priesterin.

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