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Luzerns Bahnhof als Pionier für die Moderne

Die lichtdurchflutete Bahnhofhalle in Luzern.

(swissinfo.ch)

Zugreisende, die in Luzern aus- oder einsteigen, machen sich wenig Gedanken über das Bahnhofgebäude und seine Geschichte.

Die Reportage über Bahnhöfe in der Schweiz zeigt, wie Luzern als Pionierrolle für viele andere Bahnhöfe diente, obschon Planung und Bau 20 Jahre dauerten.

Auf den ersten Blick kann der Luzerner Bahnhof einfach als ein weiterer Ort abgetan werden, wo Leute kommen und gehen.

Der Sackbahnhof ist den vielen Touristen, für die Luzern ohnehin der Inbegriff der Schweiz bedeutet, kaum einen zweiten Blick wert

Es ist auch nicht ganz einfach für ein Gebäude, es mit den anderen Luzerner Attraktionen aufzunehmen. Oder mit den Aussichten auf den See, die Rigi oder den Pilatus zu konkurrieren.

Schliesslich wird die Aufmerksamkeit der Gäste schnell von den Dampfbooten, der Kappelerbrücke, dem nahe gelegenen Kongresszentrum KKL oder vom Verkehrsmuseum in Beschlag genommen.

Näher hinschauen

Doch bei etwas Geduld eröffnet sich dem Betrachter des Luzerner Bahnhofs eine ganze Reihe von Attraktionen, die weit mehr als simple Kuriositäten darstellen.

Was noch am ehesten auffällt, ist die Lichtführung in den Bahnhofshallen. Das Licht dringt vom elegant gebogenen Dach und seitlich von der Glasfassade ein – architektonisch eine einmalige Angelegenheit.

Dies verhilft der Eingangshalle zu einer weitläufigen Räumlichkeit, obschon dies eigentlich irreführend wirkt. Denn in Wirklichkeit ist Raum in der Halle knapp.

Man muss nur im Erdgeschoss nach den Ticketschaltern Ausschau halten, um zu begreifen, dass sich der Luzerner Bahnhof stark von den übrigen in der Schweiz unterscheidet. Im Erdgeschoss gibt es nämlich keine Billetschalter.

Alle gängigen Bahnhofs-Dienstleistungen, inklusive Billetverkauf und Gepäckschliessfächer, liegen im Untergeschoss. Dennoch befinden sie sich, dank dem Glasdach, im Tageslicht. Im Untergeschoss finden sich auch einige Läden und Restaurants.

Im ersten Stock liegen ebenfalls Restaurants, der ersten und der zweiten Klasse, sowie Konferenzräume. Von allen lässt sich auf die 15 Bahnperrons schauen.

Ruhmreiche Tage



Beschäftigt man sich etwas eingehender mit dem Luzerner Bahnhof, kommt eine ruhmreiche Vergangenheit zum Vorschein. Und die noch original erhaltenen Gebäudeteile erzählen warnend ihre Geschichte.

"Das erste Bahnhof-Gebäude wurde um 1850 errichtet. Am Platz, wo Güter und Personen vom Zug aufs Schiff gebracht wurden", erklärt Kilian Elsasser, Ausstellungs-Kurator im Verkehrsmuseum.

"Von Luzern aus konnten Reisende mit dem Schiff bis nach Flüelen ans andere Ende des Sees fahren, und dann die Gotthardlinie nehmen", sagt er gegenüber swissinfo.

Darauf folgte 1895 ein zweites Bahnhof-Gebäude. Dieser grandiose Bau diente Luzern für 75 Jahre als Symbol, bis er 1971 von einem Feuer zerstört wurde.

Dieser alte Bahnhof verfügte bereits über eine Glaskuppel und Glasplatten, was für die damaligen Schweizer Bahn-Gebäude alles andere als typisch war.

"Es gab einen Grund, weshalb die Stadtbehörde ein Gebäude wollten, das architektonisch herausragend war", erklärt Elsasser. "Auf der anderen Seeseite befinden sich nämlich die grossen Hotels wie der Schweizerhof."

Wahrzeichen der Stadt

Doch am 5. Februat 1971 ging das Wahrzeichen der Stadt in Flammen auf, nachdem im 3. Stock in den Personalunterkünften ein Feuer ausgebrochen war.

"Das Gebäude war alt und voll von Holzbauteilen und brannte sehr, sehr schnell. Nur eine Stunde, nachdem die Feuerwehr gerufen worden war, fiel die grosse Kuppel zusammen und wurde zerstört", erinnert sich Elsasser.

"Die grosse Uhr blieb um 09.03 Uhr stehen, die Kuppel fiel um 09.06. Dies signalisiert den Zeitpunkt, an welchem dem Gebäude die Seele entwich."

Geschichtsbücher weisen darauf hin, dass die Bahnhofsuhr exakt zu der Uhrzeit stoppte, wie sie in der ursprünglichen Skizze von 1894 gezeichnet worden war.

Wiedergeburt

Wiederum um 09.03, am 5. Februar 1991, exakt 20 Jahre nach dem Feuer, weihten die Luzerner ihren gegenwärtigen Bahnhof ein. Der Grund für die lange Dauer von Planung und Bau sind die grossen Auseinandersetzungen, die über die Rolle des öffentlichen Verkehrs stattfanden.

"Es war die Zeit der grossen Ölkrise und der Wiedergeburt des öffentlichen Verkehrs", erklärt Elsasser. "Dies machte es schwierig, vorauszudenken, welche Art von Bahnhof Luzern brauchen würde."

"Das Luzerner Bahnhofgebäude ist eines der ersten nach dieser Wiedergeburt", so Elsasser. Luzern besass somit den ersten modernen Bahnhof in der Schweiz – und damit ein Modell für die kommenden.

"Die Planer gingen davon aus, dass das Gebäude ein Blickpunkt der Stadt werden sollte", sagt Elsasser. "Nicht einfach der Ort, an dem man Bahnbillets ersteht und in oder aus dem Zug steigt, sondern wo man auch einkauft oder sich verpflegt."

"Das Gebäude wurde auch als Begegnungsstätte für die Stadt konzipiert. Wohin man sonntags oder abends hingeht. Wie man sieht, füllt der Bahnhof seine Treffpunkt-Funktion aus", so Elsasser.

In seinem Buch "Switzerland by Rail" bringt es der britische Autor Anthony Lambert auf den Punkt: "Zwar fehlt dem neuen Bahnhof der Charakter des alten. Doch ist der neue ein Modell für Annehmlichkeit und Komfort."

swissinfo, Robert Brookes in Luzern
(Übertragung aus dem Englischen: Alexander Künzle)

In Kürze

Der derzeitige Bahnhof Luzern wurde 1991 eröffnet, nachdem das alte Gebäude vor genau 20 Jahren bei einem Grossbrand zerstört worden war.

Das Hauptportal des alten Bahnhofs, das den Brand überlebte, steht jetzt als imposanter Torbogen mitten auf dem Bahnhofplatz.

Zuoberst auf dem Torbogen ist eine Statue des Schweizer Bildhauers Richard Kissling angebracht. Ihr Name: "Zeitgeist".

Infobox Ende


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