NOTIZ Urologie-Direktor verlässt Unispital Zürich wegen Missständen
Die Keystone-SDA-Meldung vom Donnerstag 22.10. zum Abgang des USZ-Urologie-Direktors enthielt einen Fehler, der vom Betroffenen beanstandet wurde. Sie finden die korrigierte Fassung untenstehend.
(Keystone-SDA) Eine Untersuchung am Universitätsspital Zürich hat erhebliche Mängel in der Klinik für Urologie festgestellt. Unter anderem wurden Sponsorengelder für einen Mitarbeitenden-Anlass zweckentfremdet. Der bisherige Klinikdirektor hat sich entschlossen, das Spital zu verlassen.
Die von der Spitaldirektion in Auftrag gegebene Administrativuntersuchung kommt zum Schluss, dass in der Klinik über Jahre hinweg Vorgaben nicht konsequent eingehalten wurden. Der bisherige Klinikdirektor hat sich aufgrund der Geschehnisse entschlossen, das USZ zu verlassen.
Teilweise wurden Sponsorengelder zweckentfremdet. So wurden Gelder, die explizit für einen Krebs-Fachanlass im Jahr 2023 bestimmt waren, für einen allgemeinen Mitarbeiteranlass mit 70 Teilnehmenden verwendet. Die entsprechende Rechnung eines Zürcher Restaurants belief sich auf über 13’000 Franken.
Verantwortliche Chirurgen teils abwesend
Der Bericht zeigt weiter auf, dass Operationen, die eine zusätzliche Qualifikation voraussetzen, häufig von Ärzten ohne diese Qualifikation durchgeführt wurden. Zudem stellte die Untersuchung fest, dass in Operationsberichten wiederholt Ärzte als «verantwortliche Chirurgen» ausgewiesen wurden, obwohl sie nicht im Operationssaal anwesend waren. Sie befanden sich zum Zeitpunkt der jeweiligen Operation in einer Vorlesung oder betreuten Sprechstunden. In einem Fall war ein verantwortlicher Chirurg gar in den Ferien. Vereinzelt wurden laut dem Bericht auch Ärzte als Operateure ausgewiesen, deren tatsächliche Mitwirkung aufgrund der Anwesenheitsdaten zweifelhaft war.
Der ehemalige Klinikdirektor vertrat laut Untersuchungsbericht die Auffassung, dass der «verantwortliche Chirurg» die übergeordnete Verantwortung für die Behandlung trage, aber nicht selbst im Operationssaal anwesend sein müsse. Es genüge, wenn er bei Komplikationen verfügbar sei. Bereits unter seinem Vorgänger sei es üblich gewesen, den Klinikdirektor unabhängig von seiner Anwesenheit in das fakultative Feld «verantwortlicher Chirurg» einzutragen – selbst während der Ferien. Die Untersuchenden wiesen diese Interpretation zurück. Die blosse Abrufbarkeit eines verantwortlichen Chirurgen könne die vorgeschriebene Anwesenheit im Operationssaal nicht ersetzen.
Gemäss dem Bericht hat der bisherige Klinikdirektor seine Pflichten in grösserem Umfang verletzt. Als Klinikdirektor wäre er für die Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben verantwortlich gewesen. Die Untersuchung ergab aber keine Hinweise darauf, dass die medizinische Qualität der Behandlungen oder die Sicherheit der Patientinnen und Patienten beeinträchtigt gewesen wären.
Das USZ habe organisatorische Konsequenzen gezogen und Prozesse im ganzen Spital angepasst. Um Transparenz zu schaffen, legt das Spital den Untersuchungsbericht offen und hat diesen zudem der Staatsanwaltschaft übergeben.
Gesundheitsdirektorin war schon 2025 verärgert
Die Vorgänge rund um die Klinik für Urologie beschäftigen auch die Politik. Im Kantonsrat wurde dazu kürzlich eine Anfrage an den Regierungsrat eingereicht. Kantonsrat Josef Widler (Die Mitte) thematisiert darin die Freistellung des Chefarztes und weist gleichzeitig darauf hin, dass die Klinik mehrfach als beste urologische Fachklinik der Schweiz ausgezeichnet wurde.
Bereits vor rund einem Jahr war die Klinik im Kantonsrat ein Thema. Gesundheitsdirektorin Natalie Rickli (SVP) ärgerte sich damals über bekannte gewordene Vorgänge an der Klinik. Dabei ging es um den Klinikdirektor und einen Kaderarzt, die falsche Angaben machten. Sie habe «langsam genug» von solchen Vorfällen. Leider könne man die beiden Mitarbeiter nicht entlassen. «Aber vielleicht kündigen sie ja selber», sagte Rickli damals im Ratssaal.
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