Porsche wirbt bei Aktionären um Zustimmung zur Kapitalerhöhung
STUTTGART (awp international) – Die Aktionäre des Stuttgarter Autobauers Porsche entscheiden heute über die zentrale Weichenstellung auf dem Weg zur Verschmelzung mit dem VW-Konzern . Gleichzeitig räumte das Management weiter Schwierigkeiten auf dem Weg zu einem mit Volkswagen fusionierten Konzern ein. Die Unternehmensführung aus VW-Chef Martin Winterkorn, der auch der Dachholding Porsche SE vorsteht, und seinem Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch werben um die Zustimmung der Aktionäre zu einer Kapitalerhöhung von fünf Milliarden Euro. Sie soll der Entschuldung von Porsche dienen, die wiederum Voraussetzung für die Verschmelzung beider Unternehmen ist. Letzten Angaben zufolge lasten auf der Dachgesellschaft Porsche SE noch 6,1 Milliarden Euro Schulden.
Die direkte Kapitalerhöhung soll bis zum 30. Mai 2011 durchgeführt werden, teilte das Unternehmen am Dienstag mit. Sie könnte sich aber wegen anhängiger Klagen bis zum 30. August nächsten Jahres verschieben, wie aus dem Redetext des Finanzvorstand hervorgeht. Sowohl Investoren in den USA als auch in Deutschland sehen sich vom früheren Porsche-Management und dessen Optionsgeschäften geschädigt. Porsche steht aber unter Zeitdruck: Bis Ende Juni muss das Unternehmen eine Kredittranche von 2,5 Milliarden Euro zurückzahlen. Die Banken haben bereits signalisiert, vier Monate Aufschub zu gewähren.
Um den Aktionären die Zustimmung schmackhaft zu machen, betonte Konzernchef Martin Winterkorn, die Aktionäre seien «massgeblich an zwei der stärksten und zukunftsfähigsten Automobilherstellern der Welt beteiligt». Mit ihrer Zustimmung könnten die Aktionäre «die Grundlage für eine viel versprechende Zukunft legen.»
Die Kapitalerhöhung soll zu gleichen Teilen von den Stamm- und Vorzugsaktionären gestemmt werden. Damit blieben die Anteile zwischen den beiden Aktiengattungen gleich, hob Finanzvorstand Pötsch hervor. Die Familiengesellschafter der Familien Porsche und Piech, die 90 Prozent der Stammaktien halten, haben zugesagt, die Kapitalerhöhung mitzutragen.
Um sich für den Fall abzusichern, dass die direkte Kapitalerhöhung nicht gelingt, will sich das Unternehmensführung weitere Finanzierungsmöglichkeiten genehmigen lassen. Die Aktionäre stimmen deshalb auch über die Begebung von Wandelanleihen oder Gewinnschuldverschreibungen ab, die ebenfalls fünf Milliarden Euro einbringen sollen./dct/wiz