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Schweiz für globales Migrations-Forum

DEZA-Direktor Walter Fust in New York.

(swissinfo.ch)

An der ersten globalen Migrations-Konferenz der UNO in New York unterstützt die Schweiz die Idee von UNO-Generalsekretär Kofi Annan, ein globales Migrations-Forum zu schaffen.

Der Schweizer Delegationsleiter, DEZA-Chef Walter Fust, erklärt gegenüber swissinfo, dass die Zusammenarbeit zwischen den Staaten bei den Problemen der Migration dringend nötig sei.

"Wir stehen am Anfang eines Prozesses. Ich glaube, es dürfte einiges in Bewegung geraten", erklärte der Chef der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) nach dem Ministertreffen in New York. Die Schweiz bemühe sich auch, das Thema auf der UNO-Agenda zu halten.

Es gehe darum, Wege zu finden, wie der Nutzen der Migration für die Entwicklung aller Länder maximiert und die Nachteile abgebaut werden können. Noch immer sind es vor allem Armut und politische Konflikte, die Menschen in die Emigration treiben.

Offener Dialog

In New York ging es nicht darum, internationale Direktiven zu erarbeiten. "Dass nun aber erstmals auf hochrangiger internationaler Ebene über die verschiedensten Aspekte der Migration gesprochen wurde, ist ein Erfolg", erklärt DEZA-Direktor Fust gegenüber swissinfo.

Nun müsse der Dialog weitergehen. Die Schweiz unterstützt denn auch die Einrichtung des von Kofi Annan vorgeschlagenen Migrations-Forums. Das Forum soll keine verbindlichen Entscheide fällen, sondern dem Austausch von Erfahrungen dienen.

Vor allem gewisse Industriestaaten hätten Ängste vor einem Eingriff in ihren Handlungsspielraum in der Migrations-Politik, sagte Fust. Auch die Schweiz gehört zu den Staaten, die in dem Bereich eigene Wege gehen.

Mittlerweile habe die Migration aber solche Ausmasse angenommen, dass die Staaten über kurz oder lang zumindest zu regionalen Lösungsansätzen kommen müssten, meint Fust.

Deza

Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) ist die Agentur für internationale Zusammenarbeit im Eidgenössischen Departement für ...

Schweiz gefordert

Die Schweiz werde auch in Zukunft auf ihrer Eigenständigkeit beharren. "Umso mehr muss sie sich am internationalen Dialog orientieren, denn sonst verliert sie ihren Handlungsspielraum", unterstreicht der DEZA-Chef.

Auch die Schweiz wisse, dass sie langfristig ohne Immigration ihren Wohlstand nicht halten könne. "Das Bewusstsein dafür ist aber in der breiten Bevölkerung noch zu wenig da."

Die Schweiz sei ein Land, das die Hälfte seines Einkommens im Ausland erarbeite, einen Drittel des Weltvermögens verwalte, bei der Globalisierung seiner Wirtschaft auf Platz 10 liege, bei der politischen Globalisierung aber nur auf Platz 30.

"Mit diesen Dingen müssen wir uns auseinandersetzen." Die Frage sei, welche Lösung die Schweiz für die nächsten 10, 20 Jahre bezüglich der Lenkung der Migration wolle. Es brauche klare politische Zielsetzungen.

Privatsektor und Rücküberweisungen

"In der Entwicklungszusammenarbeit", sagt Fust, "muss darauf geachtet werden, den Privatsektor mit der Schaffung von Arbeitsplätzen zu stärken." Auf diesem Wege könne man auch die ungewollte Migration eindämmen.

Zur Stärkung der Wirtschaft in den Herkunftsländern leisten mittlerweilen auch die Rücküberweisungen der Migranten einen wichtigen Beitrag. Sie machen schätzungsweise über 230 Mrd. Dollar pro Jahr aus.

Bei seiner Rede in New York hatte Fust betont, dass diese Gelder möglichst ohne grosse Kosten in die Heimat überwiesen können werden müssten.

Menschenhandel und Ausbeutung

Grossen Handlungsbedarf sieht der DEZA-Chef beim Kampf gegen die übelsten Aspekte der Migration: Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung. "Ein Drama."

Weltweit werden pro Jahr schätzungsweise rund 1,2 Millionen Menschen verschleppt – zu 80% Frauen und Kinder. Der Menschenhandel ist nach dem Waffen- und Drogenhandel zum drittlukrativsten illegalen Business geworden.

swissinfo, Rita Emch in New York

In Kürze

Noch nie lebten soviele Menschen als Migranten und Migrantinnen wie heute: Nach UNO-Schätzungen sind es rund 3% der Weltbevölkerung, knapp 200 Millionen Menschen, fast die Hälfte Frauen.

Armut, Krieg und Naturkatastrophen gehören zu den häufigsten Gründen für die Migration.

Erstmals hat sich die UNO nun auf Ministerebene mit dem Thema Migration und Entwicklung befasst.

Die Schweiz war im Vorfeld aktiv in den Prozess involviert. Unter anderem gehörte sie zu einer Gruppe von Staaten, die für Generalsekretär Kofi Annan den Bericht erstellte, der als Grundlage für den Dialog diente.

Mit der Berner Initiative wurde zudem ein Instrument für Migrations-Management entwickelt.

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Fakten

Europa beherbergt mit 34% den grössten Anteil aller Zuwanderer weltweit, gefolgt von Nordamerika und Asien.
Migranten schickten 2005 mehr als 232 Mrd. Dollar von ihrem Einkommen in der Fremde nach Hause und unterstützten mit diesem Geld nicht nur die eigenen Familien, sondern auch die heimische Wirtschaft.
Mit Rücküberweisungen in Höhe von 9,4 Mrd. Dollar liegt die Schweiz nach den USA, Saudi-Arabien und Deutschland (9,8 Mrd.) auf Platz vier.

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