Freitag
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Kennen Sie Michel aus Lönneberga? Wenn ich das Wort "Armenhaus" höre, muss ich immer an das Kinderbuch von Astrid Lindgren denken, weil darin ein kleiner Bub ganz allein ein Festessen für die Armenhausbewohner organisiert. Schwedische Kindergeschichten aus dem 19. Jahrhundert mögen Sie vielleicht nicht interessieren. Aber das Thema Armenhaus ist ungewohnt aktuell - im Kanton Aargau. Aber lesen Sie selbst.
Liebe Grüsse aus Bern
Im Kanton Aargau können Gemeinden Sozialhilfebezüger und Sozialhilfebezügerinnen seit März in Heime einweisen. Die Regierung hat einen entsprechenden Passus in eine Verordnung aufgenommen. Das weckt Erinnerungen an ein trauriges Kapitel in der Geschichte der Schweiz: die administrativen Versorgungen.
Am Dienstag haben einige Personen in Aarau vor dem Regierungsgebäude demonstriert. Auf den Plakaten stand: «Wegen Armut ins Heim gesteckt». Die Demonstranten kritisieren eine neue Regelung, wonach die Gemeinden Sozialhilfebezüger eine Unterkunft zuweisen können.
Von der frühen Neuzeit bis ins 19. Jahrhundert kannten viele europäische Staaten so genannte «Armenhäuser», wo Menschen Wohnraum und Verpflegung fanden, wenn sie nicht (mehr) für sich sorgen konnten. In der Schweiz wurden «Arbeitsscheue» bis 1981 administrativ versorgt, das heisst, ohne Gerichtsverfahren weggesperrt. Der Bund hat eben erst Wiedergutmachungen an Betroffene bezahlt.
Die umstrittene Regelung zielte eigentlich auf Asylbewerbende. Eine Politikerin ärgerte sich über das «Geschäftsmodell mit der freien Wohnungswahl» für Flüchtlinge. Weil Flüchtlinge gemäss internationalem Recht nicht anders behandelt werden dürfen als Schweizerinnen und Schweizer, weitete die Aargauer Regierung die Regelung auf alle Sozialhilfebezüger aus.
- Den ganzen Artikel finden Sie in der WochenzeitungExterner Link (WOZ/Paywall)
- Die Website einer Petition Externer Linkgegen die Aargauer Regelung.
- Einen Bericht über das Leben einer Sozialhilfebezügerin sowie den politischen Streit über Sozialhilfestandards finden Sie in unserem Archiv.
- Porträts von «administrativ Versorgten».
Mehr
Viele Deutsche haben keinen Bock mehr auf die Schweiz und kehren heim. Die Einwanderung ist seit 2008 rückläufig. Was sind die Gründe?
Die Deutschen sind mit rund 308’000 Personen nach den Italienern und Italienerinnen die zweitgrösste ausländische Gemeinschaft in der Schweiz. Nach einem Peak im Jahr 2008 mit 46’000 deutschen Zuwanderern ist die Tendenz seither stark rückläufig.
Laut einer OECD-Studie geben verbesserte Berufsaussichten, Familie, Freunde und die herausfordernde Integration in der Schweiz den Ausschlag für die Rückkehr nach Deutschland. Manche Deutsche stören sich am schlechter ausgebauten Wohlfahrtsstaat in der Schweiz. Vieles, was in Deutschland gratis sei, müsse man in der Schweiz selbst bezahlen.
Viele deutsche Eltern empfinden zudem das Schweizer Schulsystem als stressig. Das Gymnasium sei extrem schwer zugänglich. Auch könne man sich ohne reiche Eltern oder Einkommen aus einem Top Job in der Schweiz kein Eigenheim leisten. Zwei Väter gaben dem Tages-Anzeiger in einem Interview Auskunft über die Gründe, warum sie nach Deutschland zurückkehren.
- Den ganzen Artikel finden Sie hierExterner Link (Tages-Anzeiger/Paywall).
- Das InterviewExterner Link mit zwei Vätern, die nach Deutschland zurückkehren (Tages-Anzeiger/Paywall).
- Der Kommentar des Tages-AnzeigersExterner Link (Paywall).
- Warum sich viele Deutsche in der Schweiz nicht wohl fühlen, erfahren Sie in einem Artikel aus unserem Archiv.
- Warum immer weniger Schweizer und Schweizerinnen sich ein Eigenheim leisten können, erfahren Sie in diesem Artikel aus unserem Archiv.
Wer in der Schweiz wegen einer schweren geistigen Beeinträchtigung unter umfassende Beistandschaft gestellt wird und sich nicht gegen diese Massnahme wehrt, verliert automatisch das Stimm- und Wahlrecht. Aber immer mehr Menschen mit einer geistigen Behinderung sind politisch interessiert und würden gerne mitbestimmen.
Geistige Behinderung darf kein Hindernis mehr für die Ausübung politischer Rechte sein. So lautet das Credo von insieme Schweiz. Mit Blick auf die Schweizer Parlamentswahlen vom 20. Oktober hat die Dachorganisation der Elternvereine für Menschen mit einer geistigen Behinderung eine Broschüre mit Wahlinformationen in leichter Sprache herausgegeben.
Der automatische Verlust des Stimm- und Wahlrechts bei einer umfassenden Beistandschaft verstösst nach Ansicht mehrerer Experten des öffentlichen Rechts gegen die UNO-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen.
Immerhin: Seit der Einführung des neuen Erwachsenenschutzrechts im Jahr 2013 gibt es in der Schweiz immer weniger Menschen, die von der Ausübung politischer Rechte ausgeschlossen sind.
- Den ganzen Artikel finden Sie auf swissinfo.ch.
- Einen Hintergrundartikel über politische Rechte von Menschen mit geistigen Beeinträchtigungen finden Sie im Archiv von swissinfo.ch.
- Mehr Informationen zur Wahlhilfe-Broschüre finden Sie auf der Website von insiemeExterner Link.
Der israelische Aussenminister Israel Katz traf bei seinem Schweiz-Besuch diese Woche seinen Schweizer Amtskollegen Ignazio Cassis. Zuhause angekommen, liess Katz verlauten, die Schweiz und Israel wollten «zusammenarbeiten, um eine Alternative zum UNRWA zu finden«. Das sorgte für Wirbel.
Dem Treffen mass eigentlich niemand grössere Bedeutung zu, denn es ging um die Feier eines Jubiläums: Die Schweiz und Israel unterhalten seit 70 Jahren diplomatische Beziehungen. Doch zurück in Israel liess Katz in einer Mitteilung verlauten, die Schweiz und Israel wollten zusammenarbeiten, um eine Alternative zum UNRWA zu finden.
Das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten wurde 1949 als temporäres Hilfsprogramm der Vereinten Nationen eingerichtet. Es ist zunehmend international umstritten. Die Vereinigten Staaten haben ihren Beitrag zum UNRWA zurückgezogen. Nach einem negativen Bericht vom Juli dieses Jahres fror auch die Schweiz ihren Beitrag bis zu einer abschliessenden Untersuchung ein.
Die Mitteilung von Katz schürte nun die Wut der Palästinenser. Sie demonstrierten am Donnerstag vor dem Hauptsitz der UNRWA in Jerusalem. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) sah sich nach Katz‘ Aussagen gezwungen, schleunigst die Wogen zu glätten. Bern lehne jede Zusammenarbeit mit Tel Aviv ab, um eine Alternative zum UNRWA zu finden, liess es gegenüber RTS verlauten.
- Den ganzen Bericht finden Sie auf swissinfo.ch.
- Der Schweizer Aussenminister wirbelte mit umstrittenen Aussagen zum UNRWA letztes Jahr Staub auf, wie Sie im Artikel aus unserem Archiv lesen können.
- Auch die schweizerisch-jüdischeExterner Link sowie die israelische PresseExterner Link berichteten über das Treffen zwischen Katz und Cassis.
Engagieren Sie sich in einem Auslandschweizer-Club? Im deutschsprachigen Teil der App ist das die meist beantwortete Frage. Nun möchten wir im Briefing kurze Porträts dieser Clubs präsentieren.
In der Testphase und beim Launch der App war die Frage «Engagieren Sie sich in einem Auslandschweizer-Club?» das Standard Q&A-Element. Deswegen hat es viele Antworten erhalten. Sie bilden eine schöne kleine Tour durch die «Schweizen» in der Welt:
Schweizerklub Telemark, Norwegen (Barbara Langslet)
Schweizerverein Dresden, Deutschland (Samuelson)
Schweizerverein München, Deutschland (Fischli)
Sydney, Australien (brutterbrot)
Schweizerklub Südnorwegen, Norwegen (Bea Koster)
Armbrustschützen São Paulo, Brasilien (Pitsch)
Schweizer Club Algarve, Portugal (remu53)
Swiss Circle Sri Lanka (Herta)
Swiss Society of the Kansai, Japan (fun3947)
Schweizerclub Central Florida, USA (ruthkb)
Québec, Canada (Claude Pasche)
Um herauszufinden, was die Eigenarten dieser Clubs sind, schreiben wir nun alle diese App-Nutzerinnen und -Nutzer an.
Sind Sie selber in einem Schweizer Club aktiv? Nachfolgend finden sie den Link zum besagten Q&A. Sobald Sie dort den Namen ihres Vereins erwähnt haben, werden wir Sie kontaktieren.
- Antworten Sie hier: «Engagieren Sie sich in einem Auslandschweizer-Club?«
- Diesen Sommer haben wir Auslandschweizerklubs in sechs Ländern besucht, um Gespräche zu den Parlamentswahlen vom 20. Oktober zu führen. Es waren intensive Debatten, wie etwa jene in Aachen, Deutschland.
Mehr
Und noch zur Erinnerung: Am 20. Oktober wählen die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger ihr neues Parlament. Ihre Stimme ist schon hart umkämpft.
Dabei geht es um die 200 Volksvertreterinnen und -vertreter im Nationalrat und die 46 Mitglieder des Ständerats (Genau genommen sind es deren 45: Der Kanton Appenzell Innerrhoden wählte seinen Standesvertreter bereits an der Landsgemeinde vom 28. April 2019).
Favoriten sind die Grünen, die Sozialdemokraten und die Grünliberalen – sie waren die Gewinner der letzten kantonalen Wahlen. Die Schweizerische Volkspartei dagegen, landesweit die stärkste Partei, musste auf Kantonsebene stark Federn lassen.
- Wir erklären in einem kurzen Video wie die Parlamentswahlen ablaufen.
- Hier zeigen wir Ihnen die Wahlergebnisse seit 1971 auf einen Blick.
- Was sind die fünf wichtigsten Probleme der Schweiz? Diese Frage wird jedes Jahr rund tausend Stimmberechtigten gestellt. Hier sind die Ergebnisse.
- Noch mehr unserer vielseitigen Berichterstattung finden Sie hier.
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards