Heute in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Welche Redewendung gefällt Ihnen besser: "Wenn jeder für sich sorgt, ist für alle gesorgt." Oder "Einer für alle, alle für einen."? Und wie hält es die Regierung in Ihrem Land mit dieser Frage? Beteiligt sie sich an internationalen Lösungen oder gilt bei Ihnen "My Country first"?
Herzliche Grüsse aus Bern
Als Reaktion gegen den aufkeimenden nationalen Egoismus haben 60 Länder (darunter die Schweiz) am Rande der UNO-Generalversammlung eine «Allianz der Multilateralisten» gegründet. Diese will internationale Organisationen und eine auf Regeln basierende Weltordnung stärken.
Es gebe auch andere Modelle als «My Country first», sagte Deutschlands Aussenminister Heiko Maas in Anspielung auf Donald Trumps Devise. Maas gab sich überzeugt, dass es für globale Probleme globale Lösungen brauche.
Die Allianz würde auch einem Land wie den USA offenstehen, falls es sich für die Stärkung der internationalen Zusammenarbeit einsetzen würde, sagte Maas. Sie will sich für nukleare Abrüstung, Menschenrechte und den Kampf gegen den Klimawandel stark machen.
- Das erste Projekt der neu gegründeten Allianz betrifft die Schweiz und das IKRK besonders: Die Genfer Konventionen über das Kriegsvölkerrecht sollen gestärkt werden, berichtet der Korrespondent von SRFExterner Link.
- Er werde niemals «Switzerland First» sagen, erklärte Aussenminister Ignazio Cassis kürzlich in einem Interview mit swissinfo.ch-Chefredaktorin Larissa Bieler.
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Waren Sie schon einmal in einem Regenwald? Lange bevor das Wort in aller Munde war, lebte Bruno Manser von 1984 bis 1990 im Dschungel von Borneo und kämpfte gegen dessen Bedrohung. Auch Tomas Wüthrich reiste kürzlich dorthin, mit der Kamera. Seine Bilder erzählen ebenfalls vom Alltag einer bedrohten Existenz.
«Hallo Tomas, willst Du mit mir zu den Penan auf Borneo kommen?» – «Du meinst, dorthin, wo Bruno Manser verschwunden ist?» – «Ja, genau dorthin.» Der Anruf eines befreundeten Journalisten war der Anstoss für die Reisen des Berner Fotografen zum Volk der Penan in Sarawak in Borneo.
Er sei aber nicht der neue Bruno Manser, sagt Tomas Wüthrich über seinen berühmten Landsmann. Obwohl er dessen Engagement und unglaubliche Arbeit bewundert. «Mansers Verdienst ist, dass er die verschiedenen Stämme der Penan vereint und einen gemeinsamen Widerstand organisiert hat. Aber er hielt sich bewusst im Hintergrund», sagt Wüthrich.
Eine Auswahl von Wüthrichs Bildern, die er im Dschungel und in den Dörfern aufgenommen hat, zeigt der Fotograf im Buch «Doomed Paradise«, das er Anfang September in Bern präsentierte.
- Im Bericht meines Kollegen Luigi Jorio, der den Fotografen getroffen hat, finden Sie auch eindrückliche Bilder von Wüthrichs Begegnungen mit dem Urwald-Volk.
- Der neue Abenteuerfilm über den verschollenen Schweizer Aktivisten «Bruno Manser – die Stimme des Regenwaldes» eröffnet das diesjährige Zurich Film Festival. Ausschnitte und eine Würdigung finden Sie auf SRFExterner Link.
- «Während Greta Thunberg in kurzer Zeit zum Idol wurde, musste Manser jahrelang dafür kämpfen, dass man ihn überhaupt ernst nahm», schreibt der BlickExterner Link in einem Porträt mit dem Titel «Er war seiner Zeit voraus».
Viel mediale Energie geht derzeit ins Klima. Kaum ein Medium kommt an dem Thema vorbei. Sieben Seiten ihrer jüngsten Ausgabe widmet die Zeitung der Gewerkschaft Unia dem Kampf gegen die Erderwärmung. Als Blickfang dient ein Foto von 2007, auf dem 600 nackte Menschen auf dem grössten Schweizer Gletscher posieren. Und die Zeitschrift der reformierten Kirche berichtet auf der Frontseite über eine Klimakollekte.
Mit dieser Kollekte bietet die kirchliche Trägerschaft einen Kompensationsfonds für klimaschädigendes Verhalten. Wer sündigt, kann dafür bezahlen. 876’000 Euro wurden im letzten Jahr in die Klima-Kollekte eingezahlt.
So funktioniert der «Ablass-Handel»: Fliegen, Bahn fahren, heizen, drucken, essen: Viele Tätigkeiten belasten das Klima. Dafür bietet die Klima-Kollekte einen Rechner an, der aufzeigt, welche Menge CO₂ ausgestossen wird. In einem nächsten Schritt kann eine Zahlung von 23 Euro pro Tonne CO₂ getätigt werden.
Ein Beispiel: Für einen Retour-Flug von Zürich nach New York mit 12’ 618 Personenkilometern werden laut Rechner pro Person 3,84 Tonnen CO₂ freigesetzt. Dafür schlägt die Klima-Kollekte 97,15 Franken als Kompensationsbeitrag vor.
- Ob man Klimasünden mit Kollekten begleichen soll oder nicht, darüber ist sich die Redaktion der Zeitschrift reformiertExterner Link nicht einig.
- Die Gewerkschaftszeitung workExterner Link präsentiert, wie der ökosoziale Umbau für eine CO2-neutrale Schweiz bis 2030 machbar sei.
- Jedes Kind kennt inzwischen den Namen der berühmten schwedischen Umwelt-Aktivistin. Wie die Schweizer Greta heisst, erfahren sie bei swissinfo.ch. Mein Kollege Luigi Jorio hat sie getroffen.
Beschattung durch dubiose Gestalten, Verfolgungsjagd durch Zürich, Drohungen: Das sind ein paar Stichworte aus der Berichterstattung über der Streit zwischen dem CEO der Credit Suisse, Tidjane Thiam, und dem Banker Iqbal Kahn, der von der zweitgrössten und zur grössten Schweizer Bank wechselt. Die Geschichte sorgt auch heute für Schlagzeilen.
Letzte Woche war bekannt geworden, die Credit Suisse Iqbal Kahn von einer Detektei beschatten liess. Laut Medienberichte geschah dies, weil die CS befürchtete, der abtrünnige Banker könnte wichtige Mitarbeiter abwerben.
Laut Medienberichten hatte der Streit zwischen dem CS-Chef und seinem ehemaligen Untergebenen letzten Winter bei einem alkoholreichen Abend begonnen. Der Konzernchef habe einige Mitarbeiter bei sich zuhause zu einem Umtrunk in Herrliberg am Zürichsee eingeladen. Khan hat kurz vorher das Anwesen neben Thiams Villa bezogen.
Nächste Woche will die CS bekannt geben, was die Untersuchung des angeblichen «Detektiv-Skandals» ergeben hat. Der Ex-CS-Banker soll am Dienstag am UBS-Sitz in Zürich seine neue Stelle antreten. Dort übernimmt er die Co-Leitung der Sparte Global Wealth Management und wird Mitglied der Geschäftsleitung.
- Einige Medien im In- und Ausland zweifeln, ob Khan die neue Stelle am 1. Oktober tatsächlich antreten werde. Worauf sie sich bei ihren Spekulationen stützen, hat watson.chExterner Link zusammengetragen.
- Was über den Fall Kahn bisher bekannt ist, hat SRFExterner Link zusammengefasst.
- Oswald Grübel, der ehemalige Chef zuerst der CS und später der UBS, lässt sich in der Schweizer IllustriertenExterner Link zum Streit zwischen Thiam und Khan interviewen. (Paywall)
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Inklusive Test-Phase ist das nun bereits in etwa das fünfzigste Briefing, das wir verschickten. Dank Ihren Feedbacks konnten wir Fehler beheben und inhaltliche Anpassungen machen. Am meisten freuten wir uns über Ihre Antworten in den Q&A. Daraus sind zum Beispiel schon einige Kurz-Porträts über Auslandschweizer Clubs entstanden.
Die Q&A sind für uns der einfachste Weg, Ihren Puls zu spüren. Deshalb erlauben wir uns, Ihnen immer wieder Fragen zu den unterschiedlichsten Themen zu stellen. Aber auch Sie können in der App Ihre Fragen an die Community der Schweizerinnen und Schweizer im Ausland richten.
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Und noch zur Erinnerung: Am 20. Oktober wählen die Schweizer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger ihr neues Parlament. Ihre Stimme ist schon hart umkämpft.
Dabei geht es um die 200 Volksvertreterinnen und -vertreter im Nationalrat und die 46 Mitglieder des Ständerats (Genau genommen sind es deren 45: Der Kanton Appenzell Innerrhoden wählte seinen Standesvertreter bereits an der Landsgemeinde vom 28. April 2019).
Favoriten sind die Grünen, die Sozialdemokraten und die Grünliberalen – sie waren die Gewinner der letzten kantonalen Wahlen. Die Schweizerische Volkspartei dagegen, landesweit die stärkste Partei, musste auf Kantonsebene stark Federn lassen.
- Wir erklären in einem kurzen Video, wie die Parlamentswahlen ablaufen.
- Hier zeigen wir Ihnen die Wahlergebnisse seit 1971 auf einen Blick.
- Was sind die fünf wichtigsten Probleme der Schweiz? Diese Frage wird jedes Jahr rund tausend Stimmberechtigten gestellt. Hier sind die Ergebnisse.
- Noch mehr unserer vielseitigen Berichterstattung finden Sie in unserem Wahldossier.
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