Härtere Gangart der Bündner
Die Bündner Regierung fordert die Aufteilung der Transit-Verkehrslawine. Und: Lastwagen dürfen den San-Bernardino-Tunnel bald nur noch im Zwei-Stunden-Takt befahren.
Die vom Bund eingeleitete Aufteilung des Schwerverkehrs auf die Schweizer Transitachsen habe bisher nicht den gewünschten Erfolg gebracht, sagte Regierungsrat Stefan Engler am Mittwoch im Bündner Grossen Rat. Bis zum Wintereinbruch am letzten Freitag hätten konstant 3500 Lastwagen pro Tag die San-Bernardino-Route gewählt.
Zeit drängt
Die Regierung habe in den letzten Wochen deshalb wiederholt eine verbindliche Aufteilung des Schwerverkehrs auf die Schweizer Transitachsen verlangt. «Wir erwarten, dass der Bund entsprechende Massnahmen in den nächsten Tagen einleiten wird», sagte Engler.
Der Bund hatte Ende Oktober ein interkantonales Verkehrsleitsystem eingeführt. Elektronische Anzeigetafeln auf den Autobahnen signalisieren seitdem Umfahrungs-Möglichkeiten des Gotthards. Der Lastwagenverkehr auf der Bündner Nord-Süd-Achse hätte damit auf maximal 1600 Lastwagen pro Tag reduziert werden sollen.
Nur noch alle zwei Stunden
Um die Sicherheit auf der Bündner Transitroute in der Winterzeit zu gewährleisten, wird die Regierung zudem in den kommenden Tagen die Einbahnregelung für Lastwagen durch den San-Bernardino-Tunnel verschärfen. Laut Engler soll der Schwerverkehr nur noch alternierend alle zwei Stunden statt wie bisher zu jeder Stunde durch den Tunnel fahren dürfen.
Um Kolonnen von stehenden Lastwagen vor dem Nord- und Südportal zu vermeiden, sollen die Stauräume ausgeweitet werden. Von Süden her fahrende Lastwagen werden laut Engler in Zukunft bereits vor Mesocco aufgehalten.
Die Debatte im Grossen Rat ausgelöst hatte eine Dringliche Interpellation von Seiten der CVP. Vertreter aller bürgerlichen Parteien forderten Massnahmen, damit der Wintertourismus durch den Schwerverkehr nicht leide. Eine Sperrung der A13 für Lastwagen zur Weihnachtszeit lehnte Engler aus rechtlichen Gründen ab.
Mont Blanc nur kleiner Hoffnungsschimmer
Am Dienstag gaben die französische und italienische Regierung bekannt, dass der Mont Blanc-Tunnel am 22. Dezember für Personenwagen wieder geöffnet werde. Ob der Tunnel ab diesem Datum auch Lastwagen offen stehen wird, soll am 19. Dezember entschieden werden. Der Mont Blanc-Tunnel wurde im März 1999 nach einer Brandkatastrophe geschlossen, der 39 Menschen zum Opfer fielen.
Hinsichtlich der Wiedereröffnung sei übertriebener Optimismus allerdings fehl am Platz, warnt Michael Gehrken, Pressesprecher beim Bundesamt für Strassen: «Die Wiedereröffnung des Mont Blanc-Tunnels bedeutet nicht das Ende des Verkehrsproblems in Europa. Es muss eine gesamteuropäische Lösung gefunden werden.»
Der Anfang für eine derartige Lösung könnte ein für den nächsten Freitag anberaumte Ministertreffen darstellen. Auf Einladung des Schweizer Bundespräsidenten Moritz Leuenberger wollen die Verkehrsminister der Alpenländer, Belgiens und der EU in Zürich die Themen Güterschwerverkehr in Europa und Tunnelsicherheit diskutieren.
Ziel des Treffens sei es, eine gemeinsame Strategie festzulegen und diese schnell umzusetzen, wie das Eidgenössiche Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK) am Dienstag mitteilte.
SBB will Tourismus ankurbeln
Direkt betroffen vom Ausfall der Transitachse durch den Gotthard ist das Tessin. Befürchtet werden unter anderem massive Ausfälle im Tourismusbereich.
Die SBB versuchen nun mittels eines Spezialangebots unter dem Titel «All in drives Ticino» Reiselustige ins Tessin zu locken. Vorgesehen sind ermässigte Bahnfahrten in Kombination mit einem Autoverleih und verbilligten Hotelübernachtungen, wie die SBB am Mittwoch bekannt gaben.
swissinfo und Agenturen
In Übereinstimmung mit den JTI-Standards
Einen Überblick über die laufenden Debatten mit unseren Journalisten finden Sie hier. Machen Sie mit!
Wenn Sie eine Debatte über ein in diesem Artikel angesprochenes Thema beginnen oder sachliche Fehler melden möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an german@swissinfo.ch