Mehr Geld für die Berufsbildung
Der Nationalrat will mehr Bundesgelder in die Ausbildung junger Berufsleute fliessen lassen. Bundesrat und Bürgerliche sind unglücklich über das Ausmass der Finanzierung.
Die qualitativ hochstehende Berufsbildung hat in der Schweiz Tradition, sie ist ein wichtiger Eckpfeiler der Wirtschaft. Zwei Drittel aller Jugendlichen arbeiten während drei oder vier Jahren in einem Betrieb mit und besuchen regelmässig die Berufsschule. Praktische und theoretische Ausbildung gehen dabei Hand in Hand.
Altes Gesetz für neue Berufe
Das bisherige Berufsbildungs-Gesetz stammt aus dem Jahre 1978 und ist ganz auf die handwerklich-gewerblichen Berufe und den Handel ausgerichtet. Der Nationalrat, die grosse Kammer, will die Berufsbildung jetzt aufwerten, so dass sie auch mit modernen Computer-Berufen Schritt halten kann.
Darum haben die Parlamentarierinnen und Parlamentarier am Donnerstag mit 118 zu 0 dem Berufsbildungs-Gesetz zugestimmt. Die Bundesmittel für die Berufslehre können somit aufgestockt werden. Der Bundesrat hatte vorgesehen, den Bundesanteil von 18% auf 25% und damit auf 675 Millionen Franken jährlich zu erhöhen. Der Nationalrat beschloss jedoch mit 98 zu 74 Stimmen, den Anteil auf 27,5% respektive rund 700 Millionen Franken jährlich aufzustocken. Chiara Simoneschi (CVP) focht für das Geld: «Die Zeit ist gekommen, in die Jungen und in die Zukunft zu investieren.»
Bundesrat überstimmt
Bürgerliche Parteien und die Schweizer Regierung hätten es gerne gesehen, wenn die Angelegenheit weniger gekostet hätte.
FDP und SVP wollten die Erhöhung der Bundesausgaben auf 25% beschränken. Sie begründeten dies mit dem deutlichen Ja des Volkes zur Schuldenbremse am vergangenen Abstimmungssonntag.
Auch Bundesrat Pascal Couchepin wollte bei einem Viertel bleiben. Er befürchte, dass das Geld sonst in anderen Bildungsbereichen wie den Fachhochschulen, der ETH und der wissenschaftlichen Forschung fehlen werde.
Berufsbildungsfonds
Für Diskussion sorgten auch die Berufsbildungsfonds, die von den Branchen geschaffen werden sollen. Betriebe, die keine Lehrlinge ausbilden, sollen diese Fonds speisen. Die SVP war gegen eine solche finanzielle Verpflichtung der Branchen: Wer nur Lehrlinge ausbilde, um einer Geldstrafe zu entgehen, biete keine Gewähr für eine gute Ausbildung, sagte Hansruedi Wandfluh (SVP).
Die Parlaments-Kammer stimmte mit 126 zu 27 stimmen für die Möglichkeit solcher Branchenfonds, wollte sie aber nicht zwingend einführen.
Es bleibt bei fünf Ferienwochen
Paul Rechsteiner (SP) stellte den Antrag auf mindestens sechs Wochen Ferien pro Jahr für Lehrlinge, gegenüber heute fünf Wochen. Es gehe auch um eine Aufwertung der Berufslehre gegenüber Schülern und Gymnasiasten, welche 12 bis 13 Wochen Ferien hätten.
Bundesrat Pascal Couchepin bat darum, hier den Sozialpartnern die Wahl zu lassen. Das Gesetz solle die Entwicklung begleiten und nicht vorbestimmen. «Eine Woche Ferien heisst für einen Betrieb ein Interesse weniger, einen Ausbildungsplatz anzubieten.» Rechsteiners Antrag wurde in der Folge mit 82 zu 58 Stimmen abgelehnt.
Die Vorlage um das neue Berufsbildungs-Gesetz geht nun an den Ständerat, die kleine Kammer.
swissinfo und Agenturen
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