Kirche und Kondome: Ein Schritt vorwärts
Das UNO-Programm gegen Aids (UNAIDS) in Genf hat die Aussagen von Papst Benedikt XVI. zum Gebrauch von Kondomen gewürdigt. Dass das Oberhaupt der katholischen Kirche die Nutzung von Präservativen in Einzelfällen für erlaubt erklärt habe, sei ein Schritt vorwärts.
«Dieser entscheidende und positive Schritt nach vorn anerkennt, dass ein verantwortungsvolles Sexualverhalten und der Gebrauch von Kondomen eine wichtige Rolle bei der Vorbeugung von HIV spielen», heisst es in der am Sonntag in Genf veröffentlichten Erklärung von UNAIDS-Chef Michel Sidibe.
Er habe im Jahr 2009 weitreichende Diskussionen mit dem Vatikan zur Vorbeugung von HIV und Aids geführt, erklärte er. «Gemeinsam können wir eine Welt ohne neue HIV-Infektionen und ohne Diskriminierung schaffen.»
Benedikt XVI. hatte in Interviews, die am Mittwoch in Form eines Buches erscheinen, gesagt, wenn es darum gehe, die Ansteckungsgefahr mit dem HI-Virus zu verringern, könne der Einsatz von Kondomen in «begründeten Einzelfällen» erlaubt sein.
Als Beispiel für akzeptable Ausnahmefälle führt Benedikt männliche Prostituierte an, die die Ausbreitung von HIV verhindern wollten. In solchen Fällen könnte die Nutzung von Kondomen einen ersten Schritt in Richtung Verantwortungsübernahme darstellen, sagte der Papst.
Die Verwendung von Kondomen sei natürlich keine wirkliche und moralische Lösung. Doch ihr Gebrauch durch Prostituierte sei «ein erster Schritt zu einer Moralisierung» und könne helfen ein Bewusstsein zu entwickeln, «dass nicht alles gestattet ist und man nicht alles tun kann, was man will», so der Papst.
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