Die Woche in der Schweiz
Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland
Die Sondersession des Nationalrats hat während vier Tagen dieser Woche die Schlagzeilen geprägt. Es ging um die Pflegeberufe, eine Vereinheitlichung der Voraussetzungen zur Einbürgerung und die Anerkennung der Verfolgung von Jenischen und Sinti als Verbrechen gegen die Menschlichkeit.
Doch warum ist in den Medien auch von einer diplomatischen Krise zwischen der Schweiz und Italien die Rede?
Herzliche Grüsse aus Bern
Von Montag bis Donnerstag bestimmte die Sondersession des Nationalrats grösstenteils die Schlagzeilen in der Schweiz. Dabei fiel auf, wie stark politische Kompromisse an der Urne gefällte Volksentscheide verändern können.
Ein historischer Entscheid sticht diese Woche besonders heraus: Am Montag anerkannte der Rat die Verfolgung von Jenischen und Sinti als Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Damit benennt die Schweiz erstmals institutionelles Unrecht dieser Dimension im eigenen Land.
Trotz klarer Zustimmung des Stimmvolks zur Pflegeinitiative hat der Nationalrat am Dienstag zentrale Verbesserungen abgeschwächt. Arbeitszeiten bleiben weitgehend unangetastet, Zuschläge sollen reduziert werden. Der Spagat zwischen Volkswillen und Kostendruck wird sichtbar.
Die Demokratie-Initiative, über die der Nationalrat am Donnerstag debattierte, zielt ab auf eine schnellere Einbürgerung und einheitliche Regeln. So sollen die Voraussetzungen für den Erhalt des Bürgerrechts national vereinheitlicht und nicht mehr von den einzelnen Kantonen definiert werden. In der Debatte wurde auch die Frage gestellt, ob Schweizerinnen und Schweizer überhaupt die Einbürgerungsprüfungen bestehen würden. Der Nationalrat lehnte die Initiative ab, nun ist der Ständerat am Zug.
Ein Brand mit 41 Todesopfern, viele Fragen. Plötzlich steht nicht nur ein Clubbetreiber-Ehepaar im Fokus, sondern ein ganzes Land. Der Fall Crans-Montana zeigt, wie schnell ein Unglück zur diplomatischen Zerreissprobe werden kann.
Wie am Mittwoch bekannt wurde, tritt Italien erstmals als Staat als Zivilklägerin in einem Schweizer Strafverfahren auf. Dieser Schritt ist ungewöhnlich – und bewusst gewählt. Mit einer Schweizer Kanzlei will Rom direkt im hiesigen Rechtssystem aktiv werden und damit maximale Wirkung erzielen. Italien ist mit sechs der Todesopfer und etwa zehn Verletzten stark betroffen.
Italien habe «direkten Schaden» erlitten, habe es nach der Brandkatastrophe doch «erhebliche» Ressourcen aufbieten müssen. Der nationale Zivilschutzdienst sei für die medizinische, psychologische und logistische Unterstützung der betroffenen italienischen Staatsangehörigen aufgekommen, mit entsprechenden Kosten. Nun fordert Rom diese Aufwände zurück – ein heikler Präzedenzfall.
Am brisantesten ist der Vorwurf an die Behörden: Italien sieht ein mögliches Systemversagen im Kanton Wallis. Damit geht es nicht mehr nur um die Schuld einzelner Personen, sondern um das Vertrauen in die Schweizer Sicherheitsstandards insgesamt.
Gilt die Schweiz noch als Land der Fairness? Neue Daten zeigen: Das Bild bekommt Risse. Erstmals empfindet mehr als die Hälfte der Bevölkerung das System als ungerecht. Ein tiefer Graben zieht sich durch Gesellschaft, Justiz und Generationen.
Laut dem Gerechtigkeitsbarometer 2026 fühlen sich heute 51% der Bevölkerung ungerecht behandelt – ein massiver Anstieg seit 2024. Ausschlaggebend ist das Geld: Drei Viertel der Geringverdienenden empfinden das System als unfair. Steigende Fixkosten für Miete und Krankenkassen nagen am sozialen Frieden, während der Glaube an Leistung schwindet.
Das Institut gfs.bern führte die Umfrage im Auftrag des Beobachters durch. Dabei steht besonders die Justiz in der Kritik. 81% der Befragten halten hohe Prozesskosten für unfair: So wächst die Sorge, Gerechtigkeit sei käuflich geworden. Da finanzielle Hürden den Rechtsweg erschweren, wird der Zugang zum Recht zur Frage des Portemonnaies.
Zudem scheinen Generationen- und Geschlechterfragen die Schweiz zu spalten. Während die Jugend den Älteren mangelnde Nachhaltigkeit vorwirft, sehen diese das Problem kaum. Auch bei der Gleichstellung sehen Frauen Hürden, die Männer jedoch nicht. Eine positive Nachricht bleibt aber: Das Vertrauen in Demokratie und Freiheit gilt weiterhin als krisenresistent.
Zum Schluss eine Geschichte, die im Bundesamt für Polizei Fedpol noch für heisse Köpfe sorgen wird: Ein Beamter soll jahrelang Staatsgeheimnisse an die Drogenmafia verkauft haben.
Am Dienstagabend informierte das Fedpol die Presse: Am Morgen hatten Sicherheitsbeamte in den Kantonen Basel-Stadt und Basel-Landschaft wie auch im grenznahen Ausland in Frankreich und Deutschland zwölf Häuser durchsucht. Dabei wurden sechs Personen festgenommen. Darunter ist auch ein Mann, der im Bundessicherheitsdienst direkt für den Schutz des Bundesrats zuständig war.
Gemäss Medienberichten besass der Maulwurf Zugriff auf sensible Daten und Programme der höchsten Staatsgäste. Für die Informationen, die er an Drogenbanden verkauft haben soll, kassierte er wohl «erhebliche Summen», wie Watson schreibt.
Für Fachleute kommt dieser Fall nicht überraschend. Laut Jacqueline de Quattro, Präsidentin der Sicherheitspolitischen Kommission des Nationalrats, würden sie häufig gewarnt über Versuche krimineller Organisationen, jemand beim Fedpol oder in anderen Institutionen des Bundes einzuschleusen.
Die kommende Woche
Nach achtjähriger Untersuchung beginnt am Dienstag am Freiburger Wirtschaftsstrafgericht der Prozess gegen den gestrauchelten Weltraum-Unternehmer Pascal Jaussi, Gründer von Swiss Space Systems (S3). Ihm werden zwölf Delikte vorgeworfen, unter anderem Veruntreuung von Millionen. Er bestreitet die Vorwürfe und hält daran fest, er sei im August 2016 Opfer eines Angriffs geworden. Es gilt die Unschuldsvermutung.
Am Mittwoch werden im Vatikan die neuen Gardisten der Schweizergarde vereidigt. Nach zwei Monaten Grundausbildung in der Schweiz werden sie nun zwei Jahre Dienst im Vatikan leisten. Das älteste Militärkorps der Welt besteht bereits seit 1506. Die Männer in ihren traditionellen Uniformen schützen den Papst und wachen über den Vatikan. Zur Vereidigung wird auch Bundespräsident Guy Parmelin nach Rom reisen – und dort gleich mit Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella die Crans-Montana Wogen zu glätten versuchen.
Am Sonntag, 10. Mai, kommt es zu einem Schweizer Sport-Highlight: In Buochs, Kanton Nidwalden, wird Ski-Gesamtweltcupsieger Marco Odermatt offiziell für seine Leistungen in dieser Wintersaison geehrt. Der 28-jährige fünffache «Schweizer Sportler des Jahres» hat die grosse Kristallkugel für den Gesamtweltcup ebenfalls bereits zum fünften Mal geholt.
Da in Zürich im ersten Wahlgang vom 8. März keiner seiner Konkurrenten ums Stadtpräsidium in die Stadtregierung gewählt wurde, steht am Sonntag Raphael Golta von der Sozialdemokratischen Partei (SP) als einziger Kandidat auf den Wahlzetteln. Er wird demnach Nachfolger von Stadtpräsidentin Corine Mauch, welche die Geschicke der grössten Schweizer Stadt 17 Jahre lang geleitet hat.
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