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Heute in der Schweiz

Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland

Welche Lehren sollten wir aus der Corona-Pandemie ziehen? Laut Avenir Suisse ist De-Globalisierung keine Lösung. Was finden Sie, liebe Schweizer und Schweizerinnen, die im Ausland leben?

Herzliche Grüsse aus Lyss

Avenir Suisse hat gestern Nachmittag eine Studie über die wirtschafts- und gesundheitspolitischen Lehren aus der Corona-Pandemie publiziert. Der liberale Thinktank setzt weiterhin auf Globalisierung statt Selbstversorgung und fürchtet eine Re-Nationalisierung.

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Während der Coronavirus-Krise kam es zu blockierten Importen von medizinischem Schutzmaterial. Deshalb fordern manche Stimmen eine Rückverlagerung der Produktionsstätten in die Schweiz oder allgemein eine De-Globalisierung. Avenir Suisse lehnt das ab. Bei einer Re-Nationalisierungsstrategie hätte die Schweiz viel zu verlieren, so der Thinktank.

«Mit einer Aussenhandelsquote von 96% ist die internationale Verflechtung Grundlage des hiesigen Wohlstands», behaupten die Studienautoren, die zur Vermeidung zukünftiger Mangellagen auf das Prinzip Versorgungssicherheit statt Selbstversorgung setzen. Versorgungssicherheit erreiche man am besten durch Diversifizierung der Bezugsquellen.

Laut Avenir Suisse sind aus der Pandemie zudem folgende Lehren zu ziehen: Die Schweiz solle sich für den Multilateralismus einsetzen, unilateral Schweizer Zölle abschaffen, auf Investitionskontrollen verzichten, mit der EU ein Gesundheitsabkommen schliessen, die Personenfreizügigkeit sicherstellen und die Pflichtlagerbewirtschaftung optimieren.

Am Wochenende wurde in der Steinenvorstadt, einer Basler Ausgehmeile, kräftig gefeiert – dicht an dicht. Auch in anderen Schweizer Städten herrschte Partylaune. Das macht den Behörden Sorgen.

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Der Corona-Krisenmanager des Bundes sagte, falls es wegen Partys zu Neuansteckungen kommen sollte, müssten die Behörden einschreiten. Schlimmstenfalls müsse man solche Orte schliessen. Die Leute gingen ein unnötiges Risiko ein.

Der Basler Polizeidirektor schloss im Gespräch mit SRF temporäre Absperrungen von gewissen Brennpunkten nicht aus. Der Basler Gesundheitsdirektor sagte, die Behörden müssten mit den Wirten und Wirtinnen über bauliche und organisatorische Massnahmen sprechen. Wenn das nicht klappe, müssten die Betriebe geschlossen werden.

Die NZZ konstatiert, die Disziplin bei der Bevölkerung scheine nachzulassen. Dabei sei das Verhalten der Bevölkerung gemäss Bundesamt für Gesundheit entscheidend, um das Virus einzudämmen. «Die Trunkenheit langer Mai-Nächte ist dafür eine harte Probe», so die NZZ.

Altersheim
Keystone / Laurent Gillieron

Gemäss einer Tamedia-Recherche bei den Kantonen ereigneten sich 53% der Corona-Todesfälle in Alters- und Pflegeheimen. Dort habe sich das Virus besonders ausbreiten können.

Von 1753 Covid-19-Todesfällen in der Schweiz ereignete sich der grösste Teil in Alters- und Pflegeheimen, so eine Berechnung von Tamedia. Im Kanton Zürich seien von 127 Todesfällen insgesamt 81 auf Bewohner in Altersresidenzen gefallen, also 64 Prozent.

Für die Berechnung fragte Tamedia bei den Kantonen nach, denn das Bundesamt für Gesundheit (BAG) erfasst diese Fälle nicht zentral. 18 Kantone lieferten Angaben, welche 94% der Corona-Todesfälle in der Schweiz verzeichneten. Die meisten Kantone geben in den Statistiken nicht an, wie viele Altersheimbewohner ins Spital verlegt wurden und dort verstarben. Die Zahl der verstorbenen Altersheimbewohner dürfte deshalb noch höher liegen.

Meine Kollegin Katy Romy sprach mit Bewohnerinnen und Bewohnern von Altersheimen über ihre Situation. Diese leiden unter Einsamkeit. Besuche sind zwar unter strengen Bedingungen wieder möglich, aber der Weg zurück zur Normalität ist noch lang.

Formular
Christof Schuerpf

Die Schweizerische Konferenz für Sozialhilfe (Skos) rechnet mit massiv mehr Sozialhilfebezügern – wegen der Corona-Pandemie. Besonders betroffen sind kleine Selbstständigerwerbende.

Je nach Szenario könnten laut Skos bis zu 60’000 Personen neu Sozialhilfe benötigen. Auf Gemeinden und Kantone könnten wegen der Pandemie Mehrkosten von 850 Millionen bis 1,3 Milliarden Franken zukommen.

Heute leben 270’000 Menschen von Sozialhilfe. Diese erhält man, wenn die Arbeitslosenunterstützung nach zwei Jahren ausläuft und allfälliges Vermögen aufgebraucht ist.

Laut der Skos bezogen Ende April 1,91 Millionen Personen Kurzarbeitsentschädigung, 153’000 Personen Arbeitslosentaggelder und rund 200’000 Menschen Erwerbsersatzentschädigung. 45 Prozent der 5,1 Millionen Erwerbstätigen erhalten also in irgendeiner Form Unterstützung.

Ein Paar
Didier Mittaz

Auslandschweizer und Auslandschweizerinnen berichten uns von der Situation in Brasilien. Die Lage ist dramatisch: Am 18. Mai verzeichnete Brasilien offiziell 230’000 Fälle und überschritt die Schwelle von 15’000 Todesfällen.

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro spielte das Coronavirus zu Beginn der Krise herunter. Deshalb ergriffen die Gouverneure einzelner Bundesstaaten die Führung. Im Bundesstaat Rio «sahen wir die Probleme bereits Anfang März kommen», erzählt Marcio Folly, ein im Norden der Region lebender schweizerisch-brasilianischer Doppelbürger, swissinfo.ch.

Die Pensionäre Ana und André leben im Bundesstaat Minas Gerais. Auch dort rief der Gouverneur rasch den Ausnahmezustand aus und verhängte Massnahmen sowie Ausgangsbeschränkungen und Social Distancing.

Der Schweizer Didier Mittaz, der im kleinen Bundesstaat Alagoas im Osten des Landes lebt, findet deutliche Worte über die politische Klasse in Brasilien: «Hier sind die Politiker da, um das Volk zu berauben, nicht um zu regieren.»

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