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Teil des Gemäldes der Schlacht von Murten

Heute in der Schweiz

Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland

Angenommen, Sie sitzen in einem Kriegsgebiet fest, wie viel Unterstützung würden Sie von Ihrer Regierung erwarten, um Sie dort rauszuholen?

Schweizer Aussenminister Cassis und ein Flugzeug
© Keystone / Peter Schneider

Das Schweizer Aussenministerium koordiniert im Sudan, evakuiert selbst aber nicht.

Während das Schweizer Botschaftspersonal sicher aus dem Sudan evakuiert werden konnte, bemüht sich das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) weiterhin um die im Land festsitzenden Schweizer Bürgerinnen und Bürger. Am Montag teilte das Departement mit, dass rund 30 Personen den Wunsch geäussert hätten, das Land zu verlassen, was rund einem Viertel aller im Sudan registrierten Schweizerinnen und Schweizer entspricht.

Vier von ihnen konnten gestern Abend ausreisen – mit von Deutschland und den Niederlanden organisierten Flugzeugen. Für die übrigen ist die Situation unklar. Laut dem Aussendepartement ist die Situation für sudanesisch-schweizerische Doppelbürgerinnen und -bürger besonders kompliziert, da sie ein Ausreisevisum benötigen.

Und tut das Aussendepartement genug? Einer der Geflohenen sagte heute gegenüber dem Tages-Anzeiger, er habe das Gefühl, Bern sei «in dieser Krise relativ abwesend». Der Schweiz-Belgier und seine Frau hatten sich eine Woche lang in ihrer Wohnung in Khartum verschanzt (und zur Entspannung Fondue gegessen), bevor sie mit einem deutschen Flugzeug ausreisten. Während dieser Zeit habe er nur sporadischen Kontakt mit den Schweizer Behörden gehabt.

Ein anderer Bürger, der als Rucksacktourist im Nordsudan unterwegs war, sagte RTS, er habe viel Kontakt mit dem Aussenministerium gehabt, aber «es hat nicht viel geholfen». Inzwischen habe er das Land auf eigene Faust verlassen können.

Doch erwarten die Menschen zu viel von ihrer Regierung, wenn es im Ausland kriselt? Vor allem, wenn es sich um ein kleines (wenn auch reiches) Land wie die Schweiz handelt? Das EDA erklärte gegenüber dem Tagi, dass «die Mittel und rechtlichen Rahmenbedingungen in Krisensituationen von Land zu Land unterschiedlich und nicht vergleichbar sind».

Dass man sich bei der Organisation von Evakuierungen auf Freunde verlässt, liegt nicht nur an der Untätigkeit des Aussendepartements, sondern auch an der Politik: Mehrere parlamentarische Vorstösse für den Kauf eines Schweizer Militärflugzeugs für Evakuierungen wurden in den letzten Jahren abgelehnt, berichtet SRF.

Teil des Gemäldes der Schlacht von Murten
Keystone/cyril Zingaro

Verpixeltes Gemälde: Schweizer Projekt für das grösste digitale Kunstwerk der Welt.

Das mag nicht revolutionär klingen: Ein Projekt will das riesige Gemälde «Schlacht bei Murten» (100×10 Meter) digitalisieren. Das Ergebnis sei «das grösste digitale Bild eines einzelnen Objekts, das je geschaffen wurde», teilte die Eidgenössische Technische Hochschule Lausanne (EPFL) gestern mit.

Doch es geht um mehr als das blosse Abfotografieren eines riesigen Objekts. Das Werk des deutschen Künstlers Louis Braun aus dem Jahr 1893, das die Schlacht von 1476 in der Nähe von Bern darstellt, wird von einer speziell montierten mobilen Kamera gescannt, die zwei Monate lang 127’000 Bilder des Werks aufnehmen wird.

Die so gewonnenen Daten werden in ein «interaktives und immersives» digitales Erlebnis eingespeist, das «eine unvergleichliche Betrachtung ermöglicht, besonders mit der Möglichkeit, über das hinaus zu zoomen, was das Auge sehen kann«, schreibt die Zeitung Le Courrier heute.

Und warum das alles? Vor allem aus historischen Gründen, wie eine Expertin der EPFL gegenüber der Zeitung sagt. Das Gemälde ist ein wichtiger Teil des Schweizer Kulturerbes und eines von nur einem Dutzend historischer Panoramen aus dem 19. Jahrhundert. Im Hinblick auf den 550. Jahrestag der Schlacht wird die digitale Version das Gemälde weltweit zugänglich machen.

Zwei Monate Konservierungsarbeiten gingen der aktuellen Digitalisierung voraus, die 2024 abgeschlossen sein soll: Interessanterweise wird der gesamte Prozess ungefähr so lange dauern, wie Braun und sein Team für das Gemälde 1893 gebraucht haben – zehn Monate. So viel zum Fortschritt!

Schlange am Flughafen ZRH
© Keystone / Ennio Leanza

Wenn das Boarding zur Qual wird: Wenig Personal und lange Warteschlangen am Flughafen Zürich.

Vor Covid-19 war der Flughafen Zürich – der grösste der Schweiz – nach den begrenzten Erfahrungen dieses Journalisten ein sehr angenehmer Ort: ruhig, sauber und manchmal sogar überbesetzt, so dass die Warteschlangen vor den Sicherheitsschleusen nur wenige Minuten dauerten. Nicht umsonst wurde «ZRH» 18 (!) Jahre in Folge zum besten Flughafen Europas gewählt.

Das scheint sich geändert zu haben. Und die Situation wird nicht besser, schreibt 20 Minuten heute. Laut den Fotos, die ein «Leserreporter» geschickt hat, war der Flughafen gestern wieder Schauplatz von Warteschlangen, die fast bis zum Ausgang reichten.

«So etwas habe ich noch nie erlebt, und ich fliege wirklich viel», klagte der «News Scout». Der Engpass ereignete sich während der morgendlichen Rushhour zwischen 6.30 und 7.30 Uhr. Auch während der Osterferien habe es Schwierigkeiten gegeben, schreibt die Zeitung.

Als Grund nennt 20 Minuten Personalmangel – es gebe einfach nicht genügend Flughafen- und Polizeipersonal, um die Organisation und Sicherheit zu gewährleisten. Das Schreckgespenst des Personalmangels ist in der Schweiz in der Tat ein heisses Thema und betrifft verschiedene Branchen, darunter auch das Gastgewerbe.

Zu Beginn dieser Woche hat der Schweizerische Arbeitgeberverband sogar einen Acht-Punkte-Plan veröffentlicht, um dem Trend entgegenzuwirken, wobei die wichtigste Massnahme das etwas einfallslose «Mehr arbeiten» ist! Könnte im Fall des Flughafens Zürich auch ein «Weniger fliegen» eine Option sein?

Schweizer Mann als Kind und als Zwangsarbeiter in Nazideutschland
Archiv für Zeitgeschichte der ETH Zürich

Und noch eine interessante News in letzter Minute!

An seiner heutigen Sitzung hat der Bundesrat einen Antrag zur Realisierung einer Gedenkstätte für die Opfer des Nationalsozialismus in der Stadt Bern bewilligt. Das Budget dafür beträgt 2,5 Millionen Franken.

Die Auslandschweizer-Organisation (ASO), Mitinitiantin des Projekts, begrüsst den Entscheid, «mit dem der Bundesrat der Erinnerungspflicht unseres Landes gegenüber den Opfern des Nationalsozialismus
entspricht», wie sie heute schreibt.

Die ASO hatte bereits seit 2018 eine solche Gedenkstätte gefordert. «Über 1000 Menschen mit Bezug zur Schweiz erlebten den Schrecken der nationalsozialistischen Konzentrationslager, darunter zahlreiche Auslandschweizer:innen», heisst es in der Mitteilung.

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Gastgeber/Gastgeberin Emilie Ridard

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Übertragung aus dem Englischen: Christian Raaflaub

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