Heute in der Schweiz
Liebe Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer
Oft geht vergessen, dass Ausländerinnen und Ausländer häufiger Opfer von Gewalttaten werden. Die Gründe sind naheliegend, aber werden kaum zu Kenntnis genommen.
Freundliche Grüsse aus Bern
Ausländer:innen sind in der Schweiz überproportional von Gewalt betroffen.
Kürzlich wurden die neuesten Zahlen zu Straftaten publiziert, es gab eine Zunahme. In der Politik und in den Medien wurde die Überrepräsentation von ausländischen Beschuldigten thematisiert. Weniger wird jedoch angesprochen, wer genau die Opfer sind.
In einer Analyse zeigt der Tages-Anzeiger, dass es auch Ausländerinnen und Ausländer sind, die überproportional betroffen sind. Das erstaunt nicht, denn die Gleichung ist einfach: Je prekärer die Lebensumstände, desto anfälliger für Gewalt und Straftaten.
Es ist schon lange bekannt, dass sozioökonomische Faktoren entscheidend sind, aber bekanntlich lässt sich mit simplen Schuldzuweisungen einfacher Politik betreiben. Der Kriminologe Dirk Baier fasst es im Text so zusammen: «Erstens sind nie nur Ausländer für Kriminalitätsveränderungen verantwortlich. Zweitens hat das Ausländersein nichts mit Kriminalität zu tun; es sind immer soziale und persönliche Umstände, die Kriminalität verursachen.»
- Hier geht esExterner Link zum Artikel im Tages-Anzeiger. (Paywall)
- Auf Blue News findet sich eine ZusammenfassungExterner Link der Analyse.
Schweizer Politiker:innen weiterhin skeptisch gegenüber der UNRWA.
Das UNO-Hilfswerk für Palästinaflüchtlinge UNRWA steht unter Beschuss. Zeitgleich mit der Klage gegen Israel vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag warf die israelische Regierung der Organisation vor, dass Personal von ihr am Terrorangriff vom 7. Oktober teilgenommen habe. Daraufhin stellten viele Staaten ihre Finanzierung ein.
Das tat auch die Schweiz. Seither ist der UNRWA-Direktor Philippe Lazzarini ständig unterwegs, um die Organisation vor dem finanziellen Kollaps zu bewahren – die hungerleidende Zivilbevölkerung Gazas wird zu einem grossen Teil von ihr mit Nahrung versorgt.
Der Schweizer Lazzarini war gestern in Genf, wo er sich mit Mitgliedern der Aussenpolitischen Kommission traf. Diese konsultiert verschiedene Akteure, um zu entscheiden, ob die Gelder freigegeben werden. Laut Presseberichten schlug ihm viel Skepsis entgegen. Die Schweiz gehört mit 20 Millionen Dollar jährlich zu den zehn grössten wichtigsten Geldgebern der UNO-Organisation.
- Hier der BerichtExterner Link des Tages-Anzeigers. (Paywall)
- Philippe Lazzarini hat Radio SRF ein Interview gegebenExterner Link.
- Vor rund einem Jahr sprach ich mit Lazzarini – er wies damals auf strukturelle Finanzprobleme der Organisation hin.
Die Junge SVP und ihre Nähe zum Rechtsextremismus.
«Wir müssen ehrlich sein und anerkennen, dass die Junge Tat inhaltlich die exakt gleichen Inhalte anspricht wie wir«, schrieb der Präsident der Jungen SVP Aargau in einem internen Chat, der im Oktober veröffentlicht wurde. Die Junge Tat ist eine rechtsextreme Gruppierung, die der Nachrichtendienst als eine Gruppe mit «erhöhtem Gewaltpotenzial» bezeichnet hat.
Das hat innerhalb der Jugendpartei der nationalkonservativen SVP zu Streit geführt, nicht alle sind mit damit einverstanden. Rechts ja, aber rechtsextrem? Die Junge Tat streut Verschwörungstheorien über einen «Bevölkerungsaustausch», fabuliert über «Remigration» und hat offen rassistisches Vokabular.
Eine klare Abgrenzung hat es von der Leitung bisher nicht gegeben, man diskutiere solche Belange intern aus, hiess es. Angeführt wird die JSVP vom Präsidenten Nils Fiechter und der Strategiechefin Sarah Regez (die beiden sind auch privat ein Paar). In welche Richtung es geht, wird sich weisen. Fiechter seinerseits wurde bekannt, als er wegen Rassendiskriminierung verurteilt wurde.
- Hier geht es zum ArtikelExterner Link des Tages-Anzeigers.
- Die NZZ am SonntagExterner Link mit einem Hintergrundbericht. (Paywall)
Unsere Frage an Sie: Antworten und ein neuer Beitrag.
Wie letzten Mittwoch angekündigt, werden wir Ihnen einmal wöchentlich eine Frage stellen. Letzte Woche lautete sie: Welche Möglichkeiten sehen Sie, Drogenabhängigkeit zu bekämpfen? Wir haben folgende zwei Antworten ausgewählt, um sie hier zu präsentieren:
Antwort 1 von Nina K. :
Meiner Meinung nach kann mit Aufklärung viel erreicht werden, ähnlich wie das in Bezug auf Trinkverhalten und Rauchen auch gehandhabt wird. Niemand *will* drogenabhängig sein (Proxy-Vorteile so als mehr Aufmerksamkeit oder Status ausgeschlossen).
Im Zeitalter schnellen und unter anderem oft nicht wahrheitsgemässes Informationstranfers, ist es umso wichtiger, transparente Quellen, wissenschaftliche Befunde und Erfahrungsberichte zugänglich zu machen für die entsprechenden Zielgruppen.
Antwort 2 von Marcel V. :
Klassisch ist die Dreifaltigkeit: Prävention, Repression und Substitution.
Wobei letzteres, die kontrolliere Abgabe von Ersatzprodukten, eine Schweizer Erfindung ist, auf die man stolz zu sein scheint. Weil sie die Sichtbarkeit stark reduziert, ist sie in der Gesellschaft breit akzeptiert.
Ich frage mich jedoch, ist dass wirklich so ein Erfolgsmodell? «aus den Augen, aus dem Sinn»
Die Schweiz liebt pragmatische Lösungen. Aber man muss leider mehrere wichtige Entwicklungen feststellen:
– Abnahme des gesellschaftlichen Zusammenhaltes. Insbesondere der Kompromissfähigkeit und gegenseitiger Toleranz.
– Zunahme von persönlichen Drucksituationen im Privat – und Berufsleben.
– Der in letzter Zeit stattfindende und durch internationale Umfragen belegte Rückgang an Zufriedenheit und Glück.
Mir stellt sich darum die Frage, müsste man nicht vor allem da energisch nach Lösungen suchen? Ich meine einem Teil der Suchtmotive würde damit die Grundlage entzogen. Gepaart mit den eingangs erwähnten Massnahmen würde man zwar nicht die utopische Suchtfreiheit erlangen, aber vielleicht doch eine deutliche Verbesserung gegenüber heute.
Die neue Frage lautet nun: Grossbank UBS – was sehen Sie für Chancen und Gefahren? Uns interessiert Ihre Antwort, schreiben Sie uns auf community-feedback@swissinfo.ch. Wir werden aus den eingesandten Antworten einige auswählen und eine Woche später im Briefing veröffentlichen.
- Braucht die Schweiz eine globale Grossbank? Mein Kollege Matthew Allen hat sich dieser Frage angenommen.
- Eine Rekonstruktion der Rettung der Credit Suisse von letztem Jahr – es ist noch immer eine ansprechende und haarsträubende Lektüre.
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