Heute in der Schweiz
Liebe Auslandschweizerinnen und Auslandschweizer
In den Sommerferien bleibe ich gern zuhause und geniesse die Ruhe im Quartier. Doch das Reisefieber packt mich trotzdem. Gepackt hat es vor 130 Jahren auch die Bauerntochter Lina Bögli, die allein zehn Jahre lang um die Welt reiste und zur ersten Schweizer Reiseschriftstellerin wurde.
Herzliche Grüsse aus Bern
Eine Schweizer Pionierin in der weiten Welt: Die Geschichte von Lina Bögli.
Ihr Weg war vorbestimmt: 1858 als Tochter eines Schweizer Kleinbauern geboren, hätte sie ein Leben als Dienstmädchen oder Magd erwartet. Doch Lina Bögli wollte hinaus in die Welt und wurde zur ersten Schweizer Reiseschriftstellerin.
Mit 17 Jahren arbeitete sie in Polen als Kindermädchen für eine Adelsfamilie. Nach getaner Arbeit durfte sie im Salon den Geschichten aus fernen Ländern lauschen, Literatur geniessen und vor allem ihre Arbeitgeberfamilie so viel fragen, wie sie wollte. Mit dem gesparten Geld aus Polen besuchte sie die «Ecole supérieure» in Neuenburg, wo sie zur Lehrerin ausgebildet wurde.
Mit dem Diplom und wenig Geld im Sack brach sie auf und reiste zehn Jahre allein um die Welt: Mit dem Dampfschiff von Brindisi nach Sydney, nach Neuseeland, Samoa, Hawaii, in die USA und nach Kanada. Ihre Erlebnisse hat sie aufgeschrieben und 1904 unter dem Titel «Forward» (Deutsch: Vorwärts) veröffentlicht; ein Bestseller. Auch ihre zweite grosse Reise nach Asien mündete in einem Buch. Bögli war eine Pionierin, die auch nach ihrer Rückkehr in die Schweiz für Auswanderungsfreudige eine gefragte Auskunftsperson war.
- Eine Frau von Welt – Bericht von SRFExterner Link und der Beitrag in der «Zeitblende».
- Annemarie Schwarzenbach ist eine andere Schweizerin, die zu einer Zeit in der Welt unterwegs war, als das Reisen mehrheitlich den Männern vorbehalten war. Ihre Geschichte und ihr Weg unterscheiden sich jedoch von der Böglis. Ihre Reisen seien ein «Ausbruch, und zwar ein missglückter Ausbruch» gewesen, sagt Historikerin Heidi Witzig. Hier in der NZZ finden Sie einen Artikel über Schwarzenbachs ReiseExterner Link in einem Ford von Genf nach Kabul.
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Ein typisches Schweizer WC ist zuverlässig, präzis und dicht: Die Firma Geberit wird 150 Jahre alt.
Hatten Sie schon mal beim Benutzen eines WCs Heimatgefühle? Vielleicht wohnen Sie in einem der Länder, in dem auch ausserhalb der Schweiz Geberit WCs zu finden sind. «Als Schweizer ist es ein Stück Heimat, wenn man irgendwo auf der Welt auf einer Geberit-Toilette sitzt«, sagt CEO Christian Buhl in einem Interview in der NZZ.
Die Schweizer Traditionsfirma Geberit wird 150 Jahre alt. 1874 als Spenglereibetrieb in Jona gegründet, folgte 1905 der Durchbruch, als Gründer Albert Gebert kurz vor seinem Tod einen neuen Spülkasten entwickelte. Im Gegensatz zu den damals holzigen Modellen war er mit Blei ausgekleidet und dadurch wesentlich dichter. 1952 stellte die Firma auf Kunststoff um, das «it» am Ende des Namens stammt ebenfalls aus dieser Zeit, es galt damals als modern.
Um erfolgreich zu bleiben, dürfe man sich nicht zurücklehnen, sagt Buhl. Geberit versucht immer wieder, neue WCs einzuführen. Doch das ist nicht so einfach. Das Thermoclos war ein gasbetriebenes Feuerklosett, das Fäkalien in Dampf und Asche verwandelte. Es wurde zum Flop, unter anderem, weil es «unglaublich gestunken» hat. Auch mit dem Dusch-WC können sich die Schweizer:innen immer noch nicht wirklich anfreunden.
- Warum selbst Elon Musk Mühe hätte, in der Schweiz ein neues WC zu lancieren, erfahren Sie hier im Interview der NZZExterner Link.
- Der Stewi – ein anderes Schweizer Traditionsprodukt – geriet letztes Jahr ins Straucheln und wurde in letzter Sekunde gerettet: Artikel von SRFExterner Link.
Hülsenfrüchte aus der Schweiz: Gelingt so der Umstieg vom Fleisch auf eine ökologischere Ernährung und Landwirtschaft?
Es fühlt sich gerade nicht so an, doch auch in der Schweiz werden die Sommer heisser und trockener. Dieses Klima eignet sich gut für den Anbau von Hülsenfrüchten. Meine Kollegin Sara Ibrahim war auf einem Hof im Zürcher Oberland, wo Landwirt Stephan Gysi mit Hülsenfrüchten experimentiert.
Die Linsen wachsen dort nicht nur wegen des Klimawandels, sie sollen auch dazu beitragen, ihn zu verlangsamen. Eine Studie hat gezeigt, dass der Anbau von Hülsenfrüchten auf Flächen, die für Tierfutter verwendet werden, mehr Menschen pro Hektar ernähren und die Umweltkosten senken könnte.
Gysi ist stolz auf seine Linsen und Kichererbsen. Würden mehr Hülsenfrüchte angebaut, könnten sie den Eiweissbedarf der Schweiz decken. Doch Fleischkonsument:innen zum Umsteigen auf Linsen und Kichererbsen zu überzeugen, ist eine schwierige Aufgabe. Und für die Landwirt:innen haben auch die Wahl der richtigen Sorte, die Ernte und das Trocknen ihre Tücken.
- Lesen Sie hier, was die Herausforderung und Vorteile beim Anbau von Hülsenfrüchten in der Schweiz sind – Artikel von SWI swissinfo.ch.
- Wenn die Schweiz ihre Klimaziele bis 2050 erreichen will, muss weniger Fleisch auf den Teller kommen. Wie das gelingen könnte, lesen Sie in unserem Artikel.
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Traumauto VW-Bus: Die Schweiz ist zur Campingnation geworden.
Zum Schluss geht es nochmals ums Thema Reisen: Wissen Sie, welches Auto momentan bei den Schweizer:innen am begehrtesten ist? Die Suchanfragen bei den Auto-Plattformen verraten es: Es ist der Campingbus, allen voran der VW-Bus.
Spätestens seit der Pandemie ist der Wunsch nach Vanlife – frei einfach drauflosfahren und im Idealfall schöne Bilder in den Sozialen Medien posten – sehr gross geworden. Auch die Amag AG, die Generalimporteurin von VW in der Schweiz war überrascht. «Zu Spitzenzeiten gingen 17 Prozent der weltweiten Produktion der VW-Camper in die Schweiz«, sagt ein Autoverkäufer.
Auch die Campingplätze spüren den Boom, die Logiernächte haben sich innert zehn Jahren verdoppelt. Doch viele suchen eben mit dem Büssli die grosse Freiheit und stellen ihren Camper gern dort ab, wo es am schönsten ist. Wildcampen ist jedoch in den meisten Kantonen verboten. Oberhalb der Baumgrenze gilt dieses Verbot jedoch nicht, dort werden in der Hochsaison Parkplätze zu Hotspots, sodass die Gemeinden mit Bussen gegen Littering vorgehen müssen.
- Das Campingfieber hat die Schweiz endgültig erreicht – Artikel von SRFExterner Link.
- Wenn der VW-Bus zum Familienmitglied wird – Artikel von SRFExterner Link.
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