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Heute in der Schweiz

Liebe Schweizerinnen und Schweizer im Ausland

So beunruhigend die Invasion fremder Muscheln in den Schweizer Seen auch sein mag, die Aufmerksamkeit der Schweizer Presse richtet sich heute vor allem auf ein anderes Thema. Denn der Schicksalstag ist gekommen: Heute sind die von der Trump-Administration beschlossenen Zölle in Kraft getreten und stürzen Unternehmen auf der ganzen Welt in ein Klima der Unsicherheit.

Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen bei der Lektüre Ihres Briefings

Einige Menschen an einem grossen Sitzungstisch
Der Bundesrat tagte heute in einer Sondersitzung in Neuenburg. Keystone / Anthony Anex

Heute um 6.01 Uhr sind die von der Trump-Administration beschlossenen Zölle von 31% auf Schweizer Importe in die USA in Kraft getreten. Das sind die höchsten Zölle in Europa. Ausgenommen sind zumindest vorerst Schweizer Exporte von Gold und pharmazeutischen Produkten.

«Wir müssen einen kühlen Kopf bewahren», sagte Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter in Neuenburg. Die Regierung traf sich in dieser Hochburg der Uhrenindustrie, die von der neuen US-Zollpolitik besonders betroffen ist, heute zu einer Sondersitzung. «Wir arbeiten daran und werden alles daransetzen, dass das nicht so bleibt», sagte Wirtschaftsminister Guy Parmelin.

Die Regierung hat angekündigt, eine spezielle Struktur für die Beziehungen mit Washington zu schaffen, um die Situation zu bewältigen. An der Spitze steht Botschafter Gabriel Lüchiger, Chef der Direktion für internationale Sicherheit im Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten.

Der Wirtschaftsdachverband Economiesuisse spricht unterdessen von einem Klima der Unsicherheit. Fast die Hälfte der rund hundert befragten Unternehmen gibt an, stark oder sehr stark von den Zöllen betroffen zu sein, die, wie der Dachverband betont, «die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen untergraben».

Zu den jüngsten Kritikern des US-Entscheids gehört UBS-Verwaltungsratspräsident Sergio Ermotti. «Ich hätte nie gedacht, dass das so ausser Kontrolle gerät» sagte er auf einer Versammlung der Zürcher FDP. «Diese Unsicherheit wird bleiben», fügte er hinzu und betonte, dass «die Wahrscheinlichkeit einer kurzfristigen Lösung auf 20 bis 30 Prozent gesunken ist».

Ein zerstörtes Kloster
Ein Kloster in Myanmar, das durch das Erdbeben verwüstet wurde. AP Photo

Am gestrigen nationalen Sammeltag für die Erdbebenopfer in Südostasien hat die Glückskette rund 6,4 Millionen Franken an Spenden gesammelt.

Das Erdbeben hat vor allem in Myanmar enorme Zerstörungen angerichtet, wo die humanitäre Situation bereits vor der Katastrophe kritisch war, wie die Glückskette gestern mitteilte. Schweizer Partnerorganisationen leisten dort bereits lebenswichtige Nothilfe.

Der Spendenaufruf lief bereits vorher und läuft noch weiter, aber gestern waren Freiwillige und Prominente im Einsatz und sammelten den ganzen Tag über telefonisch Spendenzusagen.

Quaggamuscheln
Quaggamuscheln bedrohen nicht nur die Artenvielfalt, sondern können auch die Unterwasserinfrastruktur ernsthaft beschädigen. Keystone / DPA / Felix Kästle

Aus den Schweizer Seen gibt es in diesen Tagen keine guten Nachrichten. Während Fachleute wegen der Invasion der Quagga-Muschel Alarm schlagen, wurden in der Westschweiz bei zwei Fischarten Konzentrationen von PFAS-Schadstoffen festgestellt, die über den Grenzwerten liegen.

Die Analyse der Westschweizer Kantonschemiker, die sich bereit erklärt hatten, die PFAS-Kontamination von für den Verkauf bestimmten Seefischen zu bewerten, ergab für Barsch und Felchen PFAS-Werte unterhalb der Norm, für Hecht und Forelle jedoch Werte oberhalb der Norm. Dies könnte die Vermarktung dieser beiden Arten in Frage stellen.

Ein weiteres Problem stellt die Quagga-Muschel dar. Ein neuer Bericht der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz (Eawag) warnt vor irreversiblen Schäden an Bauwerken und Unterwasseranlagen sowie vor «Kosten in dreistelliger Millionenhöhe», die diese Muschel verursachen kann.

In den Schweizer Seen dürfte die Biomasse der Quagga-Muschel in den nächsten 20 bis 30 Jahren um den Faktor 9 bis 20 pro Quadratmeter zunehmen. Zurzeit gibt es in der Schweiz keine praktikablen Bekämpfungsmassnahmen. Die Eawag fordert deshalb, dass nicht betroffene Seen mindestens einmal pro Jahr mittels Umwelt-DNA-Analyse kontrolliert werden, um das Problem frühzeitig zu erkennen. «Für jeden See ist jedes Jahr, in dem die Quagga-Muschel nicht gefunden wird, ein gewonnenes Jahr», betont der Biologe Piet Spaak.

Eine Frau im Business-Anzug
Bundespräsidentin Karin Keller-Sutter. Keystone / Peter Klaunzer

Karin Keller-Sutter ist heute Protagonistin eines ausführlichen Interviews mit der Neuen Zürcher Zeitung, in dem die Bundespräsidentin das ihr oft zugeschriebene Image der «mächtigsten politischen Persönlichkeit des Landes» relativiert.

«In der Schweiz hat niemand richtig Macht. (…) Der Bundesrat wurde von den Verfassungsvätern nicht als starkes Gremium angelegt», sagt Keller-Sutter. Es gehe nicht darum, ihren persönlichen Einfluss zu minimieren. Die Bundespräsidentin räumt ein, dass sie Handlungsspielraum habe und «nicht Passivmitglied im Bundesrat» sei. «Ich will entscheiden, machen, prägen. Wer das nicht will, ist nicht am richtigen Ort.»

An einer Stelle kritisiert sie den stark zunehmenden Lobbyismus im Bundeshaus, den sie seit ihrem Wechsel in die Exekutive beobachtet. «In einem Milizsystem gehört Lobbying dazu, die Branchen sollen sich einbringen», sagt sie. «Aber heute werden im Parlament manchmal recht schamlos Argumentarien von Verbänden heruntergebetet

Das Gespräch streift auch persönlichere Aspekte von Keller-Sutters Leben, zum Beispiel die Religion: «Ich bin in einer katholischen Familie aufgewachsen. Meine Eltern haben mir wichtige Werte mitgegeben, aber sie waren keine Frömmler. Ich glaube, wir leben in einer Zeit, die sich nicht eignet für Leute ohne Kompass. Sie sind schnell verunsichert.»

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